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Im
Land der aufgehenden Wissenschaft
MILAN GEROVAC
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Bei
dem bundesweiten Nachwuchswettbewerb "Jugend forscht" 2006
hat die Deutsche UNESCO-Kommission gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband
Gesamtmetall einen Sonderpreis an die beiden Schüler Juliane
Jäpel und Milan Gerovac verliehen (siehe
unesco
heute online
5-6/2006). Der Preis ermöglichte
ihnen die Teilnahme an einem internationalen Forschungscamp
in Südkorea.
MILAN GEROVAC schildert seine Eindrücke von dem Camp, das
vom 26. Juli bis 4. August 2006 an der Universität Pohang
stattfand.
"These
are the Germans, give them a big hand!" (Dies sind die Deutschen,
gebt ihnen einen großen Applaus!) - So wurden wir in Pohang,
Südkorea, an der POSTECH-University empfangen. Über zwei
Wochen haben wir wissenschaftliche Themen theoretisch und
praktisch in den Einrichtungen der POSTECH-University erarbeitetet.
Ich habe mich für die Arbeitsgruppe "Computer Engineering/Science"
entschieden.
Insgesamt
waren wir 105 Teilnehmer aus neun Nationen. Korea stellte
dabei gut die Hälfte, China folgte mit zwölf Teilnehmern,
Israel mit sechs, Japan und Thailand hatten jeweils fünf
Teilnehmer geschickt, Australien vier und Singapur, Neuseeland
und Deutschland je zwei. Obwohl wir Europäer die Minderheit
bildeten, waren erstaunlich viele Asiaten an Deutschland
und uns interessiert. Die wichtigsten Sätze beherrschen
sie allemal, da konnte ich ihnen nur noch das bayerische
"Grüß Gott" beibringen. Die Fußballweltmeisterschaft sorgte
bei jeder Gelegenheit für Gesprächsstoff, und Juliane durfte
den Chinesinnen alle Nationalspieler vorstellen.
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| Die
beiden deutschen Teilnehmer auf dem Internationalen
Forschungscamp in Südkorea: Juliane Jäpel
und Milan Gerovac |
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Da Japan und
Südkorea wirtschaftlich, technisch/wissenschaftlich und kulturell
immer mehr zusammenwachsen, darf man Korea auch zu den Ländern
der aufgehenden Sonne zählen. Ich durfte es selber erleben, wie
hell dort die Sonne scheint und wie hell die Farben dort leuchten.
Die Menschen sind sehr nett: Es herrschte gerade Regenzeit, und
da gab es schon mal ein paar kleine Schauer. Ich hatte jedoch
keinen Regenschirm mit, da fragte ein koreanischer Teilnehmer
eine Frau, die bei einem kleinen Lebensmittelgeschäft in der Universität
arbeitete, ob sie mir einen Regenschirm ausleihen könnte. Ohne
zu zögern, überreichte sie mir ihren eigenen und sagte nur, dass
ich ihn ihr am nächsten Tag zurückbringen sollte. Dies war nicht
das einzige "helle" Erlebnis.
Die Opening
Ceremony und die erste Lecture
Bei der Eröffnungsfeier
waren die Präsidentin der Korea Science Foundation, Doe Sun Na,
Vertreter aus der Regierung, der Präsident der POSTECH-University,
Chan-Mo Park, sowie zahlreiche Professoren anwesend. Es gab unzählige
Journalisten und Fernsehkameras. Der meist gesprochene Satz war,
dass Wissenschaft keine Grenzen kennt und durch ISEC (International
Science and Engineering Camp) die internationalen Kontakte in
der Wissenschaft zwischen Jugendlichen gefördert werden sollten.
Es folgte
eine sehr interessante Lecture über das Gehirn und neuronale Transmitter,
die in der universitätseigenen digitalen Bibliothek gehalten wurde.
Die Architektur dieser Bibliothek ist etwas Besonderes. Das kreisrunde
Gebäude hat an die sieben Stockwerke, und man kann es auf dem
fünften Stock über eine Brücke betreten.
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| "Wir
setzten uns zum Ziel, die Fähigkeiten von Google und
Co nutzen zu lernen und unser eigenes kleines Google
zu programmieren." |
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Am dritten
Tag ging es dann richtig los: Den Vormittag nutzte meine Gruppe
mit Frau Prof. Seong-won Hwang als Einstieg in die Computerwissenschaft
und die Erfassung des Web 2.0, eine Weiterentwicklung des Internets,
die dem Benutzer die Möglichkeit der Interaktion gibt. Wir setzten
uns zum Ziel, die Fähigkeiten von Google und Co nutzen zu lernen
und unser eigenes kleines Google zu programmieren. Wir verfolgten
aber auch Themen wie: "Wie sieht das Internet der Zukunft aus?"
Wir versuchten zu beantworten, wie lange es noch dauern wird,
bis unser bekannter Desktop nicht mehr auf dem PC stationiert,
sondern vollkommen im Internet abgespeichert sein wird. Die anderen
Gruppen machten ähnlich aufregende Dinge, wie zum Beispiel in
Chemie die Synthese von Nanotubes oder in Mechanical Engineering
das Konstruieren von Nanorobotern.
Korea ist
für seine Vielfältigkeit bekannt, genauso war auch unser Programm
gestaltet. Am Nachmittag hieß es "Dance Lesson". Eine berühmte
koreanische Dancegruppe brachte uns innerhalb von zweieinhalb
Stunden die Grundlagen des modernen Tanzens und der "Koreographie"
bei, und wir lernten die einzelnen "moves" (Bewegungen).
Gleich nach
dem Abendessen gab es eine weitere Lecture, bei der wir sogar
die technischen Erweiterungen des Vorlesungssaales erkundeten.
Ich habe noch nirgends so viele Flachbildfernseher wie in Korea
gesehen, die alten Röhrenfernseher gehören dort fast schon zu
einer ausgestorbenen Art. Man wird überall per TV unterhalten,
sei es im Bus oder Restaurant oder in der Mensa. In dem Vorlesungssaal
standen gleich drei Fernseher, ein Smartboard (eine Tafel, auf
der man digital schreiben kann) sowie ein Projektor (Beamer sind
dort bereits ausgestorben). Erst nach einiger Zeit fanden wir
die wahren Finessen dieses Raumes und den Nutzen der Fernseher
heraus. Vor den Sitzreihen waren Knöpfe mit Mikrofonen, um bei
einer Wortmeldung auch wirklich gehört zu werden. Das eigentlich
Neue war, dass bei Aktivierung dieses Knopfes sofort zwei Kameras
vollautomatisch auf einen zoomten und dies auf den Fernsehern
ausgestrahlt wurde.
Am Abend versammelten
wir uns in der Lounge des Studentenheims. Auch hier gab es natürlich
einen großen Flachbildfernseher. Als ich nach einer Fernbedienung
suchte, erntete ich bei den Koreanern nur einen unverständlichen
Blick. Sie brauchten keine Fernbedienungen, sie steuern den Fernseher
ganz einfach mit ihrem Mobiltelefon per Infrarot.
Sport und
Musik und Länderquiz
Der nächste
Tag versprach einen bunten Abend. Es standen "Sports" und die
"Korean Night" an. Als erstes gab es zwei große Turniere in Basketball
und Tischtennis. Die Sieger bekamen edle Preise in Form von Medaillen
mit dem POSTECH-Logo. Der kulturelle Höhepunkt von ISEC war ein
sehr buntes Programm mit Musik und Gesang. Eine eigene Rockgruppe
aus Pohang, deren Mitglieder auch gleichzeitig unsere Betreuer
waren, gab ein Konzert. Das ganze wurde mit einer Taekwondo-Vorstellung
ergänzt, wo Bretter und Steine brachen und Sprünge in einige Meter
Höhe keine Seltenheit waren. Im Anschluss daran sollte jedes Land
sich selber vorstellen.
| "Ich
habe gelernt, dass Freundschaft und Wissenschaft keine
Grenzen kennen." |
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Es ging mit
den Australiern los, die eigene Videos präsentierten und ein Quiz
über ihr Land machten. Als Preise winkten T-Shirts und kleine
Souvenirs. Aus China und Singapur gab es traditionellen und modernen
Gesang, der durch traditionelle chinesische Kampfkunst untermauert
wurde. Die Japaner glänzten mit einem weiteren Quiz. Thailand
setzte ganz auf Tradition, in traditioneller Kleidung brachten
sie uns ihre Spiel- und Landeskultur näher. Dann war unser Moment
gekommen: Juliane versuchte bekannte Deutsche vorzustellen und
spielte klassische deutsch-europäische und moderne Musik vor.
Ich hielt eine kurze Einführung über die bekanntesten deutschen
Städte. Zum Schluss gab es die wichtigsten Sätze im Deutschen
zum Nachsprechen und Lernen. Aus Israel gab es die moderne Version
von "David gegen Goliath", und Neuseeland führte seinen traditionellen
Kriegstanz auf, den wir alle nachmachten und so die ganze Halle
in Schwingung versetzten.
Mit dem
Bus durch Korea
Damit ging
es in das Wochenende, das ein volles Programm bot. Wir fuhren
nach Ulsan zur SK Corporation, das größte Unternehmen in Korea.
Es ist mit Öl groß geworden, mittlerweile produziert es aber nahezu
alles. Wir besichtigten die Ölförderwerke und sahen uns das SK-eigene
Museum an. Nach dem Mittagessen ging es dann zum "Whale Museum
Visit", wo eindrucksvolle Skelette und historische Jagdinstrumente
zu bestaunen waren. Ein Gruppenfoto vor einem alten Walfangboot
durfte natürlich nicht fehlen.
| Whale
Museum Visit: "Ein Gruppenfoto vor einem alten
Walfangboot durfte natürlich nicht fehlen." |
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Der nächste
Tag versprach ähnlich abwechslungsreich zu werden. Es ging zum
Golgul-Tempel. Mönche führten uns Lektionen zur Bewegungslehre
vor, und wir durften im Kollektiv meditieren. Dann stand der Besuch
in Gyeongju an, wo ein sehr großes Museum die koreanische Geschichte
von vor dreitausend Jahren bis zur Gegenwart ausstellt. Es war
beeindruckend, die Architektur und ihre Entwicklung zu sehen,
prunkvollen Schmuck und historisches Textil. Einige wenige Kilometer
weiter gab es eine Welt, wo runde Hügel in die Höhe ragten: Im
traditionellen Korea wurden die Toten nicht begraben, sondern
es wurden über ihren Leichnam Steine getürmt und mit Erde abgedeckt.
Dabei wurde die Höhe anhand der Berühmtheit des Verstorbenen bestimmt.
Zu guter Letzt besuchten wir ein kleines Dorf, wo nur Souvenirs
hergestellt werden. Wir durften dort shoppen gehen. Besonders
angetan hatten es mir die traditionellen Fächer, die sehr kunstvoll
gemacht sind. Es gab Schmuck und Keramik soweit das Auge reicht.
Eine der besonderen
Freizeitaktivitäten im Camp war koreanisches Basteln. Das Ziel
war, eine Schale aus Papier zu machen, einen Drachen zu bauen,
der auch wirklich fliegen kann, und ein Spiel zu lernen, bei dem
ein Kreisel über eine kleine Peitsche angetrieben werden muss.
"Science
Survival": Vorsicht Laserstrahlen!
Beim "Science
Survival" mussten wir in Gruppen wissenschaftliche Stationen passieren
und Punkte sammeln. Als es hieß "Vorsicht, Laserstrahlen!", fühlte
ich mich wie in einem Actionfilm. Bei der nächsten Station galt
es, Luftballons mit Wasser zu füllen und diese zu zweit mittels
eines Tuches über ein Volleyballnetz zu werfen, wo sie gefangen
werden sollten. Das Gewicht bestimmte die Punktezahl. Auch Gedächtnistraining,
geometrisches Verständnis und Logik waren gefragt. Besonders interessant
fand ich die Station "Water-Car", wo man ein Auto aus Plastikflaschen
bauen sollte und mittels Wasser und Druck durch ein hundert Meter
entfernt liegendes Tor schießen musste. Am Schluss gab es die
Preisverleihung, wo meine Gruppe immerhin den zweiten Platz erreichte.
Ein weiterer
Höhepunkt war das "Home Visiting". Jeweils drei ausländische Teilnehmer
besuchten das Zuhause einer koreanischen Familie und waren zum
Abendessen eingeladen. Ich war Gast bei der Familie eines Chemie-Professors
der POSTECH-University. Zu fünft mussten wir uns in einem sehr
feinen Restaurant durch ein Sieben-Gänge-Menü mit traditionellem
koreanischen Essen durchschlagen. Selbstverständlich galt es da,
mit Stäbchen zu essen und im Schneidersitz. Anschließend besuchten
wir unsere Gastgeber zu Hause und besichtigten ihre Wohnung. Man
kann sagen, dass in Korea die Wohnungen sehr klein sind, 40 Quadratmeter
sind bereits sehr viel.
Am letzten
Tag hatten wir Gelegenheit, unsere Gruppen-Ergebnisse vorzustellen,
die auch auf dem ISEC 2006 Video zusammengefasst sind. Anschließend
gab es die "Closing Ceremony", wo wir alle vom Präsidenten mit
einer Urkunde in einem edlen Samtordner ausgezeichnet wurden.
Abends folgte dann die Abschlussparty mit Discomusik, und alle
versuchten noch die letzten Autogramme auf ihre Korea-Flaggen
zu bekommen.
Während dieser
zehn Tage sind wir richtig zusammengewachsen, und ich habe viele
Freunde gewonnen. Ich habe gelernt, dass Freundschaft und Wissenschaft
keine Grenzen kennen. In meinem Herzen trage ich eine schöne Erinnerung
von einem fernen und sehr dynamischen Land, dem ich immer in besonderer
Weise verbunden bleiben werde. Für die Teilnahme an ISEC 2006
möchte ich der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Arbeitgeberverband
Gesamtmetall herzlich danken.
MILAN GEROVAC,
17 Jahre, ist Schüler der Goetheschule Neu-Isenburg. Er erhielt
für sein "Project iG - fatal error in DNA" den Sonderpreis der
Deutschen UNESCO-Kommission und des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall
im Rahmen des Bundeswettbewerbs 2006 "Jugend forscht".
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