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Götterfunken
im Gedächtnis der Menschheit
Beethovens
9. Sinfonie ist Teil des Weltdokumentenerbes der UNESCO
EVA HUNDSNURSCHER
Kein zweites
Werk der sinfonischen Literatur hat eine so breite Rezeptionsgeschichte
entfaltet wie Ludwig van Beethovens Neunte Sinfonie. Ihre Wirkung
reicht weit über den musikalischen Bereich hinaus. Das Autograph
der Sinfonie ist im Juni 2001 in die Liste des Weltdokumentenerbes
"Memory of the World" der UNESCO aufgenommen worden. Mit einem
beeindruckenden Festakt feierte die Staatsbibliothek zu Berlin
am 12. Januar 2003 die Urkundenübergabe.
Die Neunte
Sinfonie, zwischen 1822 und 1824 entstanden, ist Höhepunkt des
kompositorischen Schaffens Ludwig van Beethovens und hat die internationale
Musikgeschichte nachhaltig beeinflusst. Das grandiose Chorfinale
mit Schillers "An die Freude", in dem Beethoven zum ersten Mal
in einer Sinfonie die menschliche Stimme einsetzt, ist zu einer
zeitlosen grenzüberschreitenden Hymne geworden, zu einer Metapher
für weltweite Verständigung durch große Kunstmusik.
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Autograph
der Neunten Sinfonie Beethovens
Foto
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
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Das Autograph
der Partitur der 9. Sinfonie liegt größtenteils in der Staatsbibliothek
zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, teilweise im Beethoven-Haus
in Bonn und in der Bibliothèque Nationale in Paris. Im Konzerthaus
am Gendarmenmarkt in Berlin veranstaltete nun die Staatsbibliothek
ein "Memory of the World"-Konzert: Die Philharmonie der Nationen
- ein weltweiter Zusammenschluss junger Nachwuchskünstler - und
der Kaunas State Choir mit den Solisten Cheryl Studer (Sopran),
Anke Vondung (Mezzosopran), Christian Elsner (Tenor) und Michail
Schelomianski (Bass) führten unter der Leitung von Justus Frantz
die "Sinfonie Nr. 9, d-moll, op.125" vor 1.400 Gästen auf.
Nach dem Konzert
überreichte Verena Metze-Mangold, Vizepräsidentin der Deutschen
UNESCO-Kommission, die Urkunde an Graham Jefcoate, Generaldirektor
der Staatsbibliothek zu Berlin. Gabriele von Halem, stellvertretende
Leiterin der Bildungs- und Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes,
und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sprachen Grußworte. Anwesend
war auch der Direktor des Beethoven-Hauses in Bonn, Andreas Eckhardt,
dessen Teile des Autographen gleichzeitig mit denen der Staatsbibliothek
zu Berlin in das Register aufgenommen worden waren. Im Rahmen
des Festaktes wurde das kostbare, der Öffentlichkeit sonst nicht
zugängliche Originaldokument ausgestellt.
Das Konzert
und die Urkundenüberreichung fanden ein breites Presseecho im
In- und Ausland. ARD, ZDF und n-tv berichteten an prominenter
Stelle über das Konzert. 3sat zeichnete den gesamten Festakt auf.
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"Memory
of the World" - Konzert in Berlin
Foto
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
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Nach Aufführung
der Neunten Sinfonie fand eine Versteigerung eines Faksimiles
der Sinfonie zu Gunsten der Staatsbibliothek statt. Der Erlös
wird zur Restaurierung von Musikautographen genutzt. Die Firma
Montblanc International, Gründungssponsor der Philharmonie der
Nationen und mit zahlreichen Aktivitäten seit vielen Jahren der
Förderung von Kunst und Kultur verpflichtet, hatte den von der
Staatsbibliothek veranstalteten Festakt großzügig unterstützt.
Dokumentarisches
Erbe als Spiegel kultureller Vielfalt
Das Memory
of the World-Programm zum Erhalt des dokumentarischen Erbes der
Menschheit wurde 1992 von der UNESCO ins Leben gerufen. Es verfolgt
zwei Ziele: erstens den weltweiten Zugang zu kulturell bedeutsamen
und historisch wichtigen Dokumenten und zweitens die Sicherung
des dokumentarischen Erbes vor Gedächtnisverlust und Zerstörung.
Entstehen soll ein "Weltregister des Memory of the World" in Gestalt
eines universalen digitalen Netzwerkes mit ausgewählten herausragenden
Dokumenten: wertvolle Buchbestände, Handschriften, Partituren,
Unikate, Bild-, Ton- und Filmdokumente.
Für die Umsetzung
dieses Programms in Deutschland hat die Deutsche UNESCO-Kommission
1999 ein Nominierungskomitee berufen. Aufgabe dieses Gremiums
ist die Erarbeitung, Prüfung und Bewertung deutscher Vorschläge
für die Aufnahme in das Weltregister. Den Vorsitz hat Joachim-Felix
Leonhard, Generalsekretär des Goethe-Institut Inter Nationes.
Deutsches
Weltdokumentenerbe
Zur Zeit gibt
es fünf deutsche Einträge im Register des Weltdokumentenerbes,
aufgenommen 1999 und 2001. Bereits am 8. November 2001 fand die
Urkundenüberreichung an die Friedrich-Wilhelm-Murnau Stiftung
in Frankfurt statt, deren rekonstruierte, restaurierte und digitalisierte
Fassung von Fritz Langs Stummfilm-Klassiker "Metropolis" zum Register
gehört.
In Göttingen
wurde am 1. Februar 2002 die Urkunde für die Göttinger Gutenberg
Bibel überreicht, die in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek
in Göttingen verwahrt wird, und am 24. September 2002 in Weimar
die Urkunde für den Goethe-Nachlass an die Stiftung Weimarer Klassik.
Die Sammlung
ältester Tondokumente traditioneller Musik von 1893-1952 auf Edison-Zylinder
des Berliner Phonogramm-Archivs wurde bereits 1999 als einzigartiger
Bestand historischer Tonaufnahmen und als erster deutscher Beitrag
in das Weltregister der UNESCO aufgenommen.
Das
Weltregister
Derzeit befinden
sich 69 Dokumente auf der Liste, unter anderem die Dokumente des
Wiener Kongresses, die Kolonialarchive Benins, Senegals und Tansanias,
der Azteken-Codex in Mexiko, die Annalen der Choson-Dynastie in
Korea und die Archive des Warschauer Ghettos.
Auf seiner
letzten Sitzung vom 27. bis 29. Juni 2001 hat das International
Advisory Committee (IAC) der UNESCO für das Memory of the World-Programm
verschiedene Änderungen der Richtlinien beschlossen. So sollen
von jetzt an nur noch zwei Anträge pro Biennium je Mitgliedstaat
eingebracht werden. Die Selbstverpflichtung der Institutionen,
den Erhalt des Dokuments zu sichern und es für die Öffentlichkeit
zugänglich zu machen, wurde erneut betont.
Der Erfüllung
dieser Anforderung hat sich auch die Staatsbibliothek zu Berlin
verschrieben und stellte im Rahmen des Festaktes die digitalisierte
Fassung des Finales der Neunten Sinfonie vor. Ziel ist es, die
gesamte Sinfonie im Internet zugänglich zu machen. Die Internetadresse,
unter der der bereits digitalisierte Teil eingesehen werden kann,
lautet: http://beethoven.staatsbibliothek-berlin.de. Auch das
Beethoven-Haus in Bonn arbeitet an einer Digitalisierung, deren
Fortschritte unter http://www.beethoven-haus-bonn.de verfolgt
werden können.
Für die nächste
Sitzung des IAC 2003 reichte die Deutsche UNESCO-Kommission im
Dezember 2002 einen neuen deutschen Antrag ein: die Reichenauer
Handschriften. Nominiert wurde nicht ein Einzelstück, sondern
eine Gruppe von Handschriften, die sich an verschiedenen Orten
befinden. Nur einmal im Mittelalter hatte die höchste Schule der
Buchmalkunst ihren Mittelpunkt in 'Deutschland'. Die Blütezeit
der Buchmalerei im Kloster auf der Insel Reichenau im Bodensee
war zwischen 970 und 1050. Aus dieser Zeit gibt es circa 30 Exemplare
im Ausland und 22 in Deutschland, aus denen sieben Exemplare ausgewählt
wurden, drei aus dem Besitz der bayerischen Staatsbibliothek,
zwei aus Bamberg, weitere aus Aachen, Darmstadt und Trier. Der
Antrag wurde von der bayerischen Staatsbibliothek erarbeitet.
Sie übernimmt damit eine Koordinierungsrolle für die Nominierung.
Das IAC wird auf seiner Sitzung vom 12. bis 14. Juni 2003 in Gdansk,
Polen, über die neuen Anträge entscheiden.
EVA HUNDSNURSCHER
ist Projektassistentin für Welterbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission.
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