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Zwischen
Wissenschaft, Kultur und Freundschaft
Internationales
Forschungs- und Ingenieurcamp: ISEC 2006 in Südkorea
JULIANE JÄPEL
Die
Deutsche UNESCO-Kommission und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall
haben im Rahmen des Bundeswettbewerbs 2006 "Jugend forscht" einen
Sonderpreis an Juliane Jäpel und Milan Gerovac vergeben (siehe
unesco
heute online 5-6/2006).
Mit dem Preis im Wert von 1.500 Euro war die Einladung zu einem
zweiwöchigen Forschungscamp in Südkorea verbunden. JULIANE JÄPEL
berichtet über ihre Reise.
24. Juli 2006:
Endlich war es soweit. Für uns begann die lange Reise nach Südkorea
in das uns noch recht unbekannte Land. Im Vorfeld hatten wir uns
auf der Homepage der Camporganisation über das Programm und den
Ablauf informiert. Milan kaufte sich einen Sprachführer Koreanisch,
ich probierte es mit einem Reiseführer der koreanischen Kultur.
Viele (Flug-)
Stunden später erreichten wir Pohang und die dortige Universität
(POSTECH). Der Campus wirkte riesig, verwirrend und fremd. Wenig
später fand schon unsere erste Veranstaltung statt, bei der wir
organisatorische Informationen erhielten und das erste Mal alle
anderen Teilnehmer trafen.
Bei der offiziellen
Eröffnungszeremonie hießen uns die beiden Gastgeber des Camps,
Doe Sun Na, Präsidentin der Korea Science Foundation, und Chan-Mo
Park, Präsident von POSTECH, willkommen und stellten uns die Professoren
vor. Den Beginn bildeten jedoch wir, die 105 Teilnehmer, die sich
geordnet nach Ländern zu ihren Plätzen begaben. Insgesamt waren
neun Ländern vertreten: Australien, China, Israel, Japan, Korea
(ca. die Hälfte aller Teilnehmer), Neuseeland, Singapur, Thailand
und wir zwei aus Deutschland, die einzigen Europäer.
Bereits während
der Eröffnung knüpften wir die ersten Kontakte. Neben uns befand
sich die Gruppe aus China, deren Schülerinnen uns nach deutschen
Fußballnationalspielern und zur WM in Deutschland befragten: Ob
wir die Spiele live im Stadion verfolgen konnten und wie wir die
ganze Atmosphäre empfunden haben. Ein Chinese erzählte mir später,
dass während der WM auch häufig über das Land berichtetet wurde
und er viel Neues über Deutschland erfahren hätte. Viele wollten
sich mit uns fotografieren lassen. Fast jeder hatte einen Fotoapparat
oder zumindest das Handy dabei, und es wurden außergewöhnlich
viele Fotos gemacht. Eine Neuseeländerin sagte mir am Ende des
Camps, dass sie insgesamt 1.300 Fotos aufgenommen hat.
Im Labor
Alle Teilnehmer
waren entsprechend ihrer Interessen in acht Gruppen eingeteilt.
Die Gebiete reichten von Biotechnologie über Maschinenbau bis
zu Physik. Milans Gruppe arbeitete am Computer an einem Thema
über das programmierbare Internet unter der Leitung von Professor
Seong-won Hwang. Ich arbeitete zusammen mit sieben Koreanern,
einem Israeli und zwei Chinesen in der Welt der Chemie. Professor
Hee Cheol Choi hatte für uns ein Projekt über Nanomaterial und
nanoelektronische Bauteile vorbereitet. In drei aufwändigen Experimenten
erzeugten wir Kohlenstoffröhren auf Silizium/Siliziumoxid-Platten,
die nach dem Auftragen von Goldelektroden als Transistoren nutzbar
waren. Wir arbeiteten in dem so genannten "Clean Room", in dem
wir weiße Anzüge und Mundschutz zur Sterilität tragen mussten.
Das Licht war gelb aufgrund einer einzigen Chemikalie, die sonst
mit weißem Licht reagiert hätte. Freundliche Unterstützung und
Anleitung bekamen wir während der gesamten Laborzeit durch die
Laborassistenten Hyun Jae Song und Hyun Jin Yang.
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| "Ich
arbeitete zusammen mit sieben Koreanern, einem Israeli
und zwei Chinesen in der Welt der Chemie. Professor
Hee Cheol Choi hatte für uns ein Projekt über Nanomaterial
und nanoelektronische Bauteile vorbereitet." |
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Neben den
Laborarbeiten hatten wir alle gemeinsame Vorlesungen. Fünf davon
wurden von renommierten Wissenschaftlern aus vier Ländern gehalten.
Die Themen reichten dabei vom Gehirn über die Geschichte der Chemie
bis hin zu flexiblen Displays und Hologrammen. Im "Student Seminar"
hatten dann alle Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, über
ihre Arbeiten oder über Themen aus der Wissenschaft, die sie besonders
interessieren, zu berichten. Auch hier gab es eine breite Themenauswahl.
Vorgestellt wurden unter anderem Zeitreisen, Quantenmechanik und
Genmutationen. Unsere logischen und analytischen Fähigkeiten konnten
wir spielerisch beim "Science Survival" unter Beweis stellen.
Hierbei haben wir jeweils in Gruppen verschiedene Rätsel gelöst,
zum Beispiel: "Wie findet man aus einer Gruppe von neun anscheinend
gleich schweren Steinen den Schwersten, wenn man nur zweimal wiegen
darf? Den Abschluss der wissenschaftlichen Arbeit bildete die
Vorstellung der Zeit im Labor. Jede Gruppe hatte dafür eine Bildschirmpräsentation
mit Erläuterungen und Fakten zum Thema sowie Bilder der wissenschaftlichen
Arbeit vorbereitet. Bei der Abschlusszeremonie erhielten wir alle
ein kunstvolles Zertifikat.
Ein umfangreiches
Rahmenprogramm mit Sport und Kultur
Gleich zu
Beginn stand HipHop auf unserem Plan. Dazu hatten die Organisatoren
eine professionelle Tanzgruppe eingeladen, die mehrere Tänze performte
und versuchte uns einige Schritte beizubringen.
Das Basketballturnier
stand an. Jede Laborgruppe stellte ein Team zusammen. Aufgrund
unserer Größe waren wir beide beteiligt, obwohl ich mit meinen
circa 1,65 hierzulande zu den Kleineren gehöre. Milan schaffte
es mit seiner Gruppe bis ins Finale, wir Chemiker schieden schon
nach dem ersten Spiel aus.
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"Koreanische
Nacht"
Eine
der besten und interessantesten Veranstaltungen war die
"koreanische Nacht". Enthusiastisch ging es mit einer Rockgruppe
los, die aus der Gruppe unser Betreuer gebildet wurde. Anschließend
folgte eine kurze Vorstellung von Taekwondo, dem Nationalsport
der Koreaner. Danach
präsentierten alle Teilnehmer ihr jeweiliges Land:
Die
Australier zeigten verschiedene, selbstgedrehte Videos ihrer
Heimat. Die Chinesen und Singapurer glänzten durch Gesangsdarbietungen,
China zeigte außerdem eine Konfu-Vorstellung. Israel
und Neuseeland führten zusammen ein kurzes Theaterstück
und traditionellen Tanz auf. Mit Hilfe eines Quiz brachten
die Japaner uns ihre Kultur näher.
Vor
allem der Beitrag der Thailänder war sehr schön. Sie
kleideten sich traditionell und erzählten uns einiges über
ihr Land. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, dass
es mindestens 20 Sekunden dauert, den eigentlichen Name
ihrer Hauptstadt (Bangkok bezeichnet eigentlich die Region
um die Stadt herum) in seiner lang ausgesprochenen Version
zu sagen. Außerdem spielten sie mit uns ein thailändisches
Spiel, das ich faszinierenderweise auch im Kindergarten
gespielt habe, natürlich mit anderem Text.
Den
Abschluss bildeten die Koreaner, die mit mehr als zwanzig
Personen einen Tanz zu der Rockversion ihrer Nationalhymne
(ihrem WM-Song) vorführten.
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| "Koreanische
Nacht" - zwei Betreuer in traditioneller koreanischer
Tracht: Hanbok |
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Auch Milan
und ich haben selbstverständlich etwas über Deutschland vorgestellt.
Wir haben über verschiedene Städte und Wissenschaftler berichtet
und die anderen Teilnehmer gefragt, welche berühmten Deutschen
sie aus Musik, Sport, Kunst, Literatur etc. kennen. Es war erstaunlich,
wie viel sie über Deutschland wussten. Manche lernen Deutsch in
der Schule oder wollen später vielleicht nach Deutschland, bestimmt
aber nach Europa gehen. Einige fragten mich auch, ob ich ihnen
nicht ein paar Sätze Deutsch beibringen könnte. Folglich begrüßte
mich ein koreanisches Mädchen bald immer mit "Guten Morgen" oder
"Guten Tag".
Visit Korea
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Am Wochenende
fuhren wir gemeinsam nach Ulsan, wo wir die "SK Corporation",
das größte koreanische Unternehmen, ein Walmuseum und schließlich
einen Schmetterlingspark besuchten. Im Walmuseum hatten
wir die Möglichkeit, mehr über Marinebiologie zu lernen.
Der Schmetterlingspark bot eine Vielfalt von Schmetterlingen
von überall auf der Welt.
Die
meisten Informationen über die koreanische Kultur erhielten
wir bei unserem Besuch im buddhistischen Golgul-Tempel.
Die Mönche dort lehren Sunmudo seit 1992. Sunmudo ist ein
Weg zur Erleuchtung, bei dem der Körper, der Geist und der
Atem in Einklang gebracht werden. Durch die Harmonisierung
der drei Teile des Karma - Körper, Sprache und Gedanken
- ermöglicht dieses Training den Ausübenden in den Zustand
perfekter spiritueller Konzentration (Samadhi) zu gelangen.
Auch uns wurden einfache Übungen aus dem Sunmudo gezeigt.
Nach der Sunmudostunde führten uns die Mönche über das hügelige
Gelände, zeigten uns verschiedene Tempel und erläuterten
dabei die Geschichte des koreanischen Buddhismus.
In Gyeongju
besuchten wir das Museum, das eine Ausstellung von Relikten
und Überresten der Silla-Dynastie beherbergt. Diese Dynastie
(ca. 650 bis 950) gilt als Koreas "Goldenes Zeitalter" wegen
der Pflege der Künste und der Wissenschaften. Besonders
beeindruckend waren die koreanische Architektur und die
vielen Statuen und Skulpturen. Um die Stadt Gyeongju herum
gibt es einen Park mit 23 alten Silla-Gräbern. Das Außergewöhnliche
ist, dass diese Gräber aus Hügeln bestehen, wobei jeder
Tote alleine in einem Hügel begraben wurde. Die Schönheit
der Silla-Dynastie zeigt sich besonders im Inneren des Cheonma
Chong-Grabes, wo wir die Grabbeilagen und die Konstruktion
des Grabes besichtigen konnten.
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| "Die
meisten Informationen über die koreanische Kultur
erhielten wir bei unserem Besuch im buddhistischen
Golgul-Tempel." |
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Hausbesuch
bei einer koreanischen Familie
Zusammen mit
einem Chinesen und einem Thailänder war ich zu Gast bei einer
Professorin von POSTECH und ihrem Neffen aus den USA. Wir spielten
Yut, ein traditionelles koreanisches Spiel, welches vor allem
an Neujahr gespielt wird. Es ähnelt ein wenig dem uns bekannten
"Mensch ärgere dich nicht": Gewinner ist, wer seine vier Spielsteine
als Erstes ins Ziel bringt. Das Besondere ist jedoch, dass vier
runde, an einer Seite abgeflachte Stöcke als Würfel dienen. Man
wirft diese in die Luft, und je nachdem wie viele auf der runden
bzw. abgeflachten Seite liegen, so viele Schritte darf man vorwärts
gehen.
Ein sicherlich
unvergessliches Erlebnis wurde das Camp nicht nur wegen der neuen
wissenschaftlichen Erfahrungen und kulturellen Erlebnisse, sondern
auch durch seine Internationalität und durch die Freundschaften,
die dort geschlossen wurden. So herrschte in den Laborgruppen
immer eine gute Atmosphäre. Die Abende verbrachten wir zusammen
in gemütlicher Runde, während tagsüber ein straffes Programm herrschte.
5. August
2006: Hier endete nun unsere Reise. Wir sind mit einigen Koreanern,
Israelis und Neuseeländern die Ersten, die sich auf die Heimreise
begeben. Doch trotz der frühen Stunde sind schon viele wach, um
uns zu verabschieden. Im Gepäck haben wir neben zahlreichen Souvenirs
auch eine kleine koreanische Flagge, voll mit Unterschriften und
Abschiedsworten zahlreicher neuer Freunde. Ein Thailänder antwortete
auf die Frage, wie viele Freunde er gewonnen habe: 104. So geht
es uns vermutlich allen.
Zu guter Letzt
möchten wir uns an dieser Stelle bei der Deutschen UNESCO-Kommission
und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall dafür bedanken, dass sie
uns diese Reise ermöglicht haben. Es war eine aufregende, unvergessliche
und vor allem schöne Zeit. Diese Tage zwischen Wissenschaft, Kultur
und Freundschaft werden wir immer in guter Erinnerung behalten.
JULIANE
JÄPEL, 18-jährige Schülerin der CJD Christophorusschule in Rostock,
wurde für ihre Forschungsarbeit "Die Bestimmung von Signalen zur
apikal-basolateralen Sortierung von Membranproteinen in Epithelia"
mit dem Sonderpreis "Jugend forscht" 2006 der Deutschen UNESCO-Kommission
und des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall ausgezeichnet.
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