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"Einsteins Problem" war die Frage, warum man in einem bewegten System dessen Bewegung nicht messen kann. Als Objektivist war er natürlich von der Objektivität und Realität der Bewegung physikalischer Körper überzeugt (Einsteins Name steht hier für alle überzeugten Objektivisten.) Also: Wenn dem Objektivisten ein physikalischer Körper "bewegt" erscheint, dann wäre die Bewegung eine dem Körper zugehörige, d. h. "objektive" Eigenschaft - obgleich er ja über keinerlei Bewegungsorgane verfügt, die dieser Rede einen Sinn geben würde. Und "objektiv" ist für einen Naturwissenschaftler, was gemessen werden kann. Daß die Unmöglichkeit, an Bord eines Systems dessen "Bewegung" gegenüber einem anderen System durch physikalische Experimente, z. B. durch Fallversuche oder durch Licht (Interferometer) direkt zu messen, die angenommene Objektivität und Realität "seiner" Bewegung eigentlich sofort, objektiv und endgültig widerlegt, will der Objektivist nicht akzeptieren, weshalb er versucht, seinen Irrtum durch nicht bei ihm liegende Umstände zu entschuldigen, z. B. mit der Unzuverlässigkeit der Meßmittel infolge der Relativität von Raum und Zeit.
Am 14.1.1908 schrieb Albert Einstein an Arnold Sommerfeld u. a.: "Wenn uns nicht das Michelson-Morley'sche Experiment in die größte Verlegenheit gebracht hätte, hätte niemand die Relativitätstheorie als eine (halbe) Erlösung empfunden." Doch wie ist es möglich, mit einer richtigen Annahme durch Fakten in Verlegenheit gebracht zu werden? Und wie kann ein Irrtum kaschiert werden, als durch einen noch größeren Irrtum??? Es ging also gar nicht um ein physikalisches sondern um ein mentales Problem. Es entsteht dadurch, daß der Eindruck von Bewegung dem Beobachter von seinem kognitiven Apparat ungefragt vorgegeben wird, indem der Apparat von sich aus Körper, ob lebendig oder tot, in Beziehung setzt, wobei er ihnen die Eigenschaften "Ruhe" und "Bewegung" gemäß seiner am Lebendigen geübten Sehgewohnheit zuteilt. Diese, der Orientierung dienende laufende Vorgabe ist der Ursprung des angeblichen Wissens über die Bewegung der Dinge. Aber hatte uns nicht schon Newton mit seinem 1. Axiom klar zu machen versucht, daß es für das objektive Verhalten eines Körpers nur darauf ankommt, ob auf ihn eine Kraft einwirkt oder nicht, nicht jedoch, ob ein Körper von jemand "im Zustand der Ruhe oder der gleichförmig-geradlinigen Bewegung" gesehen wird? Dies sind eben nur Zustände, die ein Beobachter sieht, wobei er physikalische Körper zu unrecht wie lebendige behandelt, weil er als geborener Beutegreifer spontan in Kategorien des Lebendigen denkt (und für das Lebendige ist in der Regel die Bewegung ein realer Zustand, weil die Ortsveränderung an den Einsatz von Muskelkraft gebunden ist).
Wenn Einstein im Laufe der Bemühungen, sein mentales Problem durch eine Als-ob-Erklärung zu lösen, am Schluß - entgegen seiner ursprünglichen Prämisse von der großen Relevanz der Bewegung - durch seinen relativistischen Zauber in Form der sog. Lorentztransformationen doch noch zu der ihr widersprechenden aber richtigen Einsicht kommt: "Die Naturgesetze sind nach dem Relativitätsprinzip von der Translationsbewegung des Bezugssystems unabhängig", dann stellt er nur fest, was Newtons Axiome schon immer besagten: daß es in der Mechanik nicht auf die Bewegung sondern nur auf ihre Änderung (die Beschleunigung) ankommt. Beim Verzicht auf die falsche Prämisse gibt es überhaupt kein Problem! Das Fatale ist nur, daß das aus dem Hut gezauberte richtige Ergebnis jetzt als Beweis für die Richtigkeit der falschen Prämisse gilt, weshalb die Physik in eine Sackgasse geraten ist. Die angeblich so "moderne Physik" in Gestalt der Relativitätstheorie stellt sich so als der gigantische Versuch dar, ein archaisches Denken, für das es keine unbelebten (und daher selbstbewegten) Dinge gibt, zu seinem Recht zu verhelfen.
Erkenntnisprobleme
wollen nicht gelöst sondern vermieden werden.
Wer Probleme "löst", hat
1. das Problem,
2. seine Lösung und
3. deren Probleme.
Er hat also seine Probleme multipliziert.
Wer die Genese von Problemen erkennt und sie dadurch vermeidet, hat nichts von allen. Lassen wir uns daher keine Probleme einreden, wo keine sind, denn sonst werden wir uns in einem Wald von Hypothesen verirren!
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Das leider inzwischen verstorbene Mitglied unserer Diskussionsrunde, unser Freund Karlheinz Wiebicke, beschrieb das Problem präzise so: "Du siehst einen dahinrollenden oder dahinfliegenden Körper x zum Zeitpunkt t0 am Ort A, dann siehst du ihn zum Zeitpunkt t1 am Ort B. Dann erklärst du die Strecke AB zur Meßstrecke und teilst sie durch die Dauer t1 - t0 und sagst, der Körper x hat sich mit der und der Geschwindigkeit "bewegt" und er hat (wenn du seine Masse kennst) die und die kinetische Energie. Doch du kannst x drehen und wenden, wie du willst, du wirst an ihm selbst nichts finden, was man seinen Ort, seine Bewegung, seine Geschwindigkeit oder seine kinetische Energie nennen könnte." Wie man aus der Genese der genannten Eigenschaften ersieht, ergeben sie sich dadurch, daß der Körper x durch einen Beobachter in Beziehung zu einer von ihm definierten Meßstrecke gesetzt wurde. Wir haben es also hier nicht mit objektiven, d.h. am Körper selbst feststellbaren Eigenschaften zu tun, sondern mit Eigenschaften, mit denen ein Beobachter seine Beobachtung in einer für ihn verständlichen Weise beschreibt. Erst bei einer Wechselwirkung tritt die mit einer Relativgeschwindigkeit zu einem Aufprallpunkt verbundene kinetische Energie in Erscheinung, die der Beobachter zuvor als Potenz an ihm gesehen hat. Aus vielen möglichen Energiezuständen wird dann der eine wirkliche. Die Wirklichkeit ist immer nur eine. Wer jedoch den Beobachter übersieht und das Virtuelle seiner Welt nicht begreift, bekommt einen Erklärungsnotstand, wenn die zuvor von ihm gesehenen Eigenschaften sich real nicht erweisen.
Und weiter in Bezug auf Einsteins Postulat: Was nur im vergleichenden Denken des Beobachters aufscheint ist nicht wirklich und kann daher auch nichts bewirken. Nicht gedankliche Konstrukte sondern nur Sachen können Ursache sein! Das müßte als Kredo aller Naturwissenschaft gelten! Es ist also völlig auszuschließen, daß der Körper x, der in Wahrheit lediglich in seinem (rollenden oder fliegenden) Zustand verharrt, - infolge einer nur für den Beobachter existierenden Größe "Geschwindigkeit" - einer Längenkontraktion oder Massenzunahme unterliegt. Bereits durch Gedanken, auf magische Weise, etwas physikalisch bewirken zu können ist zwar ein alter Wunschtraum der Menschen: Sollte ausgerechnet die sich "modern" nennende Physik ihn als richtig erweisen oder handelt es sich bei ihr um eine Modeerscheinung, vornehm "Paradigma" genannt? Der sich so "modern" vorkommenden Physik fehlt es "nur" an der zur Wissenschaftlichkeit erforderlichen Unterscheidung von Möglichkeit und Wirklichkeit und damit von Denken und Sein - eine Differenz für die der Beobachter verantwortlich ist. Nur wer die Rolle des Beobachters übersieht, braucht eine die Fakten relativierende Relativitätstheorie, die ihm das Ausbleiben fälschlich erwarteter Wirklichkeitsbeweise pseudophysikalisch mit angeblich sich an die Geschwindigkeit anpassenden Meßmitteln "erklärt" und so seine irrige Erwartung scheinbar bestätigt, worauf er meint, sich entspannt zurücklehnen zu können.
Statt die Verwechslung von Möglichkeit und Wirklichkeit aufzuklären und das Denken wieder auf die Spur der Wirklichkeit zu setzen, wird der Irrtum durch Scheinerklärungen und immer wieder nachgeschobene "Beweise" so verfestigt und vervielfältigt, daß überhaupt nicht absehbar ist, wie er jemals korrigiert werden kann. Zudem wird der weltweit erreichte Konsens in Sachen Relativitätstheorie auch für "Intersubjektivität" und damit die Gemeinsamkeit des Irrtum als Beweis seiner Wahrheit angesehen. Es würde mich nicht wundern, wenn eines Tages festgestellt würde, daß das Kriterium der Intersubjektivität eigens zur Stützung der Relativitätstheorie erfunden wurde.
Das ganze Problem einschließlich Einsteins "Lösung" ist ein Beispiel dafür, daß es überhaupt keine uninterpretierten "Tatsachen" gibt. Der gesamte kognitive Apparat ist eine einzige, an der von Erwartungen getragenen Plausibilität ausgerichtete Interpretationsmaschine, die einwirkende Energien auf dem Weg des geringsten mentalen Widerstands (Mach nannte dies "Denkökonomie") durch Zuteilung von bewährten Bedeutungen in schlüssig scheinende Informationen verwandelt, um mit ihm möglichst überlebensdienlich umgehen zu können. Auf diesem unkritischen Weg ist auch Einstein zu seiner "Erklärung" gekommen. Und durch den genau gleichen Denkmechanismus leuchtet sie auch heute noch seinen ebenso unkritischen Bewunderern ein. Natürlich sperren sich diese gegen die Aufklärung des nüchternen Sachverhalts, um sich die bequeme Illusion ihrer Objektivität zu erhalten, die eine dogmatische Subjektivität ist. Weil es objektiv keine sich bewegenden toten Körper gibt, kann es auch in der Mechanik kein Problem "bewegter Körper" oder "beliebig bewegter Bezugssysteme" geben. "Lösungen" eines nicht vorhandenen Problemes sind daher so überflüssig wie notwendig irrig.
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Im gerade erschienen Programm der Volkshochschule (vhs) Heilbronn für das Sommersemester 2001 wird der Kurs 10751 Entscheiden durch Intuition durch ein Zitat wie folgt eingeführt: "Der Intellekt hat auf dem Weg der Entdeckung wenig zu tun. Es tritt ein Bewußtseinssprung ein, nennen Sie es Intuition oder wie immer Sie wollen, und die Lösung fällt Ihnen zu, und Sie wissen nicht, wie und warum." (Albert Einstein)
Ich kann dies gut verstehen, denn auch ich ergrübele mir meine Einsichten nicht. Aber fast immer stehen meine Intuitionen in Zusammenhang mit einer vorausgegangenen Beschäftigung mit einem Problem, kommen also nicht von ungefähr. Oder die Wahrnehmung, daß es ein Problem gibt oder daß eine Meinung falsch ist, ist selbst eine Intuition, die aus der Fülle des impliziten Wissen meines Unbewußten kommt, hat also nichts Geheimnisvolles, wenn man sie nicht als Einflüsterung eines fremden Wesens versteht. So ist es ist immer gut, über eine Idee oder eine Frage erst einmal zu schlafen, damit sie das Unbewußte unbedrängt prüfen kann. Eine durch einen Bewußtseinssprung gefundene Lösung nehme ich jedoch nicht gleich als letztes Wort und Entscheidung hin, sondern prüfe sie selbstkritisch im Kontext meines gewußten Wissens. Damit ist sie zweifach geprüft. Erst wenn ich den Eindruck habe, daß ein Argument gut und rational nachvollziehbar ist, gebe ich es weiter. Nun kann jeder probieren, meiner Idee zu folgen, um ihren Wert oder ggf. Unwert zu erkennen. Wer sich jedoch bei wissenschaftlich sein sollenden Aussagen einfach auf seine Intuition verlassen würde, von der er nicht weiß, "wie und warum" sie ihm zugefallen ist, dem fehlt es an der notwendigen Reife.
Hier ist der vhs-Prospekt zu loben, in dem es nach dem Zitat erläuternd heißt: "Intuition ist eine wertvolle Hilfe (!) zur Entscheidung bei alltäglichen und beruflichen Fragen. Durch die Einbeziehung der Intuition ist die ganze Persönlichkeit am Entscheidungsprozeß beteiligt. ... Sie (die Intuition) ist nicht unbedingt logisch und linear. Somit ist sie eine interessante Ergänzung (!) zu unserem Verstandesbewußtsein und bringt uns mit neuen, kreativen Lösungen in Kontakt."
Auch Einstein wird sich nicht einfach auf seine Intuitionen verlassen haben. Sie mußten schon irgendwie zu seinen vom Zeitgeist getragenen Grundüberzeugungen von Gott, Realität und Determination passen, die jedoch sehr wahrscheinlich gleichzeitig seine Intuitionen lenkten. Ob er skeptische Einwände seines Unbewußten unter den Tisch fallen ließ, wissen wir nicht. Erst im Alter erfahren wir von ihm, daß er starke Zweifel hatte, ob er überhaupt auf dem rechten Wege war (s. Zitat am Ende Langtextes), worin ihn seine enthusiastischen Anhänger aber bis heute nicht folgen wollen.
Den richtigen Umgang mit der Intuition hat m.E. schon Parmenides (540-480) beschrieben. In seinem Lehrgedicht, dem ich in meiner Interpretation den Titel Vom Schein zum Sein gab (meine Texte II/5a und 5b), zeigt er in der mythologisch verschlüsselten Einleitung, auf welchem selbstkritischen Weg er zur Unterscheidung von Sein und Schein gekommen ist. Im meinem Klartext dazu beginnt das Gedicht wie folgt, wobei ich jedoch zuerst die Göttinnennamen Themis (Göttin der Rechtsordnung, d.h. des positiven Rechts) und Dike (Göttin des Rechts, d.h. der Rechtsprinzipien) belassen habe, die für ein gerechtes Urteilen nach anerkannten Prinzipien/Prämissen stehen, bei deren Anwendung man immer weiß, warum man so urteilt wie man urteilt:
Soweit mein Sinn begehrte, trugen mich die Intuitionen.
Nachdem Themis und Dike mich auf dem kundereichen Weg gebracht hatten,
der da allein überallhin führt den [nun um den Weg] wissenden Mann,
eilte ich auf ihm dahin;
auf ihm bewegten mich die vieles deutenden Intuitionen,
und das rechte Bedenken wies mir den Weg.
Den Schein verlassend,
vom Haupte zurückgeschlagen die Schleier1,
lenkte es zum Lichte die Fahrt, ...
1die Schleier: das Nichtwissen um die Prämissen von Urteilen, wodurch der Urteilende ihnen ausgeliefert ist und von Meinungen (gr. doxa) beherrscht wird
In meiner Untersuchung des kognitiven Problems (Text II/4 und III/3) ist der Vorgang des Erkennens wie folgt beschrieben: Erkenntnis ist ein durch Sprache in das Bewußtsein gehobenes und ausformuliertes Verständnis. Und es ist eben Aufgabe des Intellekts, ein durch Intuition bewußt gewordene Verständnis einer Sache oder eines Zusammenhangs kritisch zu bedenken und es ggf. zu modifizieren oder zu verwerfen. Auf diese Weise entwickelt sich das Verständnis. Unterläßt der Intellekt diese Prüfung, ist dies ein Versäumnis.
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