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Geoparks
- enormer Erfolg für eine neue Idee
Zweite
Weltkonferenz der Geoparks
LUTZ MÖLLER
Die Idee
der Geoparks ist noch sehr jung, umso mehr überrascht ihre große
Anziehungskraft. Auf der zweiten Weltkonferenz der Geoparks vom
17. bis 20. September 2006 in Belfast wurde das von der UNESCO
unterstützte internationale Netzwerk der Geoparks um zwölf geologische
Parks aus China und Europa erweitert. Damit gehören dem erst vor
fünf Jahren initiierten Netzwerk schon jetzt 35 Geoparks aus zwölf
Ländern an, darunter sechs aus Deutschland. Die Initiative ist
auf dem Weg zu einem globalen Netzwerk. Kandidaturen aus weiteren
Ländern sind für 2008 zu erwarten. Im Juni 2008 wird der
Geopark TERRA.vita in Osnabrück die dritte Weltkonferenz der Geoparks
ausrichten.
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Weltkonferenz
der Geoparks in Belfast: Gemeinschaftsstand von vier europäischen
Geoparks
Foto
© Lutz Möller
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Ein Geopark
ist ein Gebiet mit landschaftlichen oder geologischen Besonderheiten
von nationaler Bedeutung. Die deutschen Geoparks im von der UNESCO
unterstützten Weltnetz verdeutlichen, was darunter zu verstehen
ist. So unterschiedliche Gebiete wie der Harz mit dem Braunschweiger
Land, der Odenwald, die Vulkaneifel oder die Schwäbische Alb zählen
dazu. Gemein haben diese Gebiete, dass sie über eine einmalige
Landschaft verfügen, über besondere Fossil- oder Mineralfundstellen
oder über wichtige geologische Formationen - und dass sie dieses
Erbe dazu nutzen, uns etwas über den Planeten Erde und seine Entstehung
zu vermitteln. Geologisches Erbe soll identitätsstiftend wirken,
soll lehrreich sein, soll das Interesse an Erdwissenschaften und
an Wissenschaft ganz allgemein wecken. Man erhofft sich auch die
Ankurbelung des Tourismus und einen Beitrag zur regionalen wirtschaftlichen
Entwicklung, aber diese wirtschaftliche Entwicklung soll nachhaltig
sein - das hat man von den UNESCO-Biosphärenreservaten gelernt.
Ein Geopark
ist keine Schutzgebietskategorie, durch die Ausweisung als Geopark
werden nicht notwendigerweise neue Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiete
geschaffen. Natürlich sollen Fossillagerstätten oder Gesteinsformationen
auch besser und angemessener geschützt werden, als dies bisher
der Fall ist. Vielmehr aber sollen nachhaltige Initiativen für
die Wissensvermittlung zum geologischen, natürlichen, landschaftlichen
und kulturellen Erbe gefördert werden, der Tourismus und die regionale
Vermarktung sollen gestärkt werden. Unter dem Label "Geoparks"
sollen mittels hoch qualitativen Managements neue Verbindungen
von Landschafts- und Wirtschaftsräumen geschaffen und bestehende
Verbindungen intensiviert werden. Das geologische Erbe wird somit
als zusätzlicher Hebel zur Förderung von nachhaltiger Entwicklung
eingesetzt.
Auch das UNESCO-Welterbe
kennt geologische Stätten, allerdings ist die Welterbekonvention
ein sehr restriktives Instrument: Nur Stätten von außergewöhnlichem
universellen Wert können in die Liste aufgenommen werden. Beispiele
sind der Grand Canyon, das ägyptische Tal der Wale oder die Grube
Messel bei Darmstadt, die einzige Welterbestätte in Deutschland,
die dem Naturerbe zuzurechnen ist. Kurz gesagt, es geht um die
Kronjuwelen der Erdgeschichte. Es gibt aber neben den Stätten
des Weltkulturerbes viele andere bedeutende Kulturdenkmäler, neben
den Weltnaturerbestätten viele Nationalparks und Naturparks, in
denen man etwas lernen kann über das bauliche Erbe der eigenen
Kultur oder die natürlichen Lebensräume von Tieren und Pflanzen
der eigenen Heimat. Im Fall des geologischen Erbes gab es bis
vor kurzem keinen Rahmen für solche "Edelsteine", die aber keine
"Diamanten" sind. Für einzelne geologische Stätten, deren Besonderheit
keine Alleinstellung im weltweiten Vergleich erlaubt, ist die
Geopark-Initiative gemacht.
Die UNESCO
hat das internationale Netzwerk der Geoparks vor fünf Jahren initiiert.
Da man kein eigenes Programm schaffen wollte, blieb es erst einmal
beim losen Zusammenschluss nationaler oder kontinentaler Geoparkinitiativen
in einem vorläufigen Weltnetz. Dennoch funktioniert dieses Netzwerk
enorm effektiv: Alle Geoparks werden gemäß eines weltweit gültigen
Kriterienkatalogs überprüft, der 2006 in seiner zweiten Fassung
vorgelegt wurde. Vor der Aufnahme in das Weltnetz werden die Parks
von internationalen Experten besucht und müssen sich zur aktiven
Mitwirkung im Weltnetz verpflichten. Zusätzlich zu den zweijährigen
Weltkonferenzen findet in Europa jedes Jahr ein kontinentales
Abstimmungstreffen aller Geoparks statt. Alle drei Jahre (seit
2006: alle vier Jahre) werden die Geoparks eingehend evaluiert.
Der Ausschluss aus dem Weltnetz von Geoparks, die sich innerhalb
der drei (vier) Jahre nicht qualitativ verbessern, ist nicht lediglich
eine theoretische Drohung, diese Möglichkeit wurde bereits genutzt.
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Walter
Erdelen, beigeordneter Generaldirektor der UNESCO für Naturwissenschaft,
bei der Eröffnung der Weltkonferenz der Geoparks
Foto © Lutz Möller
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Die zweijährigen
Weltkonferenzen werben für die Geopark-Initiative, bieten interessierten
Gebieten Informationen über Best Practice und dienen dem Erfahrungsaustausch
der Geoparks untereinander. Die diesjährige viertägige Konferenz
in Belfast vom 17. bis 20. September war ein eindrucksvoller Beleg
für die Leistungsfähigkeit und die rasche Entwicklung des Geopark-Konzepts.
Hier sprachen Vertreter der UNESCO, unter ihnen Walter Erdelen,
beigeordneter Generaldirektor für Naturwissenschaft, Vertreter
von Regierungen und geologischen Diensten, Akademiker und vor
allem Leute aus der Praxis. Sie gingen, bei aller Würdigung der
Erfolge, enorm selbstkritisch mit dem bereits Erreichten ins Gericht.
Viele Vortragende betonten, mit wie viel mehr pädagogischem Feingefühl
als bisher man Schülern und Touristen das geologische Erbe näher
bringen müsse. Das Publikum müsse durch gezieltes Marketing angesprochen
und das touristische Angebot entsprechend ausgerichtet werden.
Es gebe viele Möglichkeiten, den Schutz des Erbes mit dessen nachhaltiger
Nutzung zu verbinden.
Im Rahmen
der Weltkonferenz stellten sich die 23 bestehenden Geoparks ausführlich
vor und berichteten von Fortschritten und auch Rückschlägen. Viel
Aufmerksamkeit zogen die vielen Neukandidaten auf sich. 12 Geoparks
wurden neu in das Weltnetz aufgenommen. Weitere Kandidaten nutzten
die Gelegenheit, Wissen aus den Vorträgen zu beziehen, die eigenen
Ansätze vorzustellen und im Hinblick auf künftige Konferenzen
für ihre Aufnahme in das Weltnetz zu werben. Die bunte Schar neuer
Kandidaten lässt hoffen, dass in zwei Jahren ein wahrhaftes Weltnetz
entstehen wird. Dann könnten zu den nun 35 Geoparks aus Europa
und China auch solche aus Australien, Afrika, Lateinamerika und
weiteren Ländern Asiens stoßen.
Nachfolgekonferenz
2008 in Osnabrück
Die nächste
Weltkonferenz der Geoparks findet im Juni 2008 in Osnabrück statt.
Die erfolgreiche deutsche Bewerbung wurde unterstützt von der
niedersächsischen Landesregierung und der Bundesstiftung Umwelt,
die auch einen großen Beitrag zum Konferenzbudget leisten wird.
Organisiert wird die Konferenz vom Geopark TERRA.vita (Nördlicher
Teutoburger Wald, Wiehengebirge, Osnabrücker Land). Dieser Geopark
ist einer der sechs deutschen Geoparks im Weltnetz, neben Bergstraße-Odenwald,
Harz/Braunschweiger Land/Ostfalen, Mecklenburgische Eiszeitlandschaft,
Vulkanland Eifel und Schwäbische Alb.
DR. LUTZ
MÖLLER ist Wissenschaftsreferent der Deutschen UNESCO-Kommission.
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