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35 Thesen zu Weisheit und Wissen *ergänzt **neu
*"Ich denke - also bin ich ein denkendes geistiges Wesen."
**Die Frage von Thomas S. Kuhn "Wie muß die Welt beschaffen sein, damit der Mensch sie erkennen kann?"* kann sich gar nicht stellen, weil wir von der Welt primär nichts wissen.
Der Umgang mit Ideen ist es, der menschliche Geistigkeit ausmacht.
Nichts ist so rein geistig, wie eine Ideologie, z.B. die des Materialismus.
*Jeder Dogmatismus macht die Menschen nur dumm und unehrlich - und die Mächtigen gewalttätig.
Der Mensch ist kein Wahrheitswesen.
Das Hirn weiß zwar nichts, aber es weiß sich zu helfen. Und der Weise weiß eben dieses.
Die Götter im Olymp waren selig, weil sie über die Illusionsfähigkeit des Gehirns Bescheid wussten.
Es gibt keinen Beobachter im Gehirn - außer dem Hirn selbst.
Hirnforscher mögen noch so viele Fakten über das Hirn zusammentragen:
Ich glaube nicht, dass die Hirnforschung jemals wird zeigen können, wie aus Sinnesreizen Ideen werden.
Menschlicher Geist trägt seine selbstgenerierten Ideen, Hypothesen und Kriterien an die Welt heran und probiert, wieweit sie ihm für die Lösung seiner Probleme hilfreich sind. Sich dieses Umstands bewusst zu sein, gehört für mich zur Weisheit.
Man kann sagen, die zweckmäßigsten Hypothesen haben mit ihren Trägern überlebt, aber wir wissen immer noch nicht, an was sie erkannt werden können, außer die unzweckmäßigen am Desaster, wie beim Untergang des Kommunismus.
Weder kann Weisheit ohne Wissen, noch Wissen ohne Weisheit gelingen.
Die Philosophie muss der Widerpart der Wissenschaft bleiben: die Mahnung, den Gegenständen der Erkenntnis sich selbstlos in Respekt und Liebe zu nähern - aus Liebe zur Weisheit eben und nicht aus Liebe am Nutzen der Dinge.
Der Eindruck von "Wahrheit" ist das Gefühl der Übereinstimmung von Gesagtem und Gewußtem.
Es ist unmöglich eine Übereinstimmung zu etwas feststellen zu können, was nicht gewusst wird.
Trägheit des Geistes: Forschern ist ihre Wissenschaft viel zu oft noch der Versuch, sich ihre vorwissenschaftlichen Überzeugung bestätigen zu lassen. Ihr Wissen ist oft viel fortschrittlicher als ihr Denken. Die sich dadurch ergebenden Widersprüche sind die Quelle ihrer "Probleme".
Beispielsweise sollten Physiker statt "Bewegung" richtiger "Ortsveränderung" sagen, womit sofort klar würde, dass es sich bei der "Bewegung" um die Änderung einer Relation und nicht um die Eigenschaft einer Sache handelt, weshalb es auch kein physikalisches Bewegungsproblem gibt, das zu "lösen" wäre. Seine Aufklärung genügt.
* Ich bin überzeugt: Heisenbergs Unschärferelation beschreibt eine durch die Messung (= Störung des Grundzustandes) bedingte Unschärfe DES WISSENS, die eine Unschärfe der Prognose zur Folge hat. Diese zwangsläufig unaufhebbare Grenze DES WISSENS und der Prognose wollen Deterministen bis heute nicht akzeptieren. Die "Probleme" der Quantenmechanik sind nur die Probleme, die Deterministen mit ihr haben.
* Wenn auch Gravitationsfelder aufeinander einwirken, könnte dies jene Folgen haben, die Einstein mit dem Terminus "Raumkrümmung" beschrieben hat, die für jene geringen Abweichungen verantwortlich wäre, welche die Newtonsche Behandlung des Gravitationsphänomens - das Einwirken der Gravitationsfelder auf KÖRPER - noch nicht erfasst (abgesehen davon, dass Newtons Berechnung aus Zentrumspunkten eine höchste Vereinfachung ist und damit zwangsläufig umso ungenauer wird, je näher und größer die Körper sind).
* Für mich sind Raum und Zeit Hilfsmittel, mit denen das Hirn das Chaos der Wahrnehmungen nach den Kriterien des Neben-, Über- und Hintereinanders (= Raum) und des Nacheinanders (= Zeit) ordnet. Das ist es, was wir mit Sicherheit feststellen können. Alles was über eine solche Feststellung hinaus geht, halte ich für eine ebenso entbehrliche wie unüberprüfbare Spekulation. Nur wer in seinem Materialismus die Rolle des Beobachters bestreitet, weil sie die eigene Kompetenz des Geistes beweist, versucht Raum und Zeit den Dingen zuzuordnen.
Das kann ich nicht in Abrede stellen, weil jede Rede das beweist.
So ist meine Geistigkeit meine einzige unbedingte Gewißheit, die Annahme einer von mir unabhängigen Außenwelt dagegen eine These, die mir die Vernunft nahelegt.
Umso dringlicher stellt sich die Frage nach der Natur des menschlichen Erkenntnisapparates.
*in "Struktur wissenschaftlicher Revolutionen", letzte Seite
Das Vorhandensein von Ideen beweist aber noch nichts über die Existenz ihres Inhalts - außer die Existenz der Geistigkeit selbst.
Die echte Philosophie versucht, das Ganze der Wirklichkeit zu bedenken.
Die Ideologie versucht in "Denkökonomie" dogmatisch einen Teilaspekt für das Ganze zu halten.
Aufklärung heißt, der Dummheit schaden zu wollen.
Doch kommt sie nie ans Ende, denn Dummheit wächst immer wieder nach.
Bestenfalls ist der Mensch ein Vernunftwesen.
Mehr als vernünftige Wahrheiten von ihm fordern, wäre daher unvernünftig.
Und um die muss er ständig ringen - auch in der Wissenschaft.
So der Wissensillusion ledig, fängt er an zu verstehen.
Sie genossen seine Göttliche Komödie, während wir Menschen ganz versessen darauf sind, sie zu spielen.
da das Hirn ein interpretierendes Organ ist, können sie letztlich auch nur interpretieren.
Darum bleiben philosophische Fragestellungen unverzichtbar.
Trotzdem bin ich überzeugt, dass sie weder Abbilder "ewiger Ideen" (Platon) noch Abbilder der Wirklichkeit (Materialismus/Physikalismus) sind, im Laufe des Lebens in das Hirn hineindiffundiert.
Es macht sie sich selbst, einfach weil der Umgang mit Ideen ökonomischer ist als mit unzähligen Sinneseindrücken.
Darum kommt es darauf an, beide zusammenzuführen, ohne dass sie sich gegenseitig vereinnahmen.
So erledigen sich alle Wahrheitstheorien, die versuchen, eine Wahrheitsinstanz außerhalb des menschlichen Wissens, also dem Inhalt seines Geistes zu finden, in der Hoffnung, keine Verantwortung für die eigenen Überzeugungen tragen zu müssen.
Es muss uns vor allem darum gehen, zu einem intelligenteren Umgang mit unserer kognitiven Situation zu kommen. Darum ist es so wichtig, diese zu kennen.
Aufklärung heißt für mich die Aufklärung der Beobachterrolle.
Aber auch die Rolle des Interpreten gilt es aufzuklären.
Hermeneutik, die Deutekunst: Alle Deutung spiegelt zuerst einmal das Vorwissen und das geistige Niveau des Deutenden, aber auch seine Interessenlage und den Zeitgeist. Das sind zwar immer wieder andere, aber nicht aufzuhebende Grenzen aller Hermeneutik, die sie zu einer immerwährenden Aufgabe machen.
Eine der Aufgaben der Philosophie ist es, geistige Horizonte zu erweitern und die möglichst umfassendsten Ansätze zu finden. Der umfassendste Ansatz ist erreicht, wenn die Probleme verschwinden.
Bei einem Universum ohne Grenzen in Zeit und Raum ist der sog. Urknall nur das Durchgangsstadium einer großen Materiemenge, wodurch sich alle sowieso unlösbaren Fragen nach ihrer Entstehung erledigen.
Man kann sich nicht auf die Weisheit der Mathematik oder die Ergebnisse der Wissenschaft berufen und dann alles mit Null erklären wollen, denn auch die Erhaltungssätze der Physik lassen nicht zu, dass irgend etwas entsteht, was nicht zuvor schon in irgendeiner Weise existiert hat.
Eine andere Aufgaben der Philosophie ist es, die benutzten Urteilskriterien zu prüfen und unreflektierte Kriterien durch wohlabgewogene Prämissen zu ersetzen, auf die man bauen kann.
Parmenides, der vor 2500 Jahren als Erster dem Denken den Weg wies, nannte solch abgeklärte Prämissen "der wohlgerundeten Wahrheit nie erzitterndes Herz". Sie sind es, die Urteile zu Ur-Teilen eines vernünftigen Weltbildes machen.
So ist Leben nicht ein Prozess der Anpassung sondern der Überwältigung. (Die Angepasstheit ist dann das Ergebnis des Prozesses im Urteil eines Beobachters.)
Das ewig falsche Argumentieren der Biologen mit der Prämisse "Anpassung" läßt uns die wahre Situation der Menschheit übersehen. Sie ist durch Zahl und Technik im Überwältigen ihrer Mitwelt inzwischen so erfolgreich geworden, dass sie nicht umhin kann, die fehlende Anpassung selbst herzustellen, will sie dies nicht Katastrophen überlassen. Daher ergibt sich ihr Sollen aus ihrem Sein.
Ich bin überzeugt, daß wir auf Dauer unser Menschsein und unsere Zukunft nur meistern können, wenn wir erwachsen werden und die Welt so annehmen, wie sie tatsächlich ist, und dass alle die benebelnden Schönredereien und die wohlfeilen Tröstungen weder des Menschen würdig, noch für das Überleben der Menschheit hilfreich sind. Suchen wir immer nur krampfhaft nach Rechtfertigung offenkundig gewordener Irrtümer, anstatt sie abzulegen, dann sind wir nicht zukunftsfähig.
* Ich denke, wir nehmen als Menschen entweder die Verantwortung für unser Denken und Tun wahr und kommen zu einer aufgeklärten Selbststeuerung, oder die menschliche Gattung wird auf Dauer am unkontrollierten Egoismus scheitern.
Philosophischer Humanismus heißt für mich, die geistigen und sittlichen Kräfte des Menschen durch Aufklärung des unzeitgemäßen tierischen und steinzeitlichen Erbes zu fördern.
Diese und weitere mir wichtige Thesen und ihre Begründung finden Sie auf den nachfolgenden Seiten.
Freunde der Kurzform finden Links auf der Seite "Gliederung" (s. Menue/Allgemeines der deutschen Texte).
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Es geht hier nicht ums Besserwissen - sondern um ein besseres Verständnis des Wissens. |