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Als junger Mann las ich nicht nur Texte großer Philosophen, sondern hielt ich es auch für möglich, daß die Evolution eines Tages vielleicht Lebensformen mehr geistiger Art hervorbringen könnte. Andererseits gibt es ja schon lange den Glauben, daß Verstorbene als reine Geistwesen weiterexistieren, ja daß materielle Erscheinungen bloße Manifestationen "ätherischer" Wesen oder eines Weltgeistes sind. So "wagt" selbst Hoimar v. Ditfurth, der große Erklärer der Evolution, in seinem Buch Der Geist fiel nicht vom Himmel. Die Evolution unseres Bewußtseins ganz am Schluß "noch eine letzte Vermutung", die wieder alles das desavouiert, was er vorher auf über 300 Seiten aus seinem reichen Wissen entwickelt hat, was sich für mich aber schon in der Einleitung angekündigt hatte: "Geist gibt es in der Welt nicht deshalb, weil wir ein Gehirn haben. Die Evolution hat vielmehr unser Gehirn und unser Bewußtsein allein deshalb hervorbringen können, weil ihr die reale Existenz dessen, was wir mit dem Wort Geist meinen, die Möglichkeit gegeben hat, in unseren Kopf ein Organ entstehen zu lassen, das über die Fähigkeit verfügt, die materielle mit dieser geistigen Dimension zu verknüpfen." (s. Text III/4) Entgegen seinem da nun unredlich erscheinenden Buchtitel ist Hoimar v. Dithfurth letztlich doch davon überzeugt, daß der Geist vom Himmel fiel und sich der Evolution nur bediente. Eine solche Spekulation meinte ich nicht, die zeigt, daß v. Dithfurth das Wesen der Evolution als einen selbstschöpferischen Prozeß eigentlich gar nicht verstanden hatte. Ich dachte an eine Fortentwicklung des Lebens zu einer mehr geistigen Ebene und keine bloße Auswicklung von etwas immer schon Vorhandenen. So wie mir gelehrt wurde, daß das Leben vor Milliarden von Jahren mit ganz einfachen Formen, die es ja zum Teil heute noch gibt, rein biologisch begann und ich erlebte, daß mein Geist durch Reifung und Schulung wächst, so wollte ich nur nicht ausgeschlossen wissen, daß der heutige Mensch in seiner Unzulänglichkeit nicht das letzte Wort einer immerwährenden Schöpfung ist. Schon in meiner Jugend wollte ich also die Perspektive offen halten.

Als Mensch lebt man in mehreren Wirklichkeiten: einer physikalischen, chemischen, biologischen, geistigen und sozialen. Das heißt aber auch, wenn es diese Wirklichkeiten mit ihren je eigenen Regeln gibt, dann muß ihnen etwas zugrunde liegen, daß einerseits alle diese Möglichkeiten erlaubt, andererseits selbst keine dieser Wirklichkeiten ist bzw. sich in ihnen erschöpft. So beliebte reduktionistische Aussagen wie "alles ist Materie", "alles ist Leben" oder "alles ist Geist" halte ich daher für falsch, sowohl logisch als auch der Lebenserfahrung nach. Ich sehe sie als Hilflosigkeiten an, mit denen die Einheit allen Seins ausgedrückt werden soll. Aber diese Einheit kann eben nichts von allem sein, was man kennt, d.h. sie ist transzendent. Ich sehe nur die Möglichkeit, mein Bewußtsein hier und heute so zu erweitern, mein Ego so zu entgrenzen, daß ich mich als Teil jener schöpferischen Kraft erkenne und fühle, die immer existiert und die unerkannt in allen Dingen wirkt und die selbst alle diese Dinge ist und zugleich nicht ist. Transzendentes läßt sich nur in scheinbaren Paradoxien und Gleichnissen beschreiben, weil es eben alle unsere Begriffe übersteigt. Aber daß alles EIN Sein ist und ich, als Mensch, das Bewußtsein des Seins bin, das kann ich schon erkennen. Und dieser Idee nachzugehen, ihre Konsequenzen aufzuspüren und nicht umzukehren gibt meinem Restleben Sinn. Und daher denke ich, werde ich mit meinem Tode nicht aus dem Sein herausfallen, sondern nur zu allen Sternen zurückkehren die zu mir gehören, in eine Wirklichkeit, die größer ist als alles, was ich kenne - zurücklassend all die Liebe, die ich erfahren und geben durfte, als ein Gleichnis der Liebe, die da ewig ist. Und mein kleines Ich wird in dem unendlich Großen aufgehen, wie es Brahmanen und Buddhisten ja schon lange lehren. Das Nirwana ist jedoch nicht das reine Nichts sondern nur nichts von allen, was wir kennen und auszudrücken vermögen. Das wird dann die Erlösung von meiner Sünde der Absonderung sein, die mit meiner Zeugung, der Erbsünde, begann. Goethe beschrieb dies in seinem West-Östlichen Divan im Buch des Paradieses, auf dem Weg durch dieses so:
HÖHERES UND HÖCHSTES Daß wir solche Dinge lehren |
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Man kann dies aber auch so sehen, wie es Dietrich Bonhoffer ausgedrückt hat:
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
Von guten Mächten wunderbar geborgen |
Der Frage, die sich in diesem Zusammenhang auch stellt, welchem Ergebnis meiner Überlegungen zu Wissenschaft und Philosophie ich ein Weiterwirken über meine Zeit hinaus am meisten wünsche, bin ich am Anfang dieser Philosophieseiten im Vorwort "Zeit und Sein als Themen" nachgegangen (Block am Ende). Zum Teil sehr persönliche Erlebnisse von Tod und Leben habe ich in dem Bericht über "Eine Begegnung der dritten Art" festgehalten.
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