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unesco heute online
Online-Magazin der Deutschen UNESCO-Kommission
Ausgabe 9-10, September/Oktober 2006
     
 

 

Zwischen Wissenschaft, Kultur und Freundschaft

Internationales Forschungs- und Ingenieurcamp: ISEC 2006 in Südkorea

JULIANE JÄPEL

Die Deutsche UNESCO-Kommission und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall haben im Rahmen des Bundeswettbewerbs 2006 "Jugend forscht" einen Sonderpreis an Juliane Jäpel und Milan Gerovac vergeben (siehe unesco heute online 5-6/2006). Mit dem Preis im Wert von 1.500 Euro war die Einladung zu einem zweiwöchigen Forschungscamp in Südkorea verbunden. JULIANE JÄPEL berichtet über ihre Reise.

24. Juli 2006: Endlich war es soweit. Für uns begann die lange Reise nach Südkorea in das uns noch recht unbekannte Land. Im Vorfeld hatten wir uns auf der Homepage der Camporganisation über das Programm und den Ablauf informiert. Milan kaufte sich einen Sprachführer Koreanisch, ich probierte es mit einem Reiseführer der koreanischen Kultur.

Viele (Flug-) Stunden später erreichten wir Pohang und die dortige Universität (POSTECH). Der Campus wirkte riesig, verwirrend und fremd. Wenig später fand schon unsere erste Veranstaltung statt, bei der wir organisatorische Informationen erhielten und das erste Mal alle anderen Teilnehmer trafen.

Bei der offiziellen Eröffnungszeremonie hießen uns die beiden Gastgeber des Camps, Doe Sun Na, Präsidentin der Korea Science Foundation, und Chan-Mo Park, Präsident von POSTECH, willkommen und stellten uns die Professoren vor. Den Beginn bildeten jedoch wir, die 105 Teilnehmer, die sich geordnet nach Ländern zu ihren Plätzen begaben. Insgesamt waren neun Ländern vertreten: Australien, China, Israel, Japan, Korea (ca. die Hälfte aller Teilnehmer), Neuseeland, Singapur, Thailand und wir zwei aus Deutschland, die einzigen Europäer.

Bereits während der Eröffnung knüpften wir die ersten Kontakte. Neben uns befand sich die Gruppe aus China, deren Schülerinnen uns nach deutschen Fußballnationalspielern und zur WM in Deutschland befragten: Ob wir die Spiele live im Stadion verfolgen konnten und wie wir die ganze Atmosphäre empfunden haben. Ein Chinese erzählte mir später, dass während der WM auch häufig über das Land berichtetet wurde und er viel Neues über Deutschland erfahren hätte. Viele wollten sich mit uns fotografieren lassen. Fast jeder hatte einen Fotoapparat oder zumindest das Handy dabei, und es wurden außergewöhnlich viele Fotos gemacht. Eine Neuseeländerin sagte mir am Ende des Camps, dass sie insgesamt 1.300 Fotos aufgenommen hat.

Im Labor

Alle Teilnehmer waren entsprechend ihrer Interessen in acht Gruppen eingeteilt. Die Gebiete reichten von Biotechnologie über Maschinenbau bis zu Physik. Milans Gruppe arbeitete am Computer an einem Thema über das programmierbare Internet unter der Leitung von Professor Seong-won Hwang. Ich arbeitete zusammen mit sieben Koreanern, einem Israeli und zwei Chinesen in der Welt der Chemie. Professor Hee Cheol Choi hatte für uns ein Projekt über Nanomaterial und nanoelektronische Bauteile vorbereitet. In drei aufwändigen Experimenten erzeugten wir Kohlenstoffröhren auf Silizium/Siliziumoxid-Platten, die nach dem Auftragen von Goldelektroden als Transistoren nutzbar waren. Wir arbeiteten in dem so genannten "Clean Room", in dem wir weiße Anzüge und Mundschutz zur Sterilität tragen mussten. Das Licht war gelb aufgrund einer einzigen Chemikalie, die sonst mit weißem Licht reagiert hätte. Freundliche Unterstützung und Anleitung bekamen wir während der gesamten Laborzeit durch die Laborassistenten Hyun Jae Song und Hyun Jin Yang.

"Ich arbeitete zusammen mit sieben Koreanern, einem Israeli und zwei Chinesen in der Welt der Chemie. Professor Hee Cheol Choi hatte für uns ein Projekt über Nanomaterial und nanoelektronische Bauteile vorbereitet."

Neben den Laborarbeiten hatten wir alle gemeinsame Vorlesungen. Fünf davon wurden von renommierten Wissenschaftlern aus vier Ländern gehalten. Die Themen reichten dabei vom Gehirn über die Geschichte der Chemie bis hin zu flexiblen Displays und Hologrammen. Im "Student Seminar" hatten dann alle Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, über ihre Arbeiten oder über Themen aus der Wissenschaft, die sie besonders interessieren, zu berichten. Auch hier gab es eine breite Themenauswahl. Vorgestellt wurden unter anderem Zeitreisen, Quantenmechanik und Genmutationen. Unsere logischen und analytischen Fähigkeiten konnten wir spielerisch beim "Science Survival" unter Beweis stellen. Hierbei haben wir jeweils in Gruppen verschiedene Rätsel gelöst, zum Beispiel: "Wie findet man aus einer Gruppe von neun anscheinend gleich schweren Steinen den Schwersten, wenn man nur zweimal wiegen darf? Den Abschluss der wissenschaftlichen Arbeit bildete die Vorstellung der Zeit im Labor. Jede Gruppe hatte dafür eine Bildschirmpräsentation mit Erläuterungen und Fakten zum Thema sowie Bilder der wissenschaftlichen Arbeit vorbereitet. Bei der Abschlusszeremonie erhielten wir alle ein kunstvolles Zertifikat.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Sport und Kultur

Gleich zu Beginn stand HipHop auf unserem Plan. Dazu hatten die Organisatoren eine professionelle Tanzgruppe eingeladen, die mehrere Tänze performte und versuchte uns einige Schritte beizubringen.

Das Basketballturnier stand an. Jede Laborgruppe stellte ein Team zusammen. Aufgrund unserer Größe waren wir beide beteiligt, obwohl ich mit meinen circa 1,65 hierzulande zu den Kleineren gehöre. Milan schaffte es mit seiner Gruppe bis ins Finale, wir Chemiker schieden schon nach dem ersten Spiel aus.

"Koreanische Nacht"

Eine der besten und interessantesten Veranstaltungen war die "koreanische Nacht". Enthusiastisch ging es mit einer Rockgruppe los, die aus der Gruppe unser Betreuer gebildet wurde. Anschließend folgte eine kurze Vorstellung von Taekwondo, dem Nationalsport der Koreaner. Danach präsentierten alle Teilnehmer ihr jeweiliges Land:

Die Australier zeigten verschiedene, selbstgedrehte Videos ihrer Heimat. Die Chinesen und Singapurer glänzten durch Gesangsdarbietungen, China zeigte außerdem eine Konfu-Vorstellung. Israel und Neuseeland führten zusammen ein kurzes Theaterstück und traditionellen Tanz auf. Mit Hilfe eines Quiz brachten die Japaner uns ihre Kultur näher.

Vor allem der Beitrag der Thailänder war sehr schön. Sie kleideten sich traditionell und erzählten uns einiges über ihr Land. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, dass es mindestens 20 Sekunden dauert, den eigentlichen Name ihrer Hauptstadt (Bangkok bezeichnet eigentlich die Region um die Stadt herum) in seiner lang ausgesprochenen Version zu sagen. Außerdem spielten sie mit uns ein thailändisches Spiel, das ich faszinierenderweise auch im Kindergarten gespielt habe, natürlich mit anderem Text.

Den Abschluss bildeten die Koreaner, die mit mehr als zwanzig Personen einen Tanz zu der Rockversion ihrer Nationalhymne (ihrem WM-Song) vorführten.

"Koreanische Nacht" - zwei Betreuer in traditioneller koreanischer Tracht: Hanbok

Auch Milan und ich haben selbstverständlich etwas über Deutschland vorgestellt. Wir haben über verschiedene Städte und Wissenschaftler berichtet und die anderen Teilnehmer gefragt, welche berühmten Deutschen sie aus Musik, Sport, Kunst, Literatur etc. kennen. Es war erstaunlich, wie viel sie über Deutschland wussten. Manche lernen Deutsch in der Schule oder wollen später vielleicht nach Deutschland, bestimmt aber nach Europa gehen. Einige fragten mich auch, ob ich ihnen nicht ein paar Sätze Deutsch beibringen könnte. Folglich begrüßte mich ein koreanisches Mädchen bald immer mit "Guten Morgen" oder "Guten Tag".

Visit Korea

Am Wochenende fuhren wir gemeinsam nach Ulsan, wo wir die "SK Corporation", das größte koreanische Unternehmen, ein Walmuseum und schließlich einen Schmetterlingspark besuchten. Im Walmuseum hatten wir die Möglichkeit, mehr über Marinebiologie zu lernen. Der Schmetterlingspark bot eine Vielfalt von Schmetterlingen von überall auf der Welt.

Die meisten Informationen über die koreanische Kultur erhielten wir bei unserem Besuch im buddhistischen Golgul-Tempel. Die Mönche dort lehren Sunmudo seit 1992. Sunmudo ist ein Weg zur Erleuchtung, bei dem der Körper, der Geist und der Atem in Einklang gebracht werden. Durch die Harmonisierung der drei Teile des Karma - Körper, Sprache und Gedanken - ermöglicht dieses Training den Ausübenden in den Zustand perfekter spiritueller Konzentration (Samadhi) zu gelangen. Auch uns wurden einfache Übungen aus dem Sunmudo gezeigt. Nach der Sunmudostunde führten uns die Mönche über das hügelige Gelände, zeigten uns verschiedene Tempel und erläuterten dabei die Geschichte des koreanischen Buddhismus.

In Gyeongju besuchten wir das Museum, das eine Ausstellung von Relikten und Überresten der Silla-Dynastie beherbergt. Diese Dynastie (ca. 650 bis 950) gilt als Koreas "Goldenes Zeitalter" wegen der Pflege der Künste und der Wissenschaften. Besonders beeindruckend waren die koreanische Architektur und die vielen Statuen und Skulpturen. Um die Stadt Gyeongju herum gibt es einen Park mit 23 alten Silla-Gräbern. Das Außergewöhnliche ist, dass diese Gräber aus Hügeln bestehen, wobei jeder Tote alleine in einem Hügel begraben wurde. Die Schönheit der Silla-Dynastie zeigt sich besonders im Inneren des Cheonma Chong-Grabes, wo wir die Grabbeilagen und die Konstruktion des Grabes besichtigen konnten.

"Die meisten Informationen über die koreanische Kultur erhielten wir bei unserem Besuch im buddhistischen Golgul-Tempel."

Hausbesuch bei einer koreanischen Familie

Zusammen mit einem Chinesen und einem Thailänder war ich zu Gast bei einer Professorin von POSTECH und ihrem Neffen aus den USA. Wir spielten Yut, ein traditionelles koreanisches Spiel, welches vor allem an Neujahr gespielt wird. Es ähnelt ein wenig dem uns bekannten "Mensch ärgere dich nicht": Gewinner ist, wer seine vier Spielsteine als Erstes ins Ziel bringt. Das Besondere ist jedoch, dass vier runde, an einer Seite abgeflachte Stöcke als Würfel dienen. Man wirft diese in die Luft, und je nachdem wie viele auf der runden bzw. abgeflachten Seite liegen, so viele Schritte darf man vorwärts gehen.

Ein sicherlich unvergessliches Erlebnis wurde das Camp nicht nur wegen der neuen wissenschaftlichen Erfahrungen und kulturellen Erlebnisse, sondern auch durch seine Internationalität und durch die Freundschaften, die dort geschlossen wurden. So herrschte in den Laborgruppen immer eine gute Atmosphäre. Die Abende verbrachten wir zusammen in gemütlicher Runde, während tagsüber ein straffes Programm herrschte.

5. August 2006: Hier endete nun unsere Reise. Wir sind mit einigen Koreanern, Israelis und Neuseeländern die Ersten, die sich auf die Heimreise begeben. Doch trotz der frühen Stunde sind schon viele wach, um uns zu verabschieden. Im Gepäck haben wir neben zahlreichen Souvenirs auch eine kleine koreanische Flagge, voll mit Unterschriften und Abschiedsworten zahlreicher neuer Freunde. Ein Thailänder antwortete auf die Frage, wie viele Freunde er gewonnen habe: 104. So geht es uns vermutlich allen.

Zu guter Letzt möchten wir uns an dieser Stelle bei der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall dafür bedanken, dass sie uns diese Reise ermöglicht haben. Es war eine aufregende, unvergessliche und vor allem schöne Zeit. Diese Tage zwischen Wissenschaft, Kultur und Freundschaft werden wir immer in guter Erinnerung behalten.

JULIANE JÄPEL, 18-jährige Schülerin der CJD Christophorusschule in Rostock, wurde für ihre Forschungsarbeit "Die Bestimmung von Signalen zur apikal-basolateralen Sortierung von Membranproteinen in Epithelia" mit dem Sonderpreis "Jugend forscht" 2006 der Deutschen UNESCO-Kommission und des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall ausgezeichnet.

 

 

 

unesco heute online   Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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