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Online-Magazin der Deutschen UNESCO-Kommission
Ausgabe 9-10, September/Oktober 2006
     
 

Geoparks - enormer Erfolg für eine neue Idee

Zweite Weltkonferenz der Geoparks

LUTZ MÖLLER

Die Idee der Geoparks ist noch sehr jung, umso mehr überrascht ihre große Anziehungskraft. Auf der zweiten Weltkonferenz der Geoparks vom 17. bis 20. September 2006 in Belfast wurde das von der UNESCO unterstützte internationale Netzwerk der Geoparks um zwölf geologische Parks aus China und Europa erweitert. Damit gehören dem erst vor fünf Jahren initiierten Netzwerk schon jetzt 35 Geoparks aus zwölf Ländern an, darunter sechs aus Deutschland. Die Initiative ist auf dem Weg zu einem globalen Netzwerk. Kandidaturen aus weiteren Ländern sind für 2008 zu erwarten. Im Juni 2008 wird der Geopark TERRA.vita in Osnabrück die dritte Weltkonferenz der Geoparks ausrichten.

Weltkonferenz der Geoparks in Belfast: Gemeinschaftsstand von vier europäischen Geoparks

Foto © Lutz Möller

Ein Geopark ist ein Gebiet mit landschaftlichen oder geologischen Besonderheiten von nationaler Bedeutung. Die deutschen Geoparks im von der UNESCO unterstützten Weltnetz verdeutlichen, was darunter zu verstehen ist. So unterschiedliche Gebiete wie der Harz mit dem Braunschweiger Land, der Odenwald, die Vulkaneifel oder die Schwäbische Alb zählen dazu. Gemein haben diese Gebiete, dass sie über eine einmalige Landschaft verfügen, über besondere Fossil- oder Mineralfundstellen oder über wichtige geologische Formationen - und dass sie dieses Erbe dazu nutzen, uns etwas über den Planeten Erde und seine Entstehung zu vermitteln. Geologisches Erbe soll identitätsstiftend wirken, soll lehrreich sein, soll das Interesse an Erdwissenschaften und an Wissenschaft ganz allgemein wecken. Man erhofft sich auch die Ankurbelung des Tourismus und einen Beitrag zur regionalen wirtschaftlichen Entwicklung, aber diese wirtschaftliche Entwicklung soll nachhaltig sein - das hat man von den UNESCO-Biosphärenreservaten gelernt.

Ein Geopark ist keine Schutzgebietskategorie, durch die Ausweisung als Geopark werden nicht notwendigerweise neue Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiete geschaffen. Natürlich sollen Fossillagerstätten oder Gesteinsformationen auch besser und angemessener geschützt werden, als dies bisher der Fall ist. Vielmehr aber sollen nachhaltige Initiativen für die Wissensvermittlung zum geologischen, natürlichen, landschaftlichen und kulturellen Erbe gefördert werden, der Tourismus und die regionale Vermarktung sollen gestärkt werden. Unter dem Label "Geoparks" sollen mittels hoch qualitativen Managements neue Verbindungen von Landschafts- und Wirtschaftsräumen geschaffen und bestehende Verbindungen intensiviert werden. Das geologische Erbe wird somit als zusätzlicher Hebel zur Förderung von nachhaltiger Entwicklung eingesetzt.

Auch das UNESCO-Welterbe kennt geologische Stätten, allerdings ist die Welterbekonvention ein sehr restriktives Instrument: Nur Stätten von außergewöhnlichem universellen Wert können in die Liste aufgenommen werden. Beispiele sind der Grand Canyon, das ägyptische Tal der Wale oder die Grube Messel bei Darmstadt, die einzige Welterbestätte in Deutschland, die dem Naturerbe zuzurechnen ist. Kurz gesagt, es geht um die Kronjuwelen der Erdgeschichte. Es gibt aber neben den Stätten des Weltkulturerbes viele andere bedeutende Kulturdenkmäler, neben den Weltnaturerbestätten viele Nationalparks und Naturparks, in denen man etwas lernen kann über das bauliche Erbe der eigenen Kultur oder die natürlichen Lebensräume von Tieren und Pflanzen der eigenen Heimat. Im Fall des geologischen Erbes gab es bis vor kurzem keinen Rahmen für solche "Edelsteine", die aber keine "Diamanten" sind. Für einzelne geologische Stätten, deren Besonderheit keine Alleinstellung im weltweiten Vergleich erlaubt, ist die Geopark-Initiative gemacht.

Die UNESCO hat das internationale Netzwerk der Geoparks vor fünf Jahren initiiert. Da man kein eigenes Programm schaffen wollte, blieb es erst einmal beim losen Zusammenschluss nationaler oder kontinentaler Geoparkinitiativen in einem vorläufigen Weltnetz. Dennoch funktioniert dieses Netzwerk enorm effektiv: Alle Geoparks werden gemäß eines weltweit gültigen Kriterienkatalogs überprüft, der 2006 in seiner zweiten Fassung vorgelegt wurde. Vor der Aufnahme in das Weltnetz werden die Parks von internationalen Experten besucht und müssen sich zur aktiven Mitwirkung im Weltnetz verpflichten. Zusätzlich zu den zweijährigen Weltkonferenzen findet in Europa jedes Jahr ein kontinentales Abstimmungstreffen aller Geoparks statt. Alle drei Jahre (seit 2006: alle vier Jahre) werden die Geoparks eingehend evaluiert. Der Ausschluss aus dem Weltnetz von Geoparks, die sich innerhalb der drei (vier) Jahre nicht qualitativ verbessern, ist nicht lediglich eine theoretische Drohung, diese Möglichkeit wurde bereits genutzt.

Walter Erdelen, beigeordneter Generaldirektor der UNESCO für Naturwissenschaft, bei der Eröffnung der Weltkonferenz der Geoparks

Foto © Lutz Möller

Die zweijährigen Weltkonferenzen werben für die Geopark-Initiative, bieten interessierten Gebieten Informationen über Best Practice und dienen dem Erfahrungsaustausch der Geoparks untereinander. Die diesjährige viertägige Konferenz in Belfast vom 17. bis 20. September war ein eindrucksvoller Beleg für die Leistungsfähigkeit und die rasche Entwicklung des Geopark-Konzepts. Hier sprachen Vertreter der UNESCO, unter ihnen Walter Erdelen, beigeordneter Generaldirektor für Naturwissenschaft, Vertreter von Regierungen und geologischen Diensten, Akademiker und vor allem Leute aus der Praxis. Sie gingen, bei aller Würdigung der Erfolge, enorm selbstkritisch mit dem bereits Erreichten ins Gericht. Viele Vortragende betonten, mit wie viel mehr pädagogischem Feingefühl als bisher man Schülern und Touristen das geologische Erbe näher bringen müsse. Das Publikum müsse durch gezieltes Marketing angesprochen und das touristische Angebot entsprechend ausgerichtet werden. Es gebe viele Möglichkeiten, den Schutz des Erbes mit dessen nachhaltiger Nutzung zu verbinden.

Im Rahmen der Weltkonferenz stellten sich die 23 bestehenden Geoparks ausführlich vor und berichteten von Fortschritten und auch Rückschlägen. Viel Aufmerksamkeit zogen die vielen Neukandidaten auf sich. 12 Geoparks wurden neu in das Weltnetz aufgenommen. Weitere Kandidaten nutzten die Gelegenheit, Wissen aus den Vorträgen zu beziehen, die eigenen Ansätze vorzustellen und im Hinblick auf künftige Konferenzen für ihre Aufnahme in das Weltnetz zu werben. Die bunte Schar neuer Kandidaten lässt hoffen, dass in zwei Jahren ein wahrhaftes Weltnetz entstehen wird. Dann könnten zu den nun 35 Geoparks aus Europa und China auch solche aus Australien, Afrika, Lateinamerika und weiteren Ländern Asiens stoßen.

Liste aller Geoparks im Weltnetz
www.worldgeopark.org/wwwroot/member/main2.htm

UNESCO Website zu den Geoparks
http://www.unesco.org/science/earth/geoparks.shtml

Nachfolgekonferenz 2008 in Osnabrück

Die nächste Weltkonferenz der Geoparks findet im Juni 2008 in Osnabrück statt. Die erfolgreiche deutsche Bewerbung wurde unterstützt von der niedersächsischen Landesregierung und der Bundesstiftung Umwelt, die auch einen großen Beitrag zum Konferenzbudget leisten wird. Organisiert wird die Konferenz vom Geopark TERRA.vita (Nördlicher Teutoburger Wald, Wiehengebirge, Osnabrücker Land). Dieser Geopark ist einer der sechs deutschen Geoparks im Weltnetz, neben Bergstraße-Odenwald, Harz/Braunschweiger Land/Ostfalen, Mecklenburgische Eiszeitlandschaft, Vulkanland Eifel und Schwäbische Alb.

DR. LUTZ MÖLLER ist Wissenschaftsreferent der Deutschen UNESCO-Kommission.
      

 

 

unesco heute online   Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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