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unesco heute online
Online-Magazin der Deutschen UNESCO-Kommission
Ausgabe 9-10, September/Oktober 2006
     
 

Im Land der aufgehenden Wissenschaft

MILAN GEROVAC

Bei dem bundesweiten Nachwuchswettbewerb "Jugend forscht" 2006 hat die Deutsche UNESCO-Kommission gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall einen Sonderpreis an die beiden Schüler Juliane Jäpel und Milan Gerovac verliehen (siehe unesco heute online 5-6/2006). Der Preis ermöglichte ihnen die Teilnahme an einem internationalen Forschungscamp in Südkorea.
MILAN GEROVAC schildert seine Eindrücke von dem Camp, das vom 26. Juli bis 4. August 2006 an der Universität Pohang stattfand.

"These are the Germans, give them a big hand!" (Dies sind die Deutschen, gebt ihnen einen großen Applaus!) - So wurden wir in Pohang, Südkorea, an der POSTECH-University empfangen. Über zwei Wochen haben wir wissenschaftliche Themen theoretisch und praktisch in den Einrichtungen der POSTECH-University erarbeitetet. Ich habe mich für die Arbeitsgruppe "Computer Engineering/Science" entschieden.

Insgesamt waren wir 105 Teilnehmer aus neun Nationen. Korea stellte dabei gut die Hälfte, China folgte mit zwölf Teilnehmern, Israel mit sechs, Japan und Thailand hatten jeweils fünf Teilnehmer geschickt, Australien vier und Singapur, Neuseeland und Deutschland je zwei. Obwohl wir Europäer die Minderheit bildeten, waren erstaunlich viele Asiaten an Deutschland und uns interessiert. Die wichtigsten Sätze beherrschen sie allemal, da konnte ich ihnen nur noch das bayerische "Grüß Gott" beibringen. Die Fußballweltmeisterschaft sorgte bei jeder Gelegenheit für Gesprächsstoff, und Juliane durfte den Chinesinnen alle Nationalspieler vorstellen.

Die beiden deutschen Teilnehmer auf dem Internationalen Forschungscamp in Südkorea: Juliane Jäpel und Milan Gerovac

Da Japan und Südkorea wirtschaftlich, technisch/wissenschaftlich und kulturell immer mehr zusammenwachsen, darf man Korea auch zu den Ländern der aufgehenden Sonne zählen. Ich durfte es selber erleben, wie hell dort die Sonne scheint und wie hell die Farben dort leuchten. Die Menschen sind sehr nett: Es herrschte gerade Regenzeit, und da gab es schon mal ein paar kleine Schauer. Ich hatte jedoch keinen Regenschirm mit, da fragte ein koreanischer Teilnehmer eine Frau, die bei einem kleinen Lebensmittelgeschäft in der Universität arbeitete, ob sie mir einen Regenschirm ausleihen könnte. Ohne zu zögern, überreichte sie mir ihren eigenen und sagte nur, dass ich ihn ihr am nächsten Tag zurückbringen sollte. Dies war nicht das einzige "helle" Erlebnis.

Die Opening Ceremony und die erste Lecture

Bei der Eröffnungsfeier waren die Präsidentin der Korea Science Foundation, Doe Sun Na, Vertreter aus der Regierung, der Präsident der POSTECH-University, Chan-Mo Park, sowie zahlreiche Professoren anwesend. Es gab unzählige Journalisten und Fernsehkameras. Der meist gesprochene Satz war, dass Wissenschaft keine Grenzen kennt und durch ISEC (International Science and Engineering Camp) die internationalen Kontakte in der Wissenschaft zwischen Jugendlichen gefördert werden sollten.

Es folgte eine sehr interessante Lecture über das Gehirn und neuronale Transmitter, die in der universitätseigenen digitalen Bibliothek gehalten wurde. Die Architektur dieser Bibliothek ist etwas Besonderes. Das kreisrunde Gebäude hat an die sieben Stockwerke, und man kann es auf dem fünften Stock über eine Brücke betreten.

"Wir setzten uns zum Ziel, die Fähigkeiten von Google und Co nutzen zu lernen und unser eigenes kleines Google zu programmieren."

Am dritten Tag ging es dann richtig los: Den Vormittag nutzte meine Gruppe mit Frau Prof. Seong-won Hwang als Einstieg in die Computerwissenschaft und die Erfassung des Web 2.0, eine Weiterentwicklung des Internets, die dem Benutzer die Möglichkeit der Interaktion gibt. Wir setzten uns zum Ziel, die Fähigkeiten von Google und Co nutzen zu lernen und unser eigenes kleines Google zu programmieren. Wir verfolgten aber auch Themen wie: "Wie sieht das Internet der Zukunft aus?" Wir versuchten zu beantworten, wie lange es noch dauern wird, bis unser bekannter Desktop nicht mehr auf dem PC stationiert, sondern vollkommen im Internet abgespeichert sein wird. Die anderen Gruppen machten ähnlich aufregende Dinge, wie zum Beispiel in Chemie die Synthese von Nanotubes oder in Mechanical Engineering das Konstruieren von Nanorobotern.

Korea ist für seine Vielfältigkeit bekannt, genauso war auch unser Programm gestaltet. Am Nachmittag hieß es "Dance Lesson". Eine berühmte koreanische Dancegruppe brachte uns innerhalb von zweieinhalb Stunden die Grundlagen des modernen Tanzens und der "Koreographie" bei, und wir lernten die einzelnen "moves" (Bewegungen).

Gleich nach dem Abendessen gab es eine weitere Lecture, bei der wir sogar die technischen Erweiterungen des Vorlesungssaales erkundeten. Ich habe noch nirgends so viele Flachbildfernseher wie in Korea gesehen, die alten Röhrenfernseher gehören dort fast schon zu einer ausgestorbenen Art. Man wird überall per TV unterhalten, sei es im Bus oder Restaurant oder in der Mensa. In dem Vorlesungssaal standen gleich drei Fernseher, ein Smartboard (eine Tafel, auf der man digital schreiben kann) sowie ein Projektor (Beamer sind dort bereits ausgestorben). Erst nach einiger Zeit fanden wir die wahren Finessen dieses Raumes und den Nutzen der Fernseher heraus. Vor den Sitzreihen waren Knöpfe mit Mikrofonen, um bei einer Wortmeldung auch wirklich gehört zu werden. Das eigentlich Neue war, dass bei Aktivierung dieses Knopfes sofort zwei Kameras vollautomatisch auf einen zoomten und dies auf den Fernsehern ausgestrahlt wurde.

Am Abend versammelten wir uns in der Lounge des Studentenheims. Auch hier gab es natürlich einen großen Flachbildfernseher. Als ich nach einer Fernbedienung suchte, erntete ich bei den Koreanern nur einen unverständlichen Blick. Sie brauchten keine Fernbedienungen, sie steuern den Fernseher ganz einfach mit ihrem Mobiltelefon per Infrarot.

Sport und Musik und Länderquiz

Der nächste Tag versprach einen bunten Abend. Es standen "Sports" und die "Korean Night" an. Als erstes gab es zwei große Turniere in Basketball und Tischtennis. Die Sieger bekamen edle Preise in Form von Medaillen mit dem POSTECH-Logo. Der kulturelle Höhepunkt von ISEC war ein sehr buntes Programm mit Musik und Gesang. Eine eigene Rockgruppe aus Pohang, deren Mitglieder auch gleichzeitig unsere Betreuer waren, gab ein Konzert. Das ganze wurde mit einer Taekwondo-Vorstellung ergänzt, wo Bretter und Steine brachen und Sprünge in einige Meter Höhe keine Seltenheit waren. Im Anschluss daran sollte jedes Land sich selber vorstellen.

"Ich habe gelernt, dass Freundschaft und Wissenschaft keine Grenzen kennen."

Es ging mit den Australiern los, die eigene Videos präsentierten und ein Quiz über ihr Land machten. Als Preise winkten T-Shirts und kleine Souvenirs. Aus China und Singapur gab es traditionellen und modernen Gesang, der durch traditionelle chinesische Kampfkunst untermauert wurde. Die Japaner glänzten mit einem weiteren Quiz. Thailand setzte ganz auf Tradition, in traditioneller Kleidung brachten sie uns ihre Spiel- und Landeskultur näher. Dann war unser Moment gekommen: Juliane versuchte bekannte Deutsche vorzustellen und spielte klassische deutsch-europäische und moderne Musik vor. Ich hielt eine kurze Einführung über die bekanntesten deutschen Städte. Zum Schluss gab es die wichtigsten Sätze im Deutschen zum Nachsprechen und Lernen. Aus Israel gab es die moderne Version von "David gegen Goliath", und Neuseeland führte seinen traditionellen Kriegstanz auf, den wir alle nachmachten und so die ganze Halle in Schwingung versetzten.

Mit dem Bus durch Korea

Damit ging es in das Wochenende, das ein volles Programm bot. Wir fuhren nach Ulsan zur SK Corporation, das größte Unternehmen in Korea. Es ist mit Öl groß geworden, mittlerweile produziert es aber nahezu alles. Wir besichtigten die Ölförderwerke und sahen uns das SK-eigene Museum an. Nach dem Mittagessen ging es dann zum "Whale Museum Visit", wo eindrucksvolle Skelette und historische Jagdinstrumente zu bestaunen waren. Ein Gruppenfoto vor einem alten Walfangboot durfte natürlich nicht fehlen.

Whale Museum Visit: "Ein Gruppenfoto vor einem alten Walfangboot durfte natürlich nicht fehlen."

Der nächste Tag versprach ähnlich abwechslungsreich zu werden. Es ging zum Golgul-Tempel. Mönche führten uns Lektionen zur Bewegungslehre vor, und wir durften im Kollektiv meditieren. Dann stand der Besuch in Gyeongju an, wo ein sehr großes Museum die koreanische Geschichte von vor dreitausend Jahren bis zur Gegenwart ausstellt. Es war beeindruckend, die Architektur und ihre Entwicklung zu sehen, prunkvollen Schmuck und historisches Textil. Einige wenige Kilometer weiter gab es eine Welt, wo runde Hügel in die Höhe ragten: Im traditionellen Korea wurden die Toten nicht begraben, sondern es wurden über ihren Leichnam Steine getürmt und mit Erde abgedeckt. Dabei wurde die Höhe anhand der Berühmtheit des Verstorbenen bestimmt. Zu guter Letzt besuchten wir ein kleines Dorf, wo nur Souvenirs hergestellt werden. Wir durften dort shoppen gehen. Besonders angetan hatten es mir die traditionellen Fächer, die sehr kunstvoll gemacht sind. Es gab Schmuck und Keramik soweit das Auge reicht.

Eine der besonderen Freizeitaktivitäten im Camp war koreanisches Basteln. Das Ziel war, eine Schale aus Papier zu machen, einen Drachen zu bauen, der auch wirklich fliegen kann, und ein Spiel zu lernen, bei dem ein Kreisel über eine kleine Peitsche angetrieben werden muss.

"Science Survival": Vorsicht Laserstrahlen!

Beim "Science Survival" mussten wir in Gruppen wissenschaftliche Stationen passieren und Punkte sammeln. Als es hieß "Vorsicht, Laserstrahlen!", fühlte ich mich wie in einem Actionfilm. Bei der nächsten Station galt es, Luftballons mit Wasser zu füllen und diese zu zweit mittels eines Tuches über ein Volleyballnetz zu werfen, wo sie gefangen werden sollten. Das Gewicht bestimmte die Punktezahl. Auch Gedächtnistraining, geometrisches Verständnis und Logik waren gefragt. Besonders interessant fand ich die Station "Water-Car", wo man ein Auto aus Plastikflaschen bauen sollte und mittels Wasser und Druck durch ein hundert Meter entfernt liegendes Tor schießen musste. Am Schluss gab es die Preisverleihung, wo meine Gruppe immerhin den zweiten Platz erreichte.

Ein weiterer Höhepunkt war das "Home Visiting". Jeweils drei ausländische Teilnehmer besuchten das Zuhause einer koreanischen Familie und waren zum Abendessen eingeladen. Ich war Gast bei der Familie eines Chemie-Professors der POSTECH-University. Zu fünft mussten wir uns in einem sehr feinen Restaurant durch ein Sieben-Gänge-Menü mit traditionellem koreanischen Essen durchschlagen. Selbstverständlich galt es da, mit Stäbchen zu essen und im Schneidersitz. Anschließend besuchten wir unsere Gastgeber zu Hause und besichtigten ihre Wohnung. Man kann sagen, dass in Korea die Wohnungen sehr klein sind, 40 Quadratmeter sind bereits sehr viel.

Am letzten Tag hatten wir Gelegenheit, unsere Gruppen-Ergebnisse vorzustellen, die auch auf dem ISEC 2006 Video zusammengefasst sind. Anschließend gab es die "Closing Ceremony", wo wir alle vom Präsidenten mit einer Urkunde in einem edlen Samtordner ausgezeichnet wurden. Abends folgte dann die Abschlussparty mit Discomusik, und alle versuchten noch die letzten Autogramme auf ihre Korea-Flaggen zu bekommen.

Während dieser zehn Tage sind wir richtig zusammengewachsen, und ich habe viele Freunde gewonnen. Ich habe gelernt, dass Freundschaft und Wissenschaft keine Grenzen kennen. In meinem Herzen trage ich eine schöne Erinnerung von einem fernen und sehr dynamischen Land, dem ich immer in besonderer Weise verbunden bleiben werde. Für die Teilnahme an ISEC 2006 möchte ich der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall herzlich danken.

MILAN GEROVAC, 17 Jahre, ist Schüler der Goetheschule Neu-Isenburg. Er erhielt für sein "Project iG - fatal error in DNA" den Sonderpreis der Deutschen UNESCO-Kommission und des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall im Rahmen des Bundeswettbewerbs 2006 "Jugend forscht".

Websites

International Science and Engineering Camp (ISEC)
http://camp.scienceall.com/about/about_01_01.html

Videodatei des Wissenschaftscamps ISEC 2006 (Format WMV)
http://camp.scienceall.com/images/isec-2006.wmv

ISEC 2006 Participants Webpage
http://isec06.is.funpic.de/index.html

 

 

unesco heute online   Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
Deutsche UNESCO-Kommission e.V., Colmantstraße 15, D-53115 Bonn
Telefon 0228 / 60497-0, -11  Fax 0228 / 6049730   www.unesco-heute.de
 
 
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