Gedanken zur Gravitation


Langtext: Die Gravitation als Argument für eine ganzheitliche Sichtweise
Langtext: Gravitation und Trägheit in komplementärer Sicht
Nachträge und Anmerkungen zum Thema Gravitation
Gedanken zum Nachweis von Gravitationswellen
Der Schlüssel zur Relativitätstheorie

Die Gravitation als Argument für eine ganzheitliche Sichtweise

Inhalt:
1. Die Situation
2. Die Kraft der Vernunft
3. Die holistische Kraft
4. Ausblick für die Physik
Literatur und Anmerkungen


1. Die Situation

Niemand hat dem Menschen eine Garantie gegeben, daß alles seinem im Alltag bewährten Verständnis zugänglich ist oder sich gar nach diesem richtet. Sein Verstehen hat sich in der Auseinandersetzung mit seiner mesokosmischen Umwelt herausgebildet, in der es für ihn als Beutegreifer bzw. als mögliches Opfer eines solchen wichtig war und ist, eine potentielle Beute bzw. Gefahr von ihrem Umfeld zu unterscheiden und ihr räumliches und zeitliches Verhalten zu erfassen, um sie selbst fassen zu können bzw. von ihr nicht erfaßt zu werden, vergleichbar dem heutigen Wunsch nach Unfallvermeidung im Straßenverkehr. Auch hier hilft dem Menschen sein Stereosehen und -hören. Warum aber soll es darüber hinaus nicht ganzheitliche, Raum und Zeit übergreifende Zustände geben? Diese von vornherein auszuschließen, wäre ein doktrinärer Akt. Geboten scheint mir vielmehr, ganzheitliche Phänomene durch Erweiterung unserer bisherigen, auf Analyse bedachten Sichtweise zu verstehen.

Raum und Zeit sind in der Evolution ausgebildete Erkenntnismuster, mit denen das Chaos der Wahrnehmungen nach statischen und dynamischen Elementen getrennt geordnet wird, entsprechend ihrer sehr unterschiedlichen vitalen Wichtigkeit. Daraus läßt sich jedoch kein Anspruch herleiten, daß alles eindeutig in Raum und Zeit lokalisierbar zu sein hat, alle Kräfte nur lokale Wirkungen haben dürfen bzw. deren Ausbreitung an bestimmte Geschwindigkeiten gebunden ist, so vorteilhaft dies für unser gewohntes Verstehen und unsere Sicherheit natürlich auch ist. Auch die seit Kindesbeinen gewohnte Übertragung von Kräften durch Zug und Druck begründet kein Recht auf Ausschließlichkeit, wobei die Kinder der modernen Zivilisation schon sehr früh lernen, auch auf die elektromagnetische Kraft zu achten. Wenn es trotz größter Anstrengungen bis heute nicht gelungen ist, die Gravitation durch Zug und Druck materieller Teilchen oder durch den Elektromagnetismus zu erklären, so ist dies noch lange kein Grund, in Panik zu geraten. Für einen Erkenntniskritiker beweist die Unmöglichkeit der anschaulichen mechanischen Erklärung der Gravitationsphänomene nur, daß unsere, in der Kindheit eingeübte Verständnisweise an eine Grenze gestoßen ist, die es nötig macht, sich nach neuen Erklärungsmustern umzusehen. Gerade wo gewohnte Denkschemata versagen, bietet sich dem Forscher die große Chance, seinen geistigen Horizont durch neue Sichtweisen zu erweitern, eine Chance, die bei der gewaltsamen Reduzierung des Unbekannten auf bekannte Muster zunichte gemacht würde.

Der Sinn von Wissenschaft ist es, Wissen zu schaffen - nicht, es zu reduzieren. Das will nur der alte Beutegreifer in uns, der gewohnt ist, sich etwas raumzeitlich zugreifend anzueignen, um es konsumieren zu können, ohne sich dabei mit der Frage nach der Eigenheit des Opfers belasten zu wollen. Für ihn zählt das Objekt nur als Beute. So beherrschen wir heute durch Wissenschaft und Technik eine zur Verfügungsmasse erniedrigte Natur, ohne um ihr Eigensein zu wissen. Die negativen Konsequenzen dieser Lieblosigkeit, beginnend mit Naturzerstörung, sind unausbleiblich. Daher gibt es Bestrebungen, die Natur unabhängig vom beutegreiferischen Instinkt zu verstehen, also die menschliche Sichtweise zu erweitern, was letztlich auch eine Erweiterung des Menschseins in Richtung des Humanen bedeutet. Es geht also nicht darum, die bewährte raumzeitliche und lokal-mechanische Betrachtung von Phänomenen abwerten zu wollen sondern nur darum, der doktrinären Behauptung, daß sie die einzig mögliche sei, durch Prüfung ganzheitlicher Argumente entgegenzutreten, weil alle Doktrinen der Entwicklung des humanen Geistes abträglich sind. Ich denke, daß die Physik in der Gravitation ein holistisches Argument besitzt, das stärker als alle anderen ist. Es hat sich nur deshalb ihrem Verständnis bis heute mehr oder weniger entzogen, weil der alte Beutegreifer in uns hartnäckig darauf besteht, daß ihm alles in gewohnter Weise aneigenbar zu sein hat, lösen doch Grenzen seines eingeübten Zugriffs ihm unerträgliche Existenzängste aus. Solch unbewußte Motivatoren sorgen dafür, daß auch Physiker bei ihren Lösungsversuchen von ihre Sicht einengenden Urängsten statt von der Vernunft und geistigen Schwung geleitet sind, weshalb sie wieder und wieder probieren, ihnen nützliche Maxime der Natur zu unterstellen.

2. Die Kraft der Vernunft

In seinem berühmten, vielen als dunkel erscheinenden Lehrgedicht versuchte Parmenides (um 540-480) seinen Schülern u. a. klar zu machen, was sie hindert, die Einheit und Ganzheit des Daseins zu sehen. Dabei ging er davon aus, daß menschliche Denkweise es selber ist, die die Gegensätze mit ihren getrennten Merkmalen hervorbringt.1) Es handelt sich also um ein erkenntniskritisches Werk. Bei aller Skepsis hielt er es aber nicht für ausgeschlossen, Meinungen (gr. "doxa") durch die Kraft eines unbeirrbaren logischen Denkens überwinden zu können und zu wahren Urteilen zu kommen, weshalb er beharrlich versuchte, mit logischen Argumenten zu überzeugen. Der 1. Satz der Logik von der Identität fordert, daß in allen Urteilen A immer A zu bleiben hat. Und er ist der angemessene Erkenntnisgrundsatz, wenn wir davon ausgehen, daß der Gegenstand unserer naturwissenschaftlichen Urteile ein Reich ist, in dem nicht Willkür sondern Notwendigkeit herrscht, "da die Moira (das Schicksal) es gebunden hat"2), wie Parmenides es eine namenlose Göttin sagen ließ. Unter dieser, schon in den Anfängen der Naturphilosophie klar gesehenen Voraussetzung wissenschaftlicher Urteile, kann uns Dike, als rechtes Maß allen Urteilens, das das Gerechte der Gerechtigkeit und das Vernünftige der Vernunft ausmacht, das Seiende erschließen. Ich denke, wir können Parmenides so verstehen, daß es nur den Wandel der Erscheinungen einer Realität gibt, je nachdem, wie sich ihre Komponenten mischen und entmischen, weshalb ich ihn nicht im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Heraklit sehe, der gelehrt hatte, daß "alles fließt", denn alles kann ja nur unaufhörlich fließen, wenn es ein unaufhörlich Fließendes gibt. Dieses ewig Fließende hat Parmenides nicht mit dem Namen einer Erscheinung verbunden sondern nur gesagt, daß es ist und so die Zeitlosigkeit seiner Aussage gewahrt. So war er sich gewiß:

"Auch teilbar ist es (das Seiende) nicht, da es als Ganzheit ein Gleiches ist. Es ist ja nicht irgendwie an dieser Stelle ein Mehr oder an jener ein Weniger, das es daran hindern könnte, ein Geschlossen- Zusammenhängendes zu sein, sondern es ist als Ganzheit von Seiendem innen erfüllt. Dadurch ist als Ganzes ein Geschlossen- Zusammenhängendes; denn Seiendes schließt sich Seiendem an."3)

Parmenides hat hier den Gedanken näher ausgeführt, daß es zwischen den Dingen keine Lücken geben kann, da es Nichtsein nicht gibt, das durch solche Lücken aber manifest würde. Dieses lückenlose Seiende hat im Raum-Zeit-Kontinuum relativistischer Physik eine Parallele. Der moderne Kontinuumsgedanken erleichtert es sicher zu verstehen, warum ich Parmenides Sätze spontan als eine gelungene Beschreibung der Gravitation empfand, welche den Griechen Ausdruck einer zwischen Mutter "Gäa" Erde und Vater "Uranos" Himmel bestehenden Liebesbeziehung bzw. Freundschaft war. Durch Parmenides Ausführungen über den Kosmos verstärkte sich bei mir noch der Eindruck, es könnte in seinem Sinne sein, wenn wir die Ganzheit, soweit wir hier ihren physikalischen Aspekt betrachten, mit jener Erscheinung in Verbindung bringen, die Newton "Zentripetalkraft" nannte, die - von den einzelnen Teilchen ausgehend und sie zusammenballend - kugelförmige Körper und stabile kosmische Systeme erzeugt. Aber auch solche Folgen nimmt Parmenides schon vorweg, wenn er das Seiende mit dem "Maße einer wohlgerundeten Kugel" vergleicht, "von der Mitte aus überall von gleicher Kraft". Die damit verbundene schicksalhafte kosmische Evolution liest sich bei ihm so4):

"Erfahren wirst du des Äthers Artung und alle die Zeichen im Äther und der Sonne Fackel vernichtendes Wirken und woher sie entstanden und das schweifende Wirken und Sein des rundäugigen Mondes; wirst erfahren auch den rings umfassenden Himmel, woher er ward, und wie Anankes Führung ihn zwang, das Gefüge der Sterne zu halten."

Ähnlich das nächste Fragment, das von "der Sterne heiße Kraft" spricht, die zum Entstehen drängte. Ohne Parmenides überinterpretieren zu wollen, ist es für mich entscheidend, daß uns durch ihn die Gravitation als eine, keine leeren Zwischenräume duldenden Kraft der Ganzheit nahegelegt wird, an der überall alle Teile des Ganzen (proportional ihrer Gewichtigkeit und in Abhängigkeit zu ihrer Entfernung) teilhaben. Unter Berücksichtigung der Parmenideischen Gedanken und unseres heutigen Wissens würde ich es als richtig erachten, wenn der Mechanik folgendes Theorem hinzugefügt würde:

"Jede existierende Sache hat zwei komplementäre Aspekte: ihren eigenen und den des Ganzen. Ihr eigener Aspekt wird bei Einwirkung als Trägheitswiderstand erfahren, der holistische Aspekt zeigt sich als ihr, auf sie gerichteter Anteil an der Gravitation. Als zwei Aspekte einer Sache sind sie einander proportional."

Wir hätten es also mit zwei nicht weiter ableitbaren, in der Physik gar nicht mehr so ungewöhnlichen komplementären Aspekten einer einzigen (ansonst unbekannten) Realität zu tun, nämlich mit ihren passiven Aspekt, der sich bei Wechselwirkung als Trägheit zeigt, und ihren aktiven Aspekt, der als gerichtete Beschleunigung erlitten wird, wobei beide Aspekte zwar miteinander unauflöslich verbunden sind, jedoch der eine nicht die Ursache des anderen ist. Daß beide Aspekte die komplementäre Erscheinung einer einzigen Realität sind, wird bereits durch Newtons, in ihrer tiefen Bedeutung bis heute viel zu wenig bedachten Proportionalitätskonstante G nahegelegt, die - richtig verstanden - Einsteins Frage nach den Gründen der Gleichheit des Maßes von Trägheit und Schwere einer Masse erübrigt. Doch verbietet es die komplementäre aber unterschiedliche Natur von Trägheit und Gravitation, ganzheitliche Effekte mit an der Trägheit gewonnenen mechanischen Modellen beschreiben zu wollen, ist doch Ganzheit der Aspekt, der Seiendes "innen erfüllt" (Parmenides), d. h. eine von der nur durch äußerliche Berührung erfahrbaren Trägheit einer Sache unterschiedene Qualität hat.

Newton, der sie als allgemeine, das Planetensystem dirigierende Kraft postulierte, hat es klugerweise stets abgelehnt, über ihre Natur und Wirkungsweise mechanische Vorstellungen zu entwickeln und hat ihre Wirkung durch ein rein räumliches Gesetz dargestellt. Dieses Gesetz erläuterte er in seinen "Principia" wie folgt: "Die beschleunigende Kraft soll auf den Ort des Körpers zurückgeführt werden als eine Wirkfähigkeit, die vom Mittelpunkt über die einzelnen Orte in der Umgebung verteilt ist, um die dort befindlichen Körper in Bewegung zu versetzen"5), d. h. die "Zentripetalkraft" verteilt sich räumlich gleichmäßig, ist also "von der Mitte aus überall (in jedem Maß einer wohlgerundeten Kugel) von gleicher Kraft" (Parmenides), was man heute die Beschreibung eines Feldes nennt. Die oft zu hörende Behauptung, der große Physiker Newton hätte an Fernwirkungen geglaubt, demaskiert nur die eigene Überzeugung von der Ursächlichkeit der trägen Massen, und wird auch durch ihre ständige Wiederholung nicht wahrer, während für Newton die träge Masse nur ein Maß der Schwere war. Nach ihm ist lediglich der Ort des Körpers, besser noch der Ort jedes Körperteilchens, wie er an anderer Stelle schreibt6), Mittel- und Ausgangspunkt einer der Körpermasse lediglich proportionalen, auf ihren Ort gerichteten Wirkfähigkeit. Einstein hat es mit seiner Metrik der Raum-Zeit im Grunde nicht anders gesehen, auch wenn er in seiner objektivistischen Sicht glaubte, Raum und Zeit als physikalische Entitäten ansprechen zu können7).

Es bleibt die Frage, ob sich das Gravitationsfeld selbst wiederum wie ein Objekt in Raum und Zeit verhält, das sich nur mit endlicher Geschwindigkeit fortpflanzen kann, oder ob es von solchen Beschränkungen frei ist. Ersteres als Selbstverständlichkeit zu fordern, wäre eine unzulässige Pertitio prinzipii. Hier kann nur die Forschung entscheiden, die schon gezeigt hat, daß elektromagnetische Wellen beim Tunneln Distanzen ohne Zeitverbrauch überwinden. Solange die von Einstein postulierten, sich in Raum und Zeit fortpflanzenden Gravitationswellen nicht nachgewiesen sind, sollten wir, durch das Einräumen der Möglichkeit einer zeitunabhängigen Verschiebung des Feldes, auch darin dem Ganzheitsgedanken eine Chance geben. Die Gleichsetzung des Gravitationsfeldes mit einer gekrümmten Raum-Zeit würde diese Zeitunabhängigkeit logisch sogar erfordern: Die Raum-Zeit kann doch nicht selbst wieder raum-zeitlichen Bedingungen unterliegen, also die Bedingung ihrer selbst sein. Gibt sie diese Bedingungen, dann kann die Verlagerung des Gravitationsfeldes gerade keine Frage des Raumes und der Zeit, also einer Geschwindigkeit sein, so daß Einsteins Terminologie genau das bedeutet, worin er sich von Newton unterscheiden wollte, der sich jedoch bewußt jeder Hypothese enthalten hatte. Die Entdeckung von Gravitationswellen würde die verblüffend einfache Schlußfolgerung da nur stören und die Benennung des Gravitationsfeldes als Raum-Zeit als falsifiziert erscheinen lassen.

3. Die holistische Kraft

Als Ausdruck der Ganzheit kann das Vermögen zur Gravitation nicht auf die Masse beschränkt sein, da das Seiende, nach Parmenides und dem Begriffe nach, bei aller Ungleichheit im direkten Vergleich, "als Ganzheit ein Gleiches ist", das auch nicht durch "ein Mehr oder ... ein Weniger" an den einzelnen Stellen gehindert ist, ein Gleiches zu sein. Daß das Fallen nur mit dem Gravitationsfeld und nichts mit dem seinem Inhalt zu tun hat, hatte schon Galilei erfahren, als er feststellte, daß Körper - unabhängig von ihrer Masse und Form - gleich schnell fallen. Da es beim "Fallen" erwiesenermaßen auf die Merkmale des Fallenden nicht ankommt, müssen auch Antimaterie, Licht und überhaupt elektromagnetische Energie und sog. "masselose Teilchen" fallen, so daß die Berechnungen von John Michell (1783) und Laplace (1796) über Sterne, die so massereich sind, daß deren Licht sie nicht mehr verlassen kann, was man heute "schwarze Löcher" nennt, und von Soldner (1801) und Einstein (1911) über die Lichtablenkung am Sonnenrand in der Erfahrung Galileis und im Ganzheitsgedanken ihre Grundlage haben. Es ist daher für die Beschleunigung von Licht weder erforderlich, daß das Licht eine korpuskulare Natur hat, noch bedarf sein Fallen zusätzlicher Annahmen, da für die Auffassung, daß die Gravitation nur eine Art Materieanziehung sei, seit Galileo Galilei kein Anlaß mehr besteht.8)

Auch das Funktionieren der von Newton für die Planetenbewegung aufgestellten Gravitationsformel ist nicht davon abhängig, daß der Probekörper m eine Masse besitzt. Und wenn Masse "verdichtete Energie" ist und zur Masse Gravitation gehört, dann ist diese auch die "verdichtete" Gravitation der Energie, da man anderenfalls nicht von der "Äquivalenz" beider Erscheinungen reden könnte. Ich denke, es sind die "doxa", die uns immer wieder hindern, im Denken konsequent zu sein. Sobald wir verstehen, daß alles der Gravitation unterliegt und alles Zentrum eines mit ihm verbundenen Gravitationsfeldes ist, also alles einen der Materie-Energie-Äquivalenz proportionalen Gravitationsfaktor besitzt, wird klar, daß die Zentripetalkraft keine Kraft unter Kräften ist sondern ein komplementärer Aspekt aller Kräfte, eben das, was das obige Theorem besagt. Newtons, Trägheit und Gravitation miteinander verbindende Gravitationskonstante G bewährt sich nur ein weiteresmal, wenn sie, im Rahmen der Einsteinschen Äquivalenzformel E = mc2, nun auch auf die Trägheit der Energie Anwendung findet. Solange man nur auf die Masse und ggf. ihre relativistische Zunahme als Quelle der Gravitation setzt, kann daher ein Defizit an Gravitationsquellen nicht überraschen.

Die Gravitation als komplementärer Aspekt aller Kräfte macht verständlich: 1. warum alle Versuche, sie in einer einheitlichen Theorie der vier Grundkräfte einzureihen, bisher gescheitert sind; 2. warum es keine Antigravitation geben kann: Kräfte können zwar komplementäre aber keine widersprüchlichen Eigenschaften haben, also nicht zentripetal und zentrifugal zugleich sein; 3. warum es das behauptete Quantisierungsproblem nicht gibt, gehört die Gravitation doch zu den Quanten selbst. Damit dürfte es m. E. für eine Große Vereinheitlichte Theorie (GUT) keine prinzipiellen Schwierigkeiten mehr geben. Gegenpart der Gravitation sind jedoch alle Arten von Explosionen, kosmologisch insbesondere Supernovä und der sog. "Urknall", die Reaktionen großer Materiemengen auf eine von ihnen selbst bewirkte Verdichtung sind. In dem einem "Urknall" vorausgehenden undifferenzierten Zustand ist das Ganze im Zustand des Einen wie danach das Eine im Zustand des Ganzen ist. Aber in beiden Zuständen ist das Seiende "je zusammen alles, als Eines zusammenhaltend" (Parmenides)9). Die sich wechselweise zeigenden anziehenden und abstoßenden Kräfte des Ganzen wären die Grundlage eines pulsierenden Universums. Oder wie Parmenides sagte: der Nous läßt nicht zu, das Seiende "als ein ... sich überallhin gänzlich Zerstreuendes noch als ein Sichzusammenballendes" zu verstehen.10)

Von Parmenides hieß es in der Antike, daß er als Erster erkannte, "daß die Erde kugelförmig sei" und daß der Abendstern auch der Morgenstern ist. Darüber hinaus denke ich, daß sein aufklärerisches Erbe auch heute noch in der Physik und Kosmologie helfen kann, unsere Sichtweise zu erweitern und so Zusammenhänge zu verstehen. Es wird wohl nichts weiter übrigbleiben, als nach der Idee der Masse-Energie-Äquivalenz (Einstein), auch den Gedanken der Komplementarität (Bohr, aber auch schon Newton) und den der Ganzheit (Parmenides) endgültig zu akzeptieren, um die gesicherten Erkenntnisse zur Gravitation widerspruchsfrei ordnen zu können. Es bleibt jedoch die Aufgabe, sich diese Ideen immer wieder aufs neue geistig anzueignen und sie zu vertiefen, wozu meine hier gemachten Ausführungen anregen wollen.

4. Ausblick für die Physik

So richtig es für einen Wissenschaftler ist, in seinem Denken konsequent zu sein, so wichtig ist es für ihn aber auch, sich daneben für alternative Denkweisen offen zu halten, kann ihm doch niemand garantieren, daß eine noch so bewährte Sicht die einzig mögliche ist. Nur wenn er genügend Gelassenheit gegenüber andersartigen Argumente besitzt, bleibt er offen für die Wahrheit, um die es ihm in allem Denken und Tun gehen sollte. Einzig so ist der Wissenschaftler ein Vorbild für Wahrheitsliebe und die Wissenschaft die Vorhut einer offenen, der Zukunft zugewandten Gesellschaft, die ihre Probleme im Bunde mit der Natur zu lösen versuchen muß.

Ich denke, wir sollten nocheinmal aufgreifen, was Carl Friedrich von Weizsäcker auf der 49. Physikertagung in München 1985 anläßlich Niels Bohrs hundertsten Geburtstag gesagt hat: "In genauer Umkehr der Einsteinschen Hoffnung würde ich aber annehmen, daß diese (zukünftige) Theorie (jenseits der uns bekannten Quantentheorie) nicht durch eine Reduktion der Quantentheorie auf das Raum-Zeit-Kontinuum, sondern durch eine Herleitung des Raum-Zeit-Kontinuums als klassischer Grenzfall einer reinen Quantentheorie zu gewinnen wäre."11) So bestechend dieser Gedanke ist, so denke ich doch, daß die bloße Umkehr des Einsteinschen Reduktionismus immer noch reduktionistischer Geist wäre. Gerade im Sinne von Bohr wäre es - durch Verzicht auf jede doktrinäre Forderung des Entweder-Oder - dahin zu kommen, mechanische und Feldbeschreibungen als komplementär anzusehen und sie jeweils dort anzuwenden, wo sie brauchbar sind. Nur an der Brauchbarkeit können wir die Richtigkeit von Methoden und Theorien prüfen. Wenn es der Erfahrung entspricht, daß wir zweierlei Beschreibungen brauchen, ist diese Erfahrung auch zu respektieren. Und der Wissenschaftler ist aufgefordert darüber nachzudenken, warum dies so ist.

Ich bin überzeugt: so wie Physiker mit dem von mir 1995 bei der DPG vorgestellten Realprinzip die Probleme der relationistischen Denkebene hinter sich lassen können, so würde - mit der Ausweitung ihres Blickfeldes durch die Akzeptanz einer holistischen Sichtweise - die Gravitation ebenfalls aufhören, ein grundsätzliches Problem und ein Hindernis auf dem Wege zu einer einheitlichen Theorie der 4 Grundkräfte zu sein, die das Geschehen in Mikrokosmos und Makrokosmos elegant miteinander verknüpft - ein Ganzes, das die Griechen einst durch das Band der Liebe vereinigt sahen. Die Gravitation ist nicht "okkulter" als die ihr komplementäre, ebenfalls nicht weiter ableitbare Trägheit, mit der viele Physiker genauso ihre Probleme haben. Es sind immer nur die als "selbstverständlich" hingenommenen unangepaßten Denkweisen und Überzeugungen, die "doxa", welche die vermeidbaren Probleme machen, die Gegenstand von Parmenides' aufklärenden Lehrgedicht waren. Durch undoktrinäres Denken von angeblich selbstverständlichen Maximen weg zu einer selbstverständlichen Akzeptanz von Fakten zu kommen, muß das Ziel der Wissenschaftler sein.

Literatur und Anmerkung:
1) Parmenides, Über das Sein, Reclam Bd.7739, Übersetzung und Gliederung von Jaap Mansfeld, Stuttgart 1985, Frag.8, Vers 55-60
2) Kurt Riezler, Parmenides, in: Quellen der Philosophie, hrsg. von Rudolph Berlinger, Vittorio Klostermann Frankfurt/M. 1970, S. 35, Frag.8, V.37
3) wie 1), Frag.8, Vers 22-25
4) wie 2), IX. Vers 43f bzw. XII.
5) Isaac Newton, Mathematische Grundlagen der Naturphilosophie, Ausgew., übers., eingeleitet u. hrsg. von Ed Dellian, Hamburg: Meiner 1988, S.42
6) wie 5), S.230: "Die Schwere zur Sonne hin setzt sich aus den Schwerewirkungen zu den einzelnen Teilchen der Sonne hin zusammen. ..."
7) Es wird versucht, die Gravitation durch "Dellen" in der Raum-Zeit quasi-anschaulichzu erklären, als würden Probekörper Achterbahn fahren. Hierbei handelt es sich um eine trügerische Erklärung, denn ohne eine immer schon vorausgesetzte, die Senkrechte definierende Newtonsche Zentripetalkraft gibt es kein Gewicht, kein "oben", "unten" und "schief", und somit auch keinen Beschleunigungsanlaß. Die "gekrümmte Raum-Zeit" ist eine Als-ob-Beschreibung der Folgen von Gravitation, ebenso wie es sich bei den Kreisbahnen des Ptolemäus oder bei Aristoteles "Streben zum natürlichen Ort" bereits um von ihr verursachte Phänomene handelt, die selbst ohne Erklärungswert sind.
     Newtons Formel ergibt nur für 2 Punktmassen korrekte Werte und ist damit für ausgedehnte Körper der ungenaueste Ansatz, der möglich ist, der aber für weit entfernte Objekte, wie Planeten, ausreicht. Für nahe Probekörper jedoch ergibt jeder Ansatz, der die räumliche Verteilung der Gravitationsquellen erfaßt, zwangsläufig genauere Werte, ohne daß er schon dadurch ein zutreffenderes Gravitationsverständnis beweist.
8) Wenn Licht einen Druck ausüben kann, den sog. "Lichtdruck", dann hat es auch Masse, weil Masse ein Maß von Widerstand einer realen Erscheinung bei ihrer Wechselwirkung ist und nicht selbst schon eine Sache sondern nur die Wirkung einer solchen.
9) wie 2), Frag.8, aus V. 5
10) wie 1), Ende von Frag. 4
11) C. F. v. Weizsäcker, Zeit und Wissen, dtv München 1995, S.785

© HILLE 1996
DPG-Frühjahrstagung März 96 Friedrich-Schiller-Universität Jena, FV DD, Tagungsband S. 645-650, und FV GR

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Gravitation und Trägheit in komplementärer Sicht

Es zeigt sich mehr und mehr, daß ein angemessenes Verständnis der Gravitation der Schlüssel für eine zukünftige einheitliche Theorie der 4 Elementarkräfte ist. Die Aussage, daß Schwere und Trägheit ein und dasselbe sind, ist da wenig hilfreich. Die der Gleichheitsbehauptung zugrundeliegende Feststellung, daß die Schwere ebenso wie die Trägheit als Beschleunigung erfahren wird, besagt nur, daß es sich bei beiden um Kräfte handelt, denn Beschleunigung ist die Definition der Kraft. Eine weitergehende Erkenntnis ist mit ihr nicht verbunden. Sie ist also ebenso richtig wie trivial.

Immer wenn wir uns über die Einheit der Natur Klarheit verschaffen wollen, tun wir dies am besten, indem wir die Entstehung unseres Wissens über die Natur bedenken, also die Rolle des Beobachters in unsere Untersuchungen einbeziehen. Der erkenntniskritische Weg ist geboten, weil wir die Natur immer nur als Erscheinung erfahren und jede Erscheinung an die Art unserer Wahrnehmung gebunden ist. Es wäre daher falsch, wenn wir aus dem uns möglichen Wärmeempfinden den Schluß zögen, daß es einen Wärmestoff gibt. Das wäre eine objektivistische Sicht der Dinge, die jede Erscheinung - unter Nichtbeachtung ihrer Entstehung - gleich als die Sache selbst ansieht. Heute wissen wir jedoch, daß die Wärme ein Aspekt von Bewegungsenergie ist, ohne daß dadurch der Umgang mit Molekülen und Strahlungen unter dem Aspekt der Wärme an Wert verliert. Und wie bei allen Allgemeinerscheinungen ist auch die Masse keine Sache sondern ebenfalls ein Aspekt von Bewegungsenergie, nämlich das Maß von Widerständen, also eine wohldefinierte physikalische Größe. Immer haben wir in der Physik nur mit physikalischen Größen zu tun, denn jede Wahrnehmung ist ein Messen, auch wenn nicht jede quantifiziert werden kann. Wer denkt, er habe es in der Physik mit Sachen zu tun, dem wird es durch das Verkennen der Beobachterrolle am notwendigen Verständnis der Phänomene fehlen und er wird naturgemäß wenig zu ihrer Aufklärung beitragen können.

Masse als Maß des Widerstands eines Körpers kümmert sich nicht um die Genese eines Widerstands: ob der Körper drückt oder ob auf ihn gedrückt wird. Nach ihrer Erscheinungsform gibt es also keinen Unterschied zwischen Trägheit und Schwere einer Masse. Beschleunigung ist Beschleunigung, da hat Einstein völlig Recht. Nach dem Newtonschen Verständnis hat jedoch ein Körper seine Trägheit von sich aus (Definition III), während ihm die Eigenschaft der Schwere verliehen wird (bei Einstein ist es umgekehrt). Man kann diese Hypothese auch fallen lassen und wieder sagen, der Körper habe auch von sich aus ein Streben nach seinem natürlichen Ort, doch bekommt man dadurch die Schwierigkeit, sein Verhalten kausal zu erklären, z.B. in der Himmelskunde oder in der Weltraumfahrt. Quantitative Prognosen werden dann unmöglich.

Es ergibt sich die Frage, wie ein Körper es fertigbringt, berührungslos auf einen anderen einzuwirken. Die Frage erscheint berechtigt, trotzdem ist sie möglicherweise nicht sinnvoll, wenn sie nach bewährten Erklärungsmustern beantworten werden soll. Wie ich an anderer Stelle vor der DPG dargelegt habe, gibt es keinen sachlichen Anlaß, unsere Erfahrungsmuster Druck und Zug als die einzig möglichen hinzustellen, schon weil dies die Elektrodynamik widerlegt. Warum wollen wir nicht einfach respektieren, daß es so ist, daß es Erscheinungen gibt, bei denen eingeübte Erklärungsmuster versagen? Newton hat die Zentripetalkraft, wie er sie nannte, mit einer rein geometrischen Formel erfaßt - d.h dem Raum zugerechnet - und im übrigen gesagt: "hypotheses non fingo" und sich damit als Wissenschaftler verhalten, der Aussagen zu Unerfahrbaren unterläßt. Was Newton nicht gemacht hatte, obwohl er klar erkannte, daß die Schwere zur Sonne hin nicht von ihrem Zentrum sondern von ihren einzelnen Teilchen ausgeht, ist eine Formel zu finden, die an der Schwerewirkung dieser einzelnen Teilchen ansetzt. Denn es kann ja beim Schwinden der Zentripetalkraft mit dem Quadrat der Entfernung für eine sonnennahe Erscheinung, wie Sternenlicht oder ein Radarsignal, nicht unerheblich sein, ob der Ausgangspunkt des Schwerefeldes 700.000 km weiter entfernt im Zentrum liegt oder nicht, auch wenn, wegen der Schnelligkeit von Licht und Radarsignalen, die Sonne nur wenig Zeit hat, beide von ihrer Bahn abzulenken.

So hat der Planet Mars zwar nur ca. 1/10 der Erdmasse, doch die Schwerebeschleunigung auf seiner Oberfläche ist deshalb keineswegs 1/10, wie in zur Erde vergleichbarer Entfernung von ihm, sondern weit mehr als 1/3. Der Mond hat sogar nur 1/81 der Erdmasse, doch immerhin noch 1/6 von deren Oberflächenbeschleunigung, wovon sich Astronauten schon überzeugen konnten. Wenn wir diese Unterscheidung zwischen Nah- und Fernbereich auch bei der Sonne machen, haben wir wahrscheinlich keine Schwierigkeit, den Winkel der von ihr bewirkten Lichtablenkung ohne Zusatzhypothesen quantitativ zu erklären. Am besten wäre es, die ermittelten Werte einfach zu nehmen, um anhand geeigneter Gleichungen die Massenverteilung in der Sonne zu bestimmen, also echte Forschung zu betreiben, anstatt, wie ein Jurist, immer nur nachweisen zu wollen, daß Einstein oder wer anders Recht hat. Dies ist eine öde, den Geist der Wissenschaft beschädigende Rechthaberei, wie sie seit der von Eddington organisierten Expedition zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis üblich geworden ist, eine Zeit nach dem Ende des 1.Weltkriegs, in der Schuldfragen das Denken der Menschen bewegte. Daher bin ich davon überzeugt, daß jede Gravitationsformel, die die räumliche Verteilung einer Masse erfaßt, ein genaueres Resultat liefern wird als die für Planetenbahnen gedacht Newtonsche, welche die ungenaueste aller möglichen ist, ohne daß eine genauere Formel deshalb notwendig schon ein anderes oder gar besseres Gravitationsverständnis beweist.

Ohne einem Rechtfertigungsdruck oder dem Zeitgeist folgen zu wollen, sollten wir uns daher hier rein sachlich auf die mit dem Titel angesprochnene Frage konzentrieren, wie wir uns das Verhältnis zwischen der Trägheit und der Schwerewirkung eines Körpers zu denken haben. Hier liefert uns bereits Newton in seinen "Principia" in Definition VIII einen wichtigen Hinweis wenn er schreibt: "Die beschleunigende Kraft soll auf den Ort des Körpers zurückgeführt werden als eine Wirkfähigkeit, die vom Mittelpunkt über die einzelnen Orte in der Umgebung verteilt ist, ...", was man heute die Beschreibung eines permanenten Feldes nennt. Newton hat also keineswegs die träge Masse eines Körpers als die Ursache der zentripetalen Wirkfähigkeit bezeichnet sondern nur den Ort des Körpers als den Ausgangspunkt angesetzt. Ich denke, daß alle jene, die Newton die Annahme von unvermittelten Fernwirkungen unterstellen, hier ihrem eigenen, unabgeklärten Verständnis von der trägen Masse als der Ursache der Schwerewirkung aufsitzen. Doch gilt es einfach zu respektieren, daß - wie ich meine und es in Jena auch dargelegt habe - jedes physikalische Objekt zwei Erscheinungsweisen hat, die einander komplementär sind. Aufgrund einer Auffassung von Ganzheit, die wir schon bei Parmenides finden, habe ich vorgeschlagen, der Mechanik folgendes Theorem hinzuzufügen:

"Jede existierende Sache hat zwei komplementäre Aspekte: ihren eigenen und den des Ganzen. Ihr eigener Aspekt wird bei Einwirkung als Trägheitswiderstand erfahren, der holistische Aspekt zeigt sich als ihr, auf sie gerichteter Anteil an der Gravitation. Als zwei Aspekte einer Sache sind sie einander proportional."

Wir hätten es also mit zwei nicht weiter ableitbaren, in der Physik gar nicht mehr so ungewöhnlichen komplementären Aspekten einer einzigen (ansonst unbekannten) Realität zu tun, nämlich mit ihren passiven Aspekt, der sich bei Wechselwirkung als Trägheit zeigt, und ihren aktiven Aspekt, der als gerichtete Beschleunigung erlitten wird, wobei beide Aspekte zwar miteinander unauflöslich verbunden sind, jedoch der eine nicht die Ursache des anderen ist. Daß beide Aspekte die komplementäre Erscheinung einer einzigen Realität sind, wird bereits durch Newtons, in ihrer tiefen Bedeutung bis heute viel zu wenig bedachten Proportionalitätskonstante G nahegelegt, um die auch Einstein nicht herumkam. Doch verbietet es die komplementäre aber unterschiedliche Natur von Trägheit und Gravitation, ganzheitliche Effekte mit mit an der Trägheit gewonnen mechanischen Modellen beschreiben zu wollen. Und eine "gekrümmte Raumzeit" ist nur eine metaphorische Beschreibung der Folgen von Gravitation, jedoch keine Erklärung ihrer Bedingung, die eine relationistische Physik einfach nicht leisten kann.

Mehr als wir ahnen, haben wir es auch in der Wissenschaft mit unseren in der Wachtumsphase erworbenen Denkmodellen und Erwartungen zu tun, denen wir ganz natürlich folgen, ohne sie zu hinterfragen. Das ist jedoch ein Versäumnis, wenn es wirklich um das Verständnis der Dinge geht. Wollen wir nur zweckgerichtet mit ihnen umgehen, sind Annnnnahmen über sie beliebig - da tun es auch Geister und Kobolde, wenn deren Beschwörung im Rahmen eines geeigneten Kontext ein erfolgreiches Handeln ermöglicht. Zu glauben, daß erfolgreiches Handeln auch gleich die Richtigkeit des Erklärungsmodells "beweist" ist daher ein Irrtum. Es beweist nur ihre Zweckmäßigkeit an der sich die Evolution schon immer orientiert hat. Doch der menschliche Geist will eigentlich mehr, und das ist das eigentlich Menschliche an ihm, nämlich "Wahrheit", und die muß zu allererst vor dem Forum der Vernunft bestehen. Nur wenn wir der Vernunft folgen, werden wir ein vernünftiges, d.h. rational nachvollziehbares Weltbild gewinnen, um das es uns als Wissenschaftler einzig und allein gehen sollte.

© HILLE 1996


DPG-Frühjahrstagung März 97 Ludwigs-Maximilians-Universität München FV: MP und GR

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Nachträge und Anmerkungen zum Thema Gravitation

Inhalt:
1. Die offene Frage der Gravitation
2. Können wissenschaftliche Theorien anhand ihrer "Schönheit" beurteilt werden?
3. Besagen 1,3 sec Differenz eines Funksignals etwas über unser Verständnis der Gravitation?
4. "Teleskop misst Geschwindigkeit der Schwerkraft"
5. Zum Zeitfaktor in der Gravitation

1. Die offene Frage der Gravitation
Das Gravitationsfeld gehört zur Materie, die dadurch sowohl durch ihre sichtbare Erscheinung auf andere sichtbare Erscheinungen einwirkt, als auch durch das ihr zugehörige Feld. Es ist also immer die Materie, die wirkt (und nicht der "Raum") - doch in dem einem Fall ist sie optisch mit Hilfe des Lichts wahrnehmbar, im anderen nicht - doch körperlich wird sie in beiden Fällen gleich wahrgenommen! Das angebliche "Problem" der Trägheit und Schwere ist also eines der optischen Wahrnehmung, aber kein Problem der Physik, zu dem wir eine "Lösung" von Einstein benötigen würden - sobald wir das Wesen der Schwere richtig verstanden und akzeptiert haben. Es sei denn ein heller Einstein würde ein Licht entdecken, das das Gravitationsfeld direkt, d.h. ohne Probekörper, wahrnehmbar macht, wo also auch nicht das noch zu entdeckende spezielle Licht der Probekörper wäre. Das wäre doch toll, wenn wir die unzähligen winzigen Händchen zu sehen bekommen, die fleißig alles nach unten = zur wirkenden Materie hin ziehen. Aber es bleibt die Frage, ob auch Felder aufeinander einwirken und damit jene geringfügigen Spezialeffekte verursachen, mit denen Einstein sich befasste, in der Hoffnung, Newtons realistische Sicht der Natur widerlegen zu können. Aber sie würde bestenfalls erweitert. Und die Frage, ob auch Felder aufeinander wirken, hatte Einstein noch gar nicht gestellt. Er hatte es schon als Fortschritt angesehen, den Raum zu einem physikalischen Gegenstand gemacht zu haben, der Wirkungen nicht nur ausübt sondern auch erleidet, der jedoch bei ihm der Materie gegenüberstand und nicht ein Teil von ihr war, wie dies bei Newton der Fall war, angezeigt durch seine Gravitationskonstante. Im übrigen war auch bei Newton die Beschreibung der Gravitation immer eine räumliche.
nachgetragen am 18.-20.08.02, neuer Schluss 09.01.03

2. Können wissenschaftliche Theorien anhand ihrer "Schönheit" beurteilt werden?
Der amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Steven Weinberg plädiert in seinem Buch "Dreams of a Final Theory" dafür, wissenschaftliche Theorien anhand ihrer "Schönheit" zu beurteilen, besonders nach der "Eleganz" ihrer mathematischen Gleichungen. In einer 1997 veröffentlichten Besprechung seines Buches habe ich zuersteinmal eingeräumt, dass der Schönheitssinn als die Summe unserer Erfahrungen natürlich für ein erstes Urteil geeignet ist. Aber der Schönheitssinn unterliegt auch dem Zeitgeist, wie wir alle aus der Mode, der Architektur und somit auch aus der Kunst wissen. Und da es Weinberg um "a Final Theory", also eine endgültige Theorie geht, darf sie eben gerade nicht von einem Zeitgeist abhängig sein. Newtons Gravitationsgleichung, nach der die Schwerkraft eines Körpers mit dem glatten Quadrat der Entfernung abnimmt (und nicht mit irgendeinem Bruchteil), ist eben nicht wegen dieser Einfachheit, sprich "Eleganz" seiner Gleichung gültig, sondern weil sie die einzige nichtwillkürliche Annahme ist, dass sich die Schwerkraft eines Körpers gleichmäßig im Raum verteilt, was eben das Quadrat der Entfernung wiedergibt - was es zu verstehen gilt!
nachgetragen am 12.12.02, als 2. Kolumne verfasst und veröffentlicht auf www.museumsart.de

3. Besagen 1,3 sec Differenz eines Funksignals etwas über unser Verständnis der Gravitation?
In FOCUS 1/2003 wird, wie an anderer Stelle auch schon, von einem Gravitationsmysterium berichtet, das John Anderson als Forscher am Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde NASA in Pasadena/Kalifornien seit mehr als zwei Jahrzehnten bewegt. Er hatte Radiosignale der Anfang der 70er-Jahre gestarteten Raumsonden Pioneer 10 und 11 analysiert. "Dabei bemerkte er eine rätselhafte Anomalie: Pioneer 10 war nicht dort, wo er theoretischen Bahnberechnungen zufolge sein sollte - es schien, als habe eine unbekannte Kraft den Flugkörper abgebremst. Bei Pioneer 11 fanden Nasa-Experten den gleichen Effekt, bis der Kontakt 1995 verloren ging. Später zeigte er sich auch bei der Sonnenforschungssonde Ulysses." Der Bremseffekt war jedoch winzig: weniger als ein Zehnmilliardstel der Erdanziehungskraft, wodurch sich eine Enfernungsdifferenz von 400.000 km ergeben hätte, also ca. 1,3 sec wäre das Signal bei 12,266277 Milliarden Kilometer Strecke hier eher angekommen, was nun wirklich nicht aufregend ist. In einer im September 2002 veröffentlichten Studie ziehen Experten daraus trotzdem die Schlußfolgerung: "Erweist sich der Effekt weiterhin als real, könnte er mit kosmologischen Größen zusammenhängen." Bevor man nun, wie geschehen, an die entschleunigende Wirkung einer im Sonnensystem vorhandenen dunklen Materie denkt (doch dunkle Materie wäre dann sicher auch außerhalb des Sonnensystems und würde von dort aus anziehend wirken) oder an eine Änderung der Schwerkraftwirkung "tief im All" (die sich jedoch auch schon bei den äußeren Planeten des Sonnensystems zeigen müsste), wäre zu fragen, ob denn die Experten die Beschleunigung der Signale insbesondere durch die Sonnen- und Erdmasse berücksichtigt und die gravitative Wirkung der von der Sonne ausgehenden Teilchen- und Lichtströme in Ansatz gebracht haben, auch wenn sie vielleicht nicht selbst an eine gravitative Wirkung der Energie und auf dieselbe glauben, sondern sie immer nur mit der nichtstrahlenden Materie, ob sichtbar oder "dunkel" in Zusammenhang bringen, was ich für einen groben Fehler halte würde. So aber habe ich den Eindruck, dass man lieber auf die unbekannte "dunkle Materie" als Nothelfer ausweicht, die sich aber schon längst durch Verdunkelungen von Sonnen- (Mond-, Planeten-) und Sternenlicht bemerkbar gemacht hätte, während man das jedermann sichtbare Licht und die hinreichend bekannten Teilchenströme von der Sonne nicht in Ansatz bringt. Insgesamt trägt jedoch der Aufsatz neuere Überlegungen zur Gravitation vor, die ihre "Kraft aus dem Quantenschaum" schöpfen würde, und erwähnt am Schluss den Satelliten "Hyper", den die europäische Raumfahrtagentur um 2010 ins All schießen möchte, um mit "höchstempfindlichen Messgeräten" festzustellen, ob es den Quantenschaum wirklich gibt. Auch wenn der Autor sich von der relativistischen Terminologie noch nicht gelöst hat und nur von "einer weiteren Modifikation der Theorie" spricht, so scheint doch endlich Bewegung in die Gravitationsforschung zu kommen, weg von der penetranten Absicht, immer nur beweisen zu wollen, das Einstein Recht hat. Doch noch soviele Feinmessungen werden uns nicht von der Aufgabe entbinden, das Wesen der Gravitation, vor allem ihre Universalität neu zu bedenken. Die Frage zu wagen "Haben wir überhaupt eine richtige Vorstellung vom Wesen der Gravitation?", wie sie im Artikel steht, ist da schon ein Fortschritt, auch wenn der Aufsatz bestenfalls Ansätze bietet.
Nachtrag vom 10.01.03, zuletzt am 21.01.03 ergänzt

4. "Teleskop misst Geschwindigkeit der Schwerkraft"
In einer dpa-Meldung vom 08.01.2003 (Fundstelle WEB.de) heißt es, US-Astronomen hätten "erstmals die Geschwindigkeit gemessen, mit der sich die Schwerkraft ausbreitet. Dieses Tempo entspreche der Lichtgeschwindigkeit, berichtet Ed Fomalont vom US-Radioastronomie-Observatorium in Charlottesville (US-Staat Virginia)..." Dabei ging es um eine "weit entfernte, stark strahlende kosmische Radioquelle, einem so genannten Quasar," an dessen Strahlung der Planet Jupiter vorüberzog, wodurch er ihren Weg "ein klein wenig krümmte". Hier riecht man doch gleich den Braten: Die Unfehlbarkeit des Genies "Einstein", mit seiner Fixierung auf die Lichtgeschwindigkeit, soll wiedereinmal als "glänzend bestätigt" hingestellt werden. Dazu gehört, dass - wie immer - gleich die Begriffe nicht stimmen, ist doch die RT Ausdruck einer allgemeinen geistigen Konfusion. Die Schwerkraft breitet sich nämlich überhaupt nicht aus, ist sie doch schon seit dem sog. Urknall am Ort ihrer Wirkung. Nur die zugehörige Materie und Strahlung als deren Zentren breitet sich aus oder ballt sich zusammen, wodurch sich Felder verlagern und die Feldstärken im freien Raum sich ändern, bei Erhalt der Gesamtgravitation. Im untersuchten Fall breitete sich die elektromagnetische Strahlung aus, weshalb sie das auch mit Lichtgeschwindigkeit tut. Das Problem bei den Feldstärken im freien Raum ist, wie schnell sich außergewöhnliche Änderungen der lokalen Energie durch explosionsartige Verlagerungen großer Mengen von Materie, z.B. durch eine Supernova, im Schwerefeld fortpflanzen, "Gravitationswelle" genannt. Eine solche war aber gar nicht der Gegenstand der Messung, weshalb sie zur Klärung dieser offenen Frage auch nichts beitragen kann (s. hierzu u.a. Nachtrag 5 und die folgenden "Gedanken zum Nachweis von Gravitationswellen"). Trotzdem wird die Falschinterpretation sicher in Medien Verbreitung finden, die nicht versäumen werden, ihren Helden Einstein gebührend zu feiern, begnügt man sich doch schon seit den Anfängen der RT mit dem Anschein der Richtigkeit (s. Einleitung zu "Zur Wahrheit der Relativitätstheorie" auf Datei I/B = art.html), selbst wenn er nur durch eine falsche Wortwahl erzeugt wird. Wenn schon studierte Astronomen von der Fragestellung nichts verstehen oder verstehen wollen, dann kann ein solches Verständnis auch nicht von Redakteuren und anderen Laien erwartet werden, die in einem sonst nicht sehr erfreulichen politischen Umfeld einfach Freude an schönen Meldungen haben, selbst wenn sie zu schön sind, um wahr zu sein.
Nachtrag vom 11./12.01.03, zuletzt ergänzt am 11.03.03

5. Zum Zeitfaktor in der Gravitation
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Gedanken zum Nachweis von Gravitationswellen

Inhalt/Titel:
Anmerkung zur bevorstehenden Inbetriebnahme des Gravitationswellendedektors GEO 600
Im Niemandsland der Messung
Erwartungen contra Fakten


Anmerkung zur bevorstehenden Inbetriebnahme des Gravitationswellendedektors GEO 600

Die Idee der Gravitationswellen kann für den Bereich der Erfahrung wohl kaum relevant sein, wenn es in Anbetracht des heute beobachtbaren riesigen Universums bisher nur gelungen ist, sie einzig anhand von Radiosignalen zweier, 1974 entdeckter, sich umkreisender ferner Pulsare (Neutronensterne in schneller Drehung) als wirksam zu deuten, während Newton seine Gedanken zur Gravitation anhand irdischer Phänomene und der Planetenbewegung ohne großen Aufwand ausreichend falsifizieren konnte. Cavendish ermittelte dann später als erster noch die Größe der Gravitationskonstante. Die über Jahre hinweg beobachtete Verkürzung der Umlaufperiode der beiden Pulsare wird, angeblich nach Einstein, durch einen Energieverlust infolge Abstrahlung von Gravitationswellen "erklärt", was m.E. jedoch nichts klärt, denn es bleibt unverständlich, wie durch das Schwinden ihrer Energie ihre gegenseitige Anziehung zunehmen(!) kann, so daß es am Ende zu einem Crash kommt. Dann müßte nach einem völligen Verschwinden der Energie die Anziehung wohl am größten sein? Was verursachtet dann aber das Gravitationsphänomen in Einsteinscher Sicht? Wenn es überhaupt durch Abstrahlung von Energie durch die anziehende Masse ausgelöst würde, dann dürfte es, bei einer signifikanten Rate, dem Alter des Universums und den Umstand, daß es im Universum keinen unbeschleunigten Körper gibt, eigentlich schon gar keine Himmels- und sonstige Körper mehr geben und das Universum müßte heute ein Meer von Gravitationsenergie ohne zugehörige Masse/Materie sein, was doch offensichtlich nicht stimmt, ganz abgesehen davon, daß Feld und Masse zwei Seiten einer Realität sind, ausgedrückt durch die Gravitationskonstante. Ist es denn nicht möglich, vernünftige, logisch und sachlich nachvollziehbare Aussagen in Verbindung mit der Allgemeinen Relativitätstheorie zu machen? In Newtonscher Sicht ist die Zentripetalkraft eine der sichtbaren Materie ständig zugehörige und konstante Größe und eine Gravitationswelle lediglich die markante Veränderung der Zentripetalkraft am Ort eines Probekörpers infolge der plötzlichen Verlagerung einer ihn beeinflussenden Quelle.

Nach Newtons Formel schwindet mit dem Verlust von Masse mit dieser die Anziehungskraft eines Objekts. Da die Sonne ständig Masse durch Teilchenstrom und Strahlung verliert, müßte sich ihre Anziehungskraft ständig verringern, d.h. der Bahnradius und damit die Umlaufdauer, vor allem der sonnennahen Planeten, müßte unablässig geringfügig zunehmen und sich im Laufe der Jahre leicht zu einer meßbaren Größe addieren. Warum mißt man nicht diesen Effekt? Warum baut man für 10 Millionen Mark bei Hannover einen Gravitationswellendedektor GEO 600 mit zwei 600 m genau gleichlangen, im rechten Winkel zueinander stehenden Meßstrecken nach dem Muster von Michelsons Interferometer, in die aufgespaltene Lichtstrahlen geschickt und am Ende refelektiert werden, die bei Verkürzung oder Verländerung einer Meßstrecke zwangsweise interferieren (nähere Angaben zum Interferometer im Text I/B11 = michelso.html über das Michelson-Eperiment), wobei die von einer Gravitationswelle verursachte Längenänderung einer Strecke so gering ist, daß sich "auch im günstigsten Fall der Abstand von der Erde zur Sonne nur um den Durchmesser eines Atoms verändert" (Prof. Karsten Danzmann, Leiter des Projekts)? Daher ist Danzmann sich nicht sicher, ob seine "Billigstausführung" das leisten kann, was erwartet wird. Für zwei Anlagen in den USA werden deshalb 365 Millionen US-Dollar angesetzt und im Jahre 2011 möchte man für über eine Milliarde US-Dollar gar drei Satelliten die Sonne umkreisen lassen, die den Gravitationswellendedektor LISA (Laser Interferometer Space Antenna) mit fünf Millionen Kilometer Seitenlänge bilden sollen (die Entfernung Erde - Sonne beträgt rd. 150 Millionen Kilometer). Hoffentlich wackelt dann wenigstens hier ein einzelnes Atom und jemand schaut gerade hin ohne zu blinzeln - eine ganz sicher im Bereich der Meßtoleranz liegende strittige Längendifferenz, die Einsteins Genie dann angeblich wiedereinmal "glänzend beweisen" würde. Den Technikern und Forschern sei ja ihre Arbeit und die Herausforderung gegönnt - doch ist das nicht "ironische Wissenschaft" pur? Wenn die aus der Sonnenaktivität, z.B. aus Protuberanzen kommenden solaren Einflüsse auf das Gravitationsfeld nicht überhaupt überwiegen, wird man es viel eher mit einem aus allen Richtungen kommenden ständigen "Rauschen" zu tun haben, aus dem die erwarteten Signale durch die Kunst von Interpreten erst herausgehört werden müssen. Oder geht es in Wahrheit viel eher um die Suche von Spuren geheimer Atomwaffentests, nicht nur von "Schurkenstaaten", und/oder um die Beobachtung von Aktivitäten Außerirdischer oder Ähnliches, worüber man nicht gern spricht? Einsteins Thesen - oder was dafür ausgegeben wird - dienen ja oft als Alibi. Aber nicht zuletzt wäre natürlich jeder Dollar und jeder Euro gut angelegt, der hilft, die Unsinnigkeit und Irrelevanz relativistischer Thesen auch für jene erkenntlich zu machen, die Vernunftargumente nicht gelten lassen wollen.
Alle Projektangaben aus "MaxPlanckForschung, Das Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft" Heft 3/1999
Kosten und Starttermin für LISA gemäß "Physik Journal" vom Oktober 2002 S.11
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Im Niemandsland der Messung

Das Nachrichtenmagazin FOCUS bringt in Heft Nr. 23 vom Juni 2001 ebenfalls einen Bericht über die bevorstehende Suche nach Gravitationswellen unter der maximalen Versprechung "Signale vom Anfang des Universums" und stellt dabei das Observatorium LIGO (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) in Livingstone im Süden der USA mit seinen beiden vier Kilometer langen Meßarmen vor, das 2002 in Probebetrieb gehen soll. Im US-Staat Washington erhält die Livingstone-Anlage einen Zwilling. Auch Italien startet 2002 ein Projekt namens VIRGO in der Nähe von Pisa mit drei Kilometer langen Armen. Laut FOCUS würde die Längenänderung der Meßstrecke durch ein Ereignis "ein Milliardstel Milliardstelzentimeter (10-18cm), nur Bruchteile eines Atomdurchmessers also" betragen und ist somit näherungsweise null. Das sind aber immer die Größenordnungen in denen sich entscheiden würde, "ob Einstein Recht hat" - eine Art angewandter Physik im Niemandsland der Messung. Da werden zur notwendig weltweiten Phantomsuche Hunderte von Millionen Dollar aufgewendet, obwohl man hinterher streiten kann, ob es sich nicht doch nur um Störungen, z.B. durch eine vorbeifliegende Hummel, und/oder um Meßtoleranzen handelt. Selbst wenn also an Einsteins Theorie oder deren Deutung nichts auszusetzen wäre, ist in Anbetracht des nötigen Aufwands ihre Bedeutung - entsprechend dem prognostizierten Meßergebnis - "näherungsweise null". Ich denke, die Signifikanz einer Theorie über das Universum ist allein dadurch bestimmbar, wie gut die Theorie das viele Milliarden Jahre alte und offensichtlich stabile Universum in Detail und Gänze verständlich machen kann, beginnend mit der Erklärung, wie es zur Bildung kugelförmiger Himmelskörper kommt, die ja immer Voraussetzung sind, daß es die "Dellen in der Raumzeit" gibt, mit denen die Einsteinsche Auffassung von Gravitation beschrieben wird, die also die Newtonsche immer schon stillschweigend voraussetzt.

Im Fall der Gravitationswellen handelt es sich um einen ganz selbstverständlichen "Effekt", der bereits nach dem Newtonsche Gravitationsverständnis zu erwarten wäre. Vor Einstein hat sich jedoch niemand Gedanken darüber gemacht, weil Ereignisse wie Supernovae, die schlagartige Veränderungen der Feldstärke auslösen, deren Fortpflanung als "Gravitationswelle" beschrieben werden kann, so gut wie unbekannt waren. Aber diese Umstände interessieren natürlich niemand, so auch die FOCUS-Redaktion nicht, weil es ja nicht um Forschung schlechthin geht, sondern - wie vor Gericht - nur darum, zu beweisen daß Einstein Recht hat, was offensichtlich nötig ist. Und da ist es nur konsequent, Isaac Newton und andere Vordenker mit keinem Wort zu erwähnen, jedoch sofort ein Bild des einzigartigen Albert Einstein zu zeigen, und seine Hypothese schon jetzt als "glänzend bestätigt" zu bezeichnen, obgleich die Suche nach den Gravitationswellen ja erst nächstes Jahren beginnen soll!!! Um jedoch gleichzeitig die Einstein umgebende Aura des Mystischen zu wahren, werden banale Gravitationswellen als "geheimnisvoll" (zweimal und fettgedruckt) und als "eines der rätselhaftesten Phänomene des Kosmos" vorgestellt. Aber was ist ein naturwissenschaftliches "Phänomen", das noch niemand zu Gesicht bekommen hat und das bislang nur in den Köpfen theoretischer Physiker existiert? Was bringt erwachsene und erfahrene Menschen dazu, beim Auftauchen des Namen "Einstein" sofort den kritschen Verstand zu verlieren? Warum ist das immer so, daß - sobald es um Einsteins RT geht - gleich die Begriffe nicht mehr stimmen und grundverkehrt argumentiert wird?
*Diese "Bestätigung" erinnert mich an das Vorgehen der NASA. Um die Regierung und den Kongreß der USA die Finanzierung von Marsflügen schmackhaft zu machen, wurden spärlichste Daten (schwarze Punkte auf einem Stein) als "Spuren von Leben" gedeutet. Und was hat man "zum Beweis" Einsteinscher Gravitationswellen bisher in der Hand: regelmäßig wiederkehrende Radiosignale aus der Tiefe des Alls, deren Intervall sich geringfügig verkürzt. Das ist alles bzw. der Rest ist reine Interpretation! Ich denke, wir habe es in beiden Fällen mit Geld- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen intelligenter Menschen zu tun, für deren Aktivitäten man durchaus Verständnis haben kann.

Es ist an der Zeit, mit den falschen Prämissen bei der teuren Jagd nach Phantomen und der penetranten, den Geist der Wissenschaft beschädigenden Rechthaberei aufzuhören und zu einer, die ganze nicht zu leugnende Wirklichkeit erfassenden realistischen Betrachtung zurückzukehren, unter Würdigung der Verdienste aller! Eine solche Forderung kann niemals verkehrt sein. Und noch ein frommer Wunsch: Wie für den Anfang der Relativitätstheorie der Michelson-Interferometer Pate stand, so möge der nach genau den gleichen Gesichtspunkten konstruierte Gravitationswellen-Interferometer Pate für deren Ende sein, wenn alle erkennen, daß Newtons einfache und klare Handhabung des Gravitationsphänomens, auf heutige Probleme sorgfältig angewandt, ggf. auch unter Verwendung Einsteinscher Gleichungen, die sich bewährt haben, wissenschaftlich völlig ausreichend ist - wenn man es einfach mal probieren würde.
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Erwartungen contra Fakten

Die prüfende Messung soll sich nach der zu prüfenden Theorie richten.

Es würde mich nicht wundern, wenn man eines Tages feststellte, daß Gravitationswellen sich instantan* oder mit einem von der Lichtgeschwindigkeit sehr verschiedenen Tempo ausbreiten, denn die Lichtgeschwindigkeit ist eben die Geschwindigkeit des Lichts und nicht die irgendeiner anderen Sache. Natürliche Ereignisse richten sich nicht nach geistigen Prinzipien oder auferlegten Limits sondern nach aus den Sachen selbst kommenden Ursachen, die für ihr Verhalten verantwortlich sind. Daher können nur sachgerechte Betrachtungen zu sachlich gerechtfertigten Urteilen führen. Heute dagegen möchte man sich mehr auf die Intuitionen eines "Genies" verlassen, was ja auch viel bequemer ist, als Sachverhalte nüchtern und konsequent selbst zu bedenken. Wenn dann im Zuge der Messungen Gravitationswellen mit einem von der Lichtgeschwindigkeit verschiedenen Tempo registriert werden, was ihre Zuordnung zu optischen Ereignissen zumindestens sehr erschweren würde, denn das Eintreffen der Gravitationswellen und das der zugehörigen Lichtwellen kann Jahre, Jahrhunderte und mehr differieren, wird das auch wieder keiner wahrhaben wollen, so wie theoretische Physiker heute Über-Lichtgeschwindigkeiten und das momentane aufeinander Reagieren weit voneinander entfernter verschränkter Quanten zu leugnen versuchen. Die Probleme, die diese Theoretiker beschäftigen, basieren auf ihren Unwillen (oder ihrer Unfähigkeit), Tatsachen einfach so zu akzeptieren, wie sie sind, auch wenn sie ihren Erwartungen nicht entsprechen, z.B. holistische Effekte ihrem reduktionischen Modell. Sie haben Wissenschaft zu einer Machenschaft (H.-P. Duerr) gemacht, in der durch die Relativierung von Fakten herbeigerechnet wird, was der Erwartung entspricht. Zur Stützung solch trotziger Thesen können willige Astronomen mit den heutigen Beobachtungsmitteln im riesigen Universum immer eine Ecke ausspähen, wo in etwa das gefunden wird, was die These faktisch zu bestätigen scheint, auch wenn es dazu verworrener, nämlich der Verwirrung dienender "Erklärungen" bedarf, z.B. warum trotz ihres Energieverlusts die Anziehung von Zwillingssternen noch zunehmen würde.

Nach Einstein bestimmt die Theorie, was beobachtet werden kann. Das wird nicht als eine Kritik des üblichen selektiven Vorgehens unter einem engen, auf ein bestimmtes Ergebnis fixierten Blickwinkel verstanden, sondern als seine Absegnung oder sogar als eine Vorschrift, nur zum Wohle der Theorie vorzugehen, ähnlich seiner Meßvorschrift, Geschwindigkeiten nur radarartig mit refelektierten Lichtstrahlen zu messen, was eben die Messung von Überlichtgeschwindigkeiten von vornherein ausschließt. Damit hoffte Einstein verhindern zu können, daß sich für seine Lorentztransformationen unsinnige negative Werte ergeben. Der Physiker Ernst Schmutzer (Jena), der Einstein offensichtlich sehr verinnerlicht hat, verlangt daher: "Aussagen über das Messen an einem Gegenstand erfordern als Basis die Kenntnis der richtigen Theorie des Gegenstandes - mit anderen Worten, Einsteins Standpunkt."* Die Richtigkeit einer Theorie wird also nicht durch neutrale Messungen erwiesen, sondern wäre schon vor aller Messung durch "Einsteins Standpunkt" gegeben (der aber nur ein Standpunkt unter vielen ist). Das ist nicht nur ein Paradigmenwechsel, wie Thomas S. Kuhn meinte, das ist nicht nur die Umwertung sondern das ist gleich die Abwertung aller wissenschaftlichen Werte: Die prüfende Messung soll sich nach nach der zu prüfenden Theorie richten. Man schlägt dadurch dem Forscher die neutrale Meßlatte aus der Hand, durch die er objektiv etwas wissen könnte. Wissenschaftliches Wissen wird so zu einer dem Zeitgeist unterliegenden (Er-)Messensfrage. (Näheres s. Text I/A8 = plaedoye.html Pkt. B.) "Raffiniert ist der Herrgott", wie Einstein sagte. Aber er war es auch. Darum kannte er sich mit ihm so gut aus, sind doch alle Gottesgedanken nur Projektion des eigenen tiefsten Denkens.
*in seinem Brief an den Autor vom 22.8.96

So gesehen, sind wir wieder beim Primat der Erwartung gelandet, mit allen Folgen geistigen Stillstands, einschließlich der mit Eifer betriebenen Verfolgung Andersdenkender und -forschender mit ihren unerwünschten Messungen, wie die des Tunneleffekts. Wird wirklich einmal Neues entdeckt, dann "passiert" es höchstens, so wie Kolumbus auf seinem Seeweg nach Indien Amerika entdeckte, was er natürlich auch nicht wahr haben wollte, weshalb die alteingessenen Amerikaner heute noch "Indianer" heißen. Wegen der nicht ganz auszuschließenden Möglichkeit, das Tempo von "Gravitationswellen" zu ermitteln, bin ich für den Bau von Dedektoren. Sie wurden ja wohl nur deshalb konzipiert und genehmigt, weil niemand ernstlich damit rechnet, auf etwas Unerwartetes zu stoßen, was dann wieder eines "Genies" bedarf, um es erneut zu relativieren, vielleicht wiederum wegen der ad hoc erfundenen Unzuverlässigkeit der Meßmittel, die angeblich nicht konstant seien - was man aber nur mit konstanten Meßmitteln würde nachweisen können. Dieses Dilemma kann nur durch den Verzicht auf die unbeweisbare Behauptung aufgelöst werden, wozu man nicht bereit ist. - Die Forschung ist eben niemals ganz frei von dem Risiko, daß Unerwartetes sich zeigt oder ereignet, was von mir bestimmt nicht bedauert wird. Wenn in einigen Jahren Ergebnisse vorliegen, sollte man sich meiner hier gemachten Voraussagen, nicht zuletzt über das Verhalten der Beteiligten, erinnern. Zur Rechtfertigung ihrer Position würde ihnen dabei schon ein Atomwackler im Niemandsland der Messung von "ein Milliardstel Milliardstelzentimeter (10-18cm)" genügen, wenn er nur als Bestätigung des großartigen Alberts der staunenden Öffentlichkeit interpretiert werden kann. Anspruchsloser geht es nun wirklich nicht mehr, was aber nur das erhoffte Ergebnis betrifft, nicht aber den ganz im Gegensatz dazu stehenden enormen finanziellen und technischen Aufwand, der ein Eingeständnis des Scheiterns der Missionen gegenüber den Steuerzahlern gar nicht zulassen wird.

Bis jetzt aber ist den Physikern für die Rechtfertigung einer Fehlinterpretation immer noch kein Preis zu hoch. Das schließt nicht aus, dass die Erforschung von Gravitationswellen uns interessante Fakten liefert, die jedoch vorurteilsfrei interpretiert werden müssten, wofür kaum Hoffnung besteht - schon gar nicht im Jubeljahr 2005 (100 Jahre Spezielle Relativitätstheorie = 100 Jahre Verdrehung der Fakten), wo sie dann voraussichtlich vorliegen werden, und das ja wahrscheinlich überhaupt der Anlass der jetzigen weltweiten Aktivitäten ist. Was wird das erst für einen Rummel geben, wenn schon jetzt einem eifrigen Wissenschaftsredakteur, einem studierten Astronomen, eines ansonsten von mir geschätzten Magazins, allein schon der Aufbau von Versuchseinrichtungen genügt, um Einsteins Hypothese "glänzend bestätigt" zu nennen - s. oben "Im Niemandsland der Messung". Wo bleibt da die journalistische Sorgfaltspflicht und die Forderung seines Chefredakteurs nach "Fakten, Fakten, Fakten"? Aber was vermag schon ein nacktes Faktum gegen einen hochgerüsteten Glauben, der vor keinem Trick zurückschreckt und sei er noch so fadenscheinig? (Aber wer Tricks anwenden muss, hat sie nötig.) Und so wird man sich weiterhin durch die Physikgeschichte lügen, worin man ja große Erfahrungen besitzt. Daher sei hier an die Warnung erinnert, die Sokrates zu Adeimantos in der "Politeia" des Platon aussprach: "So laß' uns denn unser Hören und Reden beginnen mit der Erinnerung an den Ausgangspunkt unserer Untersuchung, wo wir die Naturanlage schilderten, die unbedingt erforderlich ist für den, der ein braver und tüchtiger Mann werden will. An der Spitze dieser Erfordernisse aber stand, wie du dich erinnerst, die Wahrheit, der er unbedingt und auf alle Weise nachtrachten sollte, insofern er nicht als ein Windbeutel von jeder Gemeinschaft mit der Philosophie ausgeschlossen sein wollte."

Die hier gezeigten Beispiele zur Gravitations- und Gravitationswellenforschung habe ich nicht aus einer Vielzahl anderer herausgesucht, sondern sie stehen so da, wie sie mir begegnet sind. "Die Freiheit der Forschung" scheint mir vor allem eine Narrenfreiheit zu sein, z. B. für eine Milliarde Dollar nach einem "ein Milliardstel Milliardstelzentimeter" = 10-18cm "großen" Wackler zu suchen, der dann Alberts Weisheit angeblich wiedereinmal "glänzend bestätigen" würde, während die einzig wichtige Frage, "was die Welt (ihre Galaxien und Himmelskörper) im Innersten zusammenhält", solche "Forscher" nur wenig bis gar nicht interessiert. Machen wir uns auf ein schlimmes Jahr 2005 gefasst (und ein schlimmes Jahr 2004: Einsteins 125. Geburtstag), das ja schon jetzt seine den Geist und die Redlichkeit verdunkelnden Schatten vorauswirft! Und der Freund der Wahrheit bleibt traurig zurück und wendet sich erfreulicheren (Forschungs-)Themen zu.
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Der Schlüssel zur Relativitätstheorie
oder die Relativität des Glücks


Es macht den Wert und das Glück des Lebens aus,
in etwas Größerem aufzugehen, als man selbst ist.
Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955)

Wenn einem soviel Argumente begegnen, die nicht zum eigenen Wissenschaftsverständnis passen, dem Fakten heilig sind, beginnt man unwillkürlich nach dem Schlüssel des Wissenschaftsverständnisses derjenigen zu fragen, denen Überzeugungen und Theorien heilig sind und die von der Theorie zur Natur hin argumentieren. Eine solche, in meinen Augen verkehrte Argumentationsweise, begegnet uns aber nicht nur bei Relativisten. Michael Luft hat in einer Mail an mich u.a. folgende Aussagen in Fachbüchern zusammengestellt und kurz kommentiert: »Das und das ist deshalb so ..., weil der zweite Hauptsatz der Wärmelehre das nicht zulässt.« So-so, der zweite Hauptsatz ist also der Übeltäter .... oder auch: »Die Quantenstruktur des Lichts ist eine Folge der Plankschen Gleichungen.« Ach ja(?), die Plankschen Gleichungen sind schuld .... Selbst subtil versteckte Umkehrformulierungen tauchen auf: »Der Energiesatz besagt, dass bei der Umwandlung von Energie keine Energie verloren geht.« Wohlgemerkt, der Energiesatz tut das, weil er das so besagt, wie das da steht. Soweit M. Luft. Nun werden sicher viele Leser geneigt sein, solche Sätze als bloße "Gedankenlosigkeit" abzutun - aber gerade solche "Gedankenlosigkeiten" verraten das wahre Denken ihrer Autoren, um das es hier geht. In dem im BR im Rahmen der Sendung "Space Night" immer wieder gesendeten Film von Klaus Simmering von 1995 "Schneller als das Licht?" (s. I/C4 dertunne.html) sagt Prof. Gert Eilenberger vom Forschungszentrum Jülich zu den Messungen der Überlichtgeschwindigkeit von Signalen beim Tunneln durch Nimtz: "Wenn der Nimtz behauptet, er habe Überlichtgeschwindigkeit in der Signalausbreitung nachgewiesen, dann bestreitet er nicht nicht nur die Richtigkeit der Einsteinschen Grundaussagen, sondern er bestreitet sogar die Richtigkeit der Maxwellschen Gleichungen, auf denen außerordentlich viel beruht..." Aber "der Nimtz" hat überhaupt nichts bestritten, wollte auch nichts bestreiten, sondern die Fakten tun dies! Nimtz hat als Forscher nur sachlich-nüchtern gemessen, dass Mozarts 40. Symphonie mit 4,7-facher Lichtgeschwindigkeit den Ausgang des Tunnels erreichte, wofür Eilenberger Nimtz in Haftung nimmt, nicht zwischen Beobachter und Beobachteten unterscheidend. Zur gleichen Frage, ob das mit der Überlichtgeschwindigkeit geht, sagte der Mathematiker Prof. Detlef Dürr von der Uni München im gleichen Film: "Nein, das geht nicht... Nimtz weiß nicht, was er getan hat... Er hat keine Information mit Überlichtgeschwindigkeit gesendet, ganz sicherlicht nicht, das widerspräche der relativistischen Raumzeit." Also auch hier das Primat der Theorie vor den Fakten, was für Relativisten typisch ist, die darüberhinaus Phänomene für "unerklärt" halten, solange sie nicht im Sinne Einsteins "erklärt" sind, gleich was andere dazu gesagt haben. Wenn, wie demonstriert, die Tatsachen nicht den theoretischen Erwartungen entsprechen, müssen sich entweder die Forscher oder die Tatsachen oder beide irren, oder, um mit dem idealistischen Philosophen Hegel zu sprechen, das ist "umso schlimmer für die Tatsachen" - und für Nimtz, dem man inzwischen so arg zugesetzt hat, dass er jede Ergebenheitsadresse an Einstein unterschreibt, um weiter arbeiten zu dürfen, ohne dass jedoch seine Messungen dadurch aus der Welt geschafft werden, wird an dem Phänomen doch auch längst in anderen Teilen der Erde geforscht, wie der Film ebenfalls zeigte. Und wenn unerwünschte Messergebnisse gar nicht mehr abgestritten werden können, dann werden sie kurzerhand "interpretationsbedürftig" genannt und Leute wie Dürr, wie im Film ebenfalls gezeigt, organisieren dazu eine Tagung. Immer wenn Physiker vom Vorliegen eines "Messproblems" sprechen, passen ihnen in Wahrheit die Fakten nicht - wie das eben schon mit den Messungen von Michelson und Morley so war, deren Nullergebnis Einstein zu einem (durch die Relativität von Raum und Zeit) verhinderten Ergebnis machte (s. auch I/B7 "Einsteins Dilemma", insbesonders den Brief von O. Kraus an Einstein und v.Laue, auf dilemma-d.html).

Welches Denken hatte nun Einstein und welches ist der Schlüssel dazu? Weinberg zitiert Einsteins Biographen Abraham Pais wie folgt: "Einstein ist eine typisch alttestamentarische Gestalt mit der an Jehova gemahnenden Einstellung, daß es ein Gesetz (Gottes) gebe und man es finden müsse." Dass dies möglich ist, erklärt Einsteins Vordenker Spinoza scheinbar ganz plausibel: "Der menschliche Geist kann Gottes Gesetz erkennen, weil er ein Teil des unendlichen Verstandes Gottes ist" (Spinoza, Ethik, 2. Teil, 11. Lehrsatz, Folgesatz). Einstein nun wieder (Mein Weltbild): "In einem gewissen Sinne halte ich es also für wahr, daß dem reinen Denken das Erfassen des Wirklichen möglich sei, wie es die Alten (also die Scholastiker und die Propheten) geträumt haben ..." Diese Suche nach dem (von Gott) der Natur auferlegten Gesetz durch "reines Denken" ist eine konsequente Folge von Einsteins unhinterfragter dualistischer und deterministischer Weltsicht, die viele Physiker, wenn wohl auch eher unbewusst, mit ihm teilen. Sie ist eine alte, bis in den Mythos zurückreichende Tradition des Denkens. Auch Einstein wollte im Denken von "Gottes Gedanken" sein Glück finden, "wäre der Rest dann doch einfach". Aber sind "die Gedanken Gottes", die wir erfahren können - soweit sie nicht "heiligen Büchern" entnommen werden -, nicht immer Projektionen unseres eigenen, nicht mehr hinterfragbar erscheinenden tiefsten Denkens und Sehnens (was natürlich auch für die Autoren der heiligen Bücher zutrifft)? Und war Einsteins inbrünstige Überzeugung, dass Gott nicht würfelt, nicht nur Einsteins eigenste Ur-Angst vor dem Unerwarteten in Gestalt des Zufalls? Warum sollte Gott "würfeln" oder "nicht würfeln" wollen oder sich vor dem Unerwarteten ängstigen? Und belegt dies nicht eine höchst naive Vorstellung von Gott, die so anthropozentrisch ist, dass zwischen Gott und Einstein nicht mehr unterschieden werden kann? Überhaupt sollte man Gott sowieso aus der Wissenschaft herauslassen, muss es in ihr doch um überprüfbare Argumente gehen, will sie Wissenschaft bleiben. Während wir Kinder der Aufklärung meinen, nur durch die vorurteilsfreie unängstliche Auseinandersetzung mit der Natur ihr Verhalten besser verstehen zu können -, wirkt dieses Folgern von "Gesetz" genannten Überzeugungen auf die Natur mit dem Primat des Gesetzes gerade bei vielen Physikern noch immer fort, weil sie das dualistische und deterministische Weltbild noch längst nicht abgelegt haben. Und nun können wir verstehen, warum es Einstein ganz legitim erschien, seine SRT aufzustellen, die versucht, das unerwartete und unerwünschte Ergebnis des Michelson-Morley'schen- Experiments, dass sich die Existenz des Lichtäthers nicht erwiesen hatte, in das Gegenteil zu deuten, indem er sagte, der erwartete Bewegungseffekt sei lediglich durch das (ad hoc erfundene) relativistische Verhalten der Messmittel kompensiert worden. Einstein an Arnold Sommerfeld in seinem Brief vom 14.1.1908: "Wenn uns nicht das Michelson-Morley'sche Experiment in die größte Verlegenheit gebracht hätte, hätte niemand die Relativitätstheorie als eine halbe Erlösung empfunden". Wie aber kann man durch sachliche Forschungsergebnisse "in die größte Verlegenheit gebracht" werden, z.B. eben auch durch die Überlichtgeschwindigkeiten beim Tunneln elektromagnetischer Wellen, - außer man vertritt eine unzutreffende Position? Müsste man sie dann nicht ernstlich korrigieren wollen, anstatt, wie ein ertappter Sünder, nach einer Ausrede (die Messmittel sind schuld) zu suchen, um seine bereits widerlegte Überzeugung vermeintlich doch noch zu retten? In meinen Augen ist ein solcher Rettungsversuch Anti-Wissenschaft, für Einstein aber, als Teilhaber am "unendlichen Verstande Gottes" und "halber Erlöser", und für seine halberlösten Anhänger ist es die höchste Wissenschaft, werden durch die SRT doch ihre für richtig gehaltenen Erwartungen scheinbar bestätigt, so dass man glücklich bei diesen bleiben kann und sich geistig nicht zu bewegen braucht, auch wenn man dafür absurde Vorstellungen in Kauf nehmen muss, die aber nicht weiter stören, hat man doch sowieso keine rechte Vorstellung davon, was die Wissenschaftlichkeit eines Vorgehens ausmacht, wie allein schon der Geniekult belegt, der sich eben auch auf das Primat des Geistes verlässt.

So erweist sich Einsteins theozentrisches Denken als der Schlüssel zu den "kühnen Ideen" (Popper) seiner SRT,
mit der er über die Erfahrung richtet.

Wenn man die SRT konsequent als "Abglanz Gottes" und Einstein - ebenfalls nach seinen eigenen Worten - als Erlöser, wenn auch nur als "halben" ansieht, dann sind natürlich alternative Ansätze und Forschungen schon von vornherein frevelhaft und Schmutzers Forderung: "Aussagen über das Messen an einem Gegenstand erfordern als Basis die Kenntnis der richtigen Theorie des Gegenstandes - mit anderen Worten, Einsteins Standpunkt" ist da nur konsequent. Nimtz hätte also Einsteins Standpunkt annehmen müssen und gar nicht erst messen dürfen. Da braucht es einen auch nicht zu wundern, wenn Relativisten keine Hemmungen haben zu sagen, dass Forscher, Fakten oder Quanten sich irren müssten, wenn sie der relativistischen Raumzeit widersprechen, ohne dass ein Aufschrei durch die wissenschaftliche Welt geht. Für die meisten Physiker zählt die RT zu den "ewigen Wahrheiten", die mit allen Mitteln verteidigt gehören, während jedoch die tatsächliche Wahrheit von sich aus und für sich selber spricht. Man muss nur bereit sein, sie zu hören und anzunehmen. Das aber ist das Problem!

Und ist es nicht eigentlich ein bedauernswertes Zeugnis geistig-seelischer Enge (Angst kommt ja bekanntlich von "Enge"), wenn man sich Fakten zurechtbiegen und hinter Autoritäten verschanzen muss und sich nur in Grenzen wohlfühlt, sei es bei der Lichtgeschwindigkeit, sei es beim Universum, sei es beim Forschen, wo man kritische Fragen und Messungen erst gar nicht zulassen will? Sollten wirkliche Wissenschaftler nicht offen sein für jede Erfahrung, jede vernünftige Alternative, jedes Weltbild, was sich auf Grund von Fakten ergibt? Und kann der Steuerzahler nicht verlangen, dass private Überzeugungen im privaten Raum bleiben sollten? Für die Offenheit des mündigen Bürgers habe ich in meiner Homepage schon des öfteren gestritten. Deshalb möchte ich hier einmal Bertrand Russell (1872-1970) zu Wort kommen lassen, einen niemals feigen Weltgeist, der für seine Überzeugungen auch ins Gefängnis ging, dessen Text, was in seinen Augen das Glück des Forschenden ausmacht, der keine Angst hat, sich in der Offenheit zu verlieren, ich mich voll anschließen kann:

"Ein Mensch, der einmal in seinem Leben, wenn auch noch so vorübergehend und kurz, erfaßt hat, worin Seelengröße besteht, kann kein Glück mehr finden, wenn er kleinlich, selbstisch, von bedeutungslosen Ärgernissen gequält dahinlebt, in steter Angst vor dem, was das Geschick ihm noch zugedacht haben mag. Ein Mensch, der seelischer Größe fähig ist, wird die Fenster seines Geistes weit öffnen, um den Winden aus allen Teilen des Alls freien Zutritt zu gewähren. Er wird sich und Leben und Welt so richtig erkennen, wie unsere menschliche Beschränktheit es zuläßt; wird sich nicht über die kurze Dauer und Winzigkeit des menschlichen Lebens täuschen und dadurch zugleich erkennen, daß im Geiste des Einzelnen sich zusammendrängt, was das erforschte Weltall an Werten für uns umschließt. Und er wird sehen, daß derjenige, in dessen Geiste sich die Welt spiegelt, in einem Sinne so groß wird wie die Welt selbst. Frei von den Ängsten, die den Sklaven der Verhältnisse befallen, wird er echte Freude kennen und durch alle Wechselfälle seines äußeren Lebens hindurch in den Tiefen seines Wesens von Glück erfüllt bleiben."
Bertrand Russel: Eroberung des Glücks. Neue Wege zu einer besseren Lebensgestaltung. S.156. Fundstelle Chardin und Russell: Philosophisches Forum von Peter Vollbrecht, aus seiner Zitatensammlung 'Westliches' und 'östliches' Glück.

Es ist also das Glück, das wir empfinden, dass uns entweder für eine hermetische oder für eine offene Sicht der Dinge geneigt sein lässt. Nun möchte ich niemand sein Glücksgefühl nehmen, hat doch jeder Anspruch auf sein persönliches Glück. Auch um das Rechthaben geht es mir nicht, sondern um die für mich selbstverständliche Ehrlichkeit im Leben wie in der Wissenschaft, ohne die letztere keinen Sinn macht. Darüber hinaus möchte ich für meine offene Auffassung werben, weil man mit ihr weder in die kleinste, geschweige "in die größte Verlegenheit" gebracht werden kann und so gelassen kommenden Forschungsergebnissen entgegensehen darf und selbst aufgefordert ist, die Zukunft vorurteilsfrei mitzugestalten, als immer weiter nur zu versuchen, längst Widerlegtes doch noch "zu beweisen".

Wohin der Geist der Verweigerung führt, habe ich im gleichnamigen Text auf I/B10 (lt8.html) aufgezeigt. Mit den transzendenten Mächten, welche in Einsteins dualistischen Weltbild das Weltgeschehen nicht nur lenken sondern direkt bewirken, setzt sich "Moderne" Wissenschaft und "das alte Europa" auf I/A9 auseinander (kausal.html). Letztlich ist die ganze Problematik die Folge einer mangelnden geistigen Reife, die sich auch im kindlichen Trotz zeigt, der keine Lehren annehmen will. Die von der Problematik Bewegten sind auf einer frühen geistigen Entwicklungsstufe stehengeblieben, auf welcher der Mensch noch nicht gelernt hat, zwischen sich und der Welt, zwischen Mentalem und Materiellen, zwischen Beobachter und Beobachtetem kritisch zu unterscheiden, weshalb es ihm nicht gelingt, seine Vorurteile abzulegen - s. auch I/B2 Ein Fall für den Verhaltenskodex? (fall.html) mit einem neuen, ein Resümee ziehenden Schluss.

Ein anderer tapferer Mann, Dietrich Bonhoeffer (1906-45) schrieb noch in Gestapohaft, wie die wirklich erlösenden Tat aussieht:

Tat
Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit.


© HILLE 1997-2003 für alle Texte dieser Datei
"Der Schlüssel zur Relativitätstheorie" steht seit Ende Febr. 2003 im Netz, zuletzt ergänzt am 13.05.03
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