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Online-Magazin der Deutschen UNESCO-Kommission
Ausgabe 9-10, September/Oktober 2006
     
 

Welttag der Alphabetisierung (8. September)

771 Millionen Erwachsene, ein Fünftel der erwachsenen Weltbevölkerung, können nicht lesen und schreiben. Zwei Drittel davon sind Frauen. 100 Millionen Kinder wachsen ohne Schulbildung auf: Der Welttag der Alphabetisierung am 8. September macht auf den weltweiten Analphabetismus aufmerksam. In der Weltdekade der Alphabetisierung (2003 bis 2012) wollen die Vereinten Nationen das internationale Entwicklungsziel "Bildung für alle" verwirklichen. In Deutschland fanden zum Welttag der Alphabetisierung zahlreiche Veranstaltungen des Bündnisses für Alphabetisierung und Grundbildung statt.

Alphabetisierung ist Voraussetzung für Entwicklung - dieser Zusammenhang stand im Mittelpunkt des diesjährigen Welttages der Alphabetisierung.

Umso problematischer ist es laut Koïchiro Matsuura, Generaldirektor der UNESCO, dass Regierungen und Entwicklungshilfe der Alphabetisierung nach wie vor unzureichende Aufmerksamkeit schenken. Weltweit wird nur ein Prozent der nationalen Bildungsbudgets für die Alphabetisierung von Erwachsenen verwendet. Die Geberländer, so das Ergebnis des UNESCO-Weltbildungsberichtes 2006, müssten den Anteil der Entwicklungshilfe, der in die Grundbildung fließt, verdoppeln.


Foto © UNESCO / Michel Ravassard

Über siebzig Prozent aller erwachsenen Analphabeten leben in nur neun Ländern der Erde, darunter Indien, China, Bangladesch und Pakistan. Doch auch in den Industrieländern ist Analphabetismus ein Thema. In Deutschland verlassen 80.000 Jugendliche jedes Jahr die Schule ohne Abschluss. Die meisten von ihnen haben Probleme mit dem Lesen und Schreiben. Damit fehlt ihnen die Grundlage für eine aktive Teilnahme am sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Leben.

In Deutschland hat sich ein Bündnis zur Koordinierung der UN-Weltdekade der Alphabetisierung konstituiert, dem zahlreiche Partner angehören, die sich auf dem Gebiet der Alphabetisierung engagieren. Rund um den Welttag der Alphabetisierung am 8. September haben sie auf das Problem des "funktionalen" Analphabetismus in den Industrieländern hingewiesen.

Analphabetismus und Alphabetisierung in Deutschland

In Leipzig organisierten das UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen, der Bundesverband Alphabetisierung und die Hochschule für Soziale Arbeit Dresden am 6. September eine Informationsveranstaltung für Journalisten. Sie stand unter dem Thema "Analphabetismus und Alphabetisierung in Deutschland: Aktivitäten in den neuen Bundesländern und neue Projekte".

Andreas Müller, Erster Bürgermeister der Stadt Leipzig, eröffnete die Veranstaltung. Maren Elfert vom UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen, Hamburg, und Jürgen Genuneit, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V., informierten über die weltweite und deutsche Situation.

Am Beispiel Sachsen stellte Prof. Ullrich Gintzel von der Hochschule für Soziale Arbeit, Dresden, Ansätze einer sozial-integrativen Alphabetisierung und Grundbildung vor. "F.A.N. Projekt" heißt ein vom BMBF gefördertes Verbundprojekt aus Fernsehserie, Printmedien und Online-Begleitung für und über Analphabeten, an dem BR-alpha, der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung und der Deutsche Volkshochschul-Verband beteiligt sind.

Ralf Kellershohn stellte das BMBF-Projekt "Portal Zweite Chance Online" vor, das E-Learning-Angebote für Analphabeten und gering Qualifizierte anbietet. Thema einer Gesprächsrunde war "Analphabetismus bei Erwachsenen in den neuen Bundesländern: Wie konnte es dazu kommen?". Hierüber diskutierten Kursleiter und Kursteilnehmer der Volkshochschulen Leipzig, Chemnitz und Hoyerswerda.

Pressegespräch mit Bundesbildungsministerin Annette Schavan in Berlin

Der Deutsche Volkshochschul-Verband und der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung haben anlässlich des Welttages zu einem Pressegespräch mit Bundesbildungsministerin Annette Schavan in die Vertretung des Saarlandes beim Bund nach Berlin eingeladen. Bildungsministerin Schavan stellte neue Internet-Lerninhalte vor und zeichnete die diesjährigen Gewinner des Literaturwettbewerbs "wir schreiben" für funktionale Analphabeten aus. An der Veranstaltung nahmen Dr. Adama Ouane, Direktor des UNESCO-Instituts für Lebenslanges Lernen, und Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, teil. Im Rahmen ihres neuen Schwerpunktes Bildung startet die Frankfurter Buchmesse im Oktober 2006 eine internationale Kampagne zur Grundbildung und Alphabetisierung "LitCam" (Frankfurt Book Fair Literacy Campaign).

Mitglieder des Bündnisses für Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V., das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung, die Deutsche UNESCO-Kommission, der Deutsche Volkshochschul-Verband e.V., die Ernst-Klett-Sprachen GmbH, die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, die Stiftung Lesen und das UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen.

Weltweit engagiert sich das UNESCO-Sonderprogramm "Bildung für Kinder in Not" für die Alphabetisierung. Es fördert die Schul- und Berufsausbildung von Kindern und Jugendlichen in extremen Armutsgebieten, in ehemaligen Kriegs- und Krisengebieten sowie von Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Hilfe zur Selbsthilfe ist der Leitsatz all dieser Projekte, die durch private Spenden finanziert werden.

UNESCO-Alphabetisierungspreise

Die UNESCO hat am Welttag der Alphabetisierung am 8. September in Paris fünf internationale Alphabetisierungspreise vergeben. Ausgezeichnet wurden die National Commission for Human Development (NCHD) in Pakistan, die türkische Mother Child Education Foundation, der Lehrstuhl des Lateinamerikanischen und Karibischen Pädagogischen Instituts von Kuba (Youth and Adult Literacy and Education Chair / IPLAC), das Ministerium für Erziehung in Marokko, und das Directorate of Literacy and Continuing Education of Rajastan, Indien. (Siehe unesco heute online 5-6/2006)

 

 

 

unesco heute online   Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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