1"Die relative Zeit, die unmittelbar sinnlich wahrnehmbare und landläufig so genannte, ist ein beliebiges sinnlich wahrnehmbares und äußerliches Maß der Dauer, aus der Bewegung gewonnen ..." (I. Newton, Principia, Scholium der Definitionen, Pkt. I.). Entscheidend ist, daß Newton die Zeit nicht als eine Sache behandelt hat, wie das heute üblich ist, sondern als ein Maß, also etwas vom Geist Gesetztes. Mit der "absoluten, wirklichen und mathematischen Zeit", die "ohne Beziehung zu irgendetwas außerhalb ihrer Liegenden fließt", die er die "Dauer" nennt, ist ein gleichbleibendes Zeitmaß gemeint, das als von Einflüssen und Zufällen materieller Randbedingungen eines Uhrenganges frei gedacht wird. Damit beschreibt er das mathematische Ideal einer stetigen Zeit als Maß, das uns - mittels eines ihr möglichst gut entsprechenden Maßstabs "Uhr" - Abweichungen von einem konstanten Verhalten und damit von der Existenz einer dies bewirkenden Kraft erkennen läßt. Nur mit Maßstäben, deren Konstanz wir sicher sein können, sind wir in der Lage, z.B. etwas über die Konstanz oder Nichtkonstanz einer Geschwindigkeit und damit um das Vorhandensein von Kräften zu wissen! Kann es eigentlich eine größere Selbstverständlichkeit geben? Wer Selbstverständliches nicht versteht, dem mangelt es an Verstand.
digitale Uhr: UTC = koordinierte Weltzeit s. auch Langtext I/A5 "Messen als Erkenntnisakt/4. Das Maß der Dauer" (lt5.html)
Fazit (aus dem Langtext übernommen)
Man hat also im Gedankenexperiment fallendes Licht betrachtet und im tatsächlichen Experiment, mit der Scout D, den Gang zweier baugleicher Atomuhren verglichen, von denen eine im freien Fall war, und hat am Boden eine Blauverschiebung der Frequenz der stürzenden Uhr festgestellt. Und dann, nachdem man lediglich eine einzelne Atomuhr in den freien Fall gebracht hatte, versteigt sich Will zu der Behauptung, daß die "Gravitations-Rotverschiebung ein wirklich universales Phänomen ist," (Seite 47) das "die Ganggeschwindigkeit aller Uhren beeinflußt, gleich ob mechanisch, biologisch oder atomar." (Seite 47/48) Da es uns hier nicht ums Rechthaben sondern allein um Richtigkeit geht, gilt es zu untersuchen, wie wissenschaftlich und logisch richtig diese Kern- und All-Aussage ist und ob es sich bei ihr um mehr als ein freies Phantasieren handelt.
Die "Gravitations-Rotverschiebung" beeinflußt nicht die Ganggeschwindigkeit von Uhren, sondern die Rotverschiebung eines Signals ist entweder die Folge einer von der Gravitation beeinflußten Frequenz oder/und Zeichen einer von ihr ausgelösten Beschleunigung (Dopplereffekt). Hier werden Ursache und Wirkung vertauscht.
Als Dopplereffekt beweist die Rotverschiebung nur eine Relativbewegung zwischen Quelle und Empfänger eines Signals, jedoch nicht den geänderten Gang einer Uhr. Hier wird eine Wirkung unterstellt, die nicht existiert.
Selbst die eben genannten Todsünden wider den Geist der Wissenschaft werden noch in den Schatten gestellt von der ganzen Art der Argumentation, die so "wissenschaftlich" ist, wie wenn ich ein einzelnes blaues Blatt finde und ohne auch nur den Anschein eines weiteren Beweises zu haben und ohne Prüfung von Alternativen behaupte: "In der ganzen Welt sind alle Blätter, Steine und Wolken (nicht etwa wenigstens blau sondern auch noch) rot." Wer von Ideologie geschlagen ist, ist auch bereit zu glauben, daß zwei mal zwei Freitag ist, wenn dies nur seine Ideologie zu stützen scheint.
Nachdem er (Will) erst ganz richtig eine Beziehung zwischen der Lichtfrequenz bzw. der atomaren Schwingung und dem Sturz einer Lichtquelle bzw. einer Atomuhr festgestellt hat, will der Autor diese physikalische Beziehung, weil er sie entweder nicht verstanden hat oder aus ideologischen Gründen nicht verstehen will, nicht als die Folge der Relativbewegung einer sich nähernden Quelle verstehen bzw. als direkte Wirkung des Gravitationsfeldes auf die Uhr, sondern als die Wirkung einer durch das Universum schwappenden allgemeinen realen Raumzeit, die durch die Gravitation wie ein Strudelteig gekrümmt, gedehnt oder geschrumpft wird. Diese angeblich universale isochrone Wirkung einer Raumzeit auf alles Tote und Lebendige stimmt aber nichteinmal für mechanische Uhren, denn wie uns das Pendelgesetz besagt und wie wir aus Newtons Principia wissen könnten, gehen Pendeluhren langsamer, wenn sie sich vom Zentrum des Schwerefelds entfernen, z. B. am Äquator oder auf Bergen, während Atomuhren, wie von Will berichtet wird, auf Türme, Flugzeuge oder Raketen verfrachtet, schneller gehen. Die Gangabweichung hat zwar beidemal mit dem Gravitationsfeld zu tun: bei der Pendeluhr treibt das Feld das Pendel an, weshalb der Zeittakt sich verlangsamt, wenn die beschleunigende Kraft abnimmt; bei der Atomuhr dagegen wird der Zeittakt von einem pulsierenden Cäsiumatom gegeben, das, in Wechselwirkung mit magnetischen Hochfrequenzfeldern, als atomares Pendel, wie jedes Pendel, zwischen zwei genau definierten Energiezuständen schwingt, wobei der maßgebliche Puls durch starke Änderungen der Randbedingungen des Uhrenganges, z. B. eben durch die Abnahme der Gravitation in der Höhe, möglicherweise weniger gebremst wird, weshalb sich der Zeittakt ganz geringfügig erhöht.
Biologische Daseinsformen werden zwar auch von der Gravitation beeinflußt und die ungewohnte Schwerelosigkeit im Orbit kann von Astro- und Kosmonauten nur eine begrenzte Dauer ohne gesundheitliches Risiko ertragen werden. Sie wirkt lebensverkürzend und nicht -verlängernd, weil irdisches Leben nicht für die Schwerelosigkeit konzipiert ist. Doch das Wachsen eines Lebewesens und sein Altern ist in seinem Genom programmiert - ein Wissen, das zu ignorieren wir auch Physikern nicht mehr erlauben sollten (ebensowenig den willkürlichen Gebrauch oder Nichtgebrauch der Gesetze Christian Dopplers), und hat nichts mit einer Gravitations-Rot- oder Blauverschiebung und schon rein gar nichts mit einer Bewegung durch den Raum zu tun, die als kräftefreier Zustand eben nichts bewirken kann, wie gerade die Michelson-Morley-Experimente bewiesen hatten!!!
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Wenn man die physikalische Entität der SRT sucht, so wird man feststellen, daß sie gar keinen physikalischen Gegenstand hat, sondern daß Einstein "eine neue Auffassung von Raum und Zeit" entwickelt hatte (Steven Weinberg), die in der "gekrümmten Raumzeit" - in der eng mit der allgemeinen Relativitätstheorie verbundenen Gravitationstheorie Einsteins - ihre abschließende Formulierung fand. Nun könnte man die "gekrümmte Raumzeit" eine Als-ob-Beschreibung des Gravitationsfeldes nennen, ohne in irgendwelche Schwierigkeiten zu kommen. Doch es ist auffallend, welch großen Wert Einstein und seine Anhänger auf die Terminologie und die Existenz dieser vierdimensionalen Phantasmagorie legen. Das von mir besprochene Buch von Clifford M. Will "... und Einstein hatte doch recht" zeigt das krampfhafte Bemühen interessierter Kreise, durch willkürliche Interpretation einzelner Fakten und unzulässsige Verallgemeinerungen von Fehlinterpretationen, dem unkritischen Leser zu suggieren, daß es so etwas wie eine durch das Universum schwappende allgemeine, Uhren jeder Art regulierende reale Raumzeit gibt, obwohl keine von Menschenhand geschaffene technische Uhr existiert*, die zu ihrem Antrieb nicht eine wohlbekannte Energie braucht und zu ihrer Regulierung nicht einen wohlbekannten Mechanismus besitzt, z.B. ein Pendel, eine Unruhe, ein Quarzkristall oder ein schwingendes Atom, während das Altern von Lebewesen Teil ihres Wachstumsprozesses ist, der von ihren Genen gesteuert wird. Wer eingesehen hat, daß es der einzige Zweck einer Uhr ist, Zeitpunkte möglichst normgemäß anzuzeigen, damit Uhrenbenutzer sie ablesen können, z.B. um mit ihrer Hilfe die Dauer eines Vorgangs als die Differenz zweier Zeitpunkte zu ermitteln**, läßt sich nicht mehr von Lehren beeindrucken, die uns mit unverständlichen Gleichungen das Funktionieren des Universums unter den Bedingungen der "Raumzeit" "erklären" wollen, deren Lehrer aber nichteinmal den Zweck einer Uhr kennen, geschweige ihr Funktionieren verstehen. Wem es am notwendigen Sachverstand fehlt, der hat natürlich Probleme, die aber nur durch die Schulung des Sachverstands und nicht mit mathematischen Spekulationen zu lösen sind. Darum ist es für die Zukunft der Physik so wichtig - sollen wesentliche Teile von ihr nicht zur Esoterik verkommen, in deren Regalen heute schon die Bücher etlicher Physiker landen, die sich von "moderner Physik" unkritisch inspirieren ließen -, bei Physikern und Laien Grund für ein solides Verständnis des Zeitphänomens zu legen und den Zeitbegriff von seinen modernen Mystifikationen zu befreien. Und mit dem Wachsen des Sachverstands (und nicht durch neue Theorien) werden dann die heute noch heiß diskutierten "Probleme" nach und nach einfach verschwinden.
*Gas-, Wasser- und Stromzähler sind, wie ihr Name schon sagt, Zähl- oder Meßgeräte für Quantitäten von etwas materiell Fließendem und daher keine Uhren, wie umgekehrt eine Uhr kein Chronometer ist, weil es keine Sache "Zeit" gibt, die durch das Universum "fließt". Die Zeit ist ein Phänomen, das uns durch das Erinnerungsvermögen geschenkt wird.
**die jene, die nichts von der Rolle des Beobachters wissen oder wissen möchten, dann für ein von der Uhr getätigtes Messen halten, die dem messenden Beobachter jedoch nur das Zeitmaß gibt.
Lediglich auf die metrologische Bedeutung von Raum und Zeit achtend - und nur auf sie kommt es eben in den exakten Wissenschaften an! - ohne auf Kants Auffassung von Raum und Zeit, als a priori gegebene Anschauungsformen, zurückgreifen zu müssen, läßt sich objektiv jedoch nur feststellen, daß beim Längenmaßstab die Maßzahlen nebeneinander stehen, wärend sie uns beim Zeitmaßstab nacheinander gegeben werden, wie es die digitale Zeitanzeige im Titelfeld dieser Datei im Vergleich zum dem darunter abgebildeten Lineal deutlich macht. Und diese Differenz ist der nicht aufzuhebende Unterschied zwischen Zeit- und Raummaßen und das ist alles, was sich über das Verhältnis von Raum und Zeit positv, also de facto feststellen läßt. Jedes Mehr ist freie Phantasie. Die zusammengebackene "Raumzeit" der sog. "modernen Physik" ist eine weltenlenkende Heilige Viereinigkeit, die in Einsteins deterministischen (und damit dualistischen) Weltbild dafür sorgt, daß alles mit Gott bestimmter absoluter Notwendigkeit geschieht. Deterministische Vorstellungen sind Ausfluß eines theologischen Denkens, das z.B. auch bei Marx die unhinterfragte Grundlage seiner Geschichtsvorstellung war, das regelmäßig in geistiger und politischer totalitärer Herrschaft endet. W.V. Quine schreibt über theologisches Denken: "Metaphysische Notwendigkeit macht einen jener Hauptpfeiler theologischen Denkens aus, deren Fährte wir geradewegs auf Aristoteles zurückverfolgen können." Auch sonst ist Einsteins "neue Auffassung von Raum und Zeit" (Weinberg) gar nicht so neu, finden wir doch in Newtons theologischen Betrachtungen innerhalb seiner "Principia" die Behauptung, daß Raum und Zeit Sensorien Gottes seien. Aber bei Einstein sind sie eben mehr als das. Einstein wollte immer den "transzendentalen Determinismus" (Maturana) retten, so wenn er in seiner berühmten Kontroverse mit Bohr darauf bestand, daß die Quantenmechanik "unvollständig" sei und Gott "nicht würfelt". Ferner war es sein Ziel, Gottes Gedanken nachzuvollziehen. Und diese Absichten Einsteins sollte man ganz und gar ernst nehmen, wenn man sein Denken und damit auch die Bedeutung der gekrümmten Raumzeit verstehen will. Weinberg selbst zitiert Einsteins Biograph Abraham Pais wie folgt: "Einstein ist eine typisch alttestamentarische Gestalt mit der an Jehova gemahnenden Einstellung, daß es ein Gesetz gebe und man es finden müsse." Daher halte ich Weinbergs "Vermutung", Einstein hätte seine Äußerungen über Gott und sein Gesetz "metaphorisch gemeint" für oberflächlich und falsch. Indem ich sie so auffasse, wie sie im Ernst gesagt wurden - und jeder Autor hat zu allererst darauf Anspruch, beim Wort genommen zu werden! - stellt sich mir Einsteins, von kosmischer Religiosität geprägtes deterministisches Weltbild wie folgt dar:
Gott im Himmel ist die "ferne Masse", die allen Dingen ihre Trägheit und damit auch ihre Kraft verleiht. Das ist nicht sonderlich originell, sagten doch schon die scholastischen Philosophen, daß Gott alle Dinge in ihrem Sein erhält, was Einsteins Gewährsmann Spinoza zitiert (Ethik 1. Teil, 24. Lehrsatz, Folgesatz). Zwei Lehrsätze weiter heißt es bei Baruch Spinoza: "Ein Ding, das etwas zu wirken bestimmt ist, ist notwendig von Gott dazu bestimmt worden; und ein Ding, das von Gott nicht bestimmt worden, kann sich nicht selbst zum Wirken bestimmen." Darum muß die Quantenmechanik "unvollständig" sein, wie Einstein, seinem "Instinkt" folgend, sagte, d.h., nicht einmal ein radioaktives Atom kann und darf von sich aus strahlen. Das wäre Anarchie und allen zentralistisch-obrigkeitlichen Denkern ein Greuel.
Weil dynamische Prozesse allein durch die Mächtigkeit der an ihnen beteiligten Sachen bestimmt werden und daher ur-sächlich, also kausal sind, lehnte Einstein die Dynamik ab und setzte daher auf kinematische und geometrische Beschreibungen, z.B. der Gravitation. Seiner Meinung nach darf es nicht unzählige Ursachen sondern nur eine, und zwar zentrale Ur-Sache geben und die ist Gott. Seine Physik soll daher die Beschreibung sein, wie Gott die Welt aus der Ferne regiert, weshalb er die Relativitätstheorie, ganz konsequent, als "ein Abglanz der Gottheit" empfand. Nur wer dies versteht, versteht den Sinn von Einsteins gekrümmter Raumzeit und den anhaltenden allgemeinen Versuch einer Verleumdung Newtons und seiner Lehre, der auf eine den Dingen immanente Kraft (Trägheit) bzw. eine ihnen zugehörige Ursache (Gravitation) setzte - wie dies einzig der Erfahrung entspricht. (Dabei war Newton alles andere als gottlos, doch hatte er ein unitarisches Gottesbild, wie jetzt seinem Nachlaß entnommen werden konnte.)
Gott wirkt mittels der Raumzeit und der mit ihr irgendwie verwobenen Schwere, die beide zusammen dann die "gekrümmten Raumzeit" ergeben, die nicht nur sein Sensorium ist, wie bei Newton, sondern zugleich auch so etwas wie seine Arme und Hände. Gott weiß nicht nur alles, wie man uns in der Kindheit gelehrt hatte, damit wir auch bei Abwesenheit von Eltern oder Tanten immer recht brav sind, sondern Gott macht auch alles mittels der Motorik der Heiligen Viereinigkeit selbst, weshalb Schwere und Trägheit "äquivalent" sein müssen. Eine aus den Dingen selbst kommende Trägheit würde Gott da nur stören.
Die immer "konstante und nicht überschreitbare Lichtgeschwindigkeit", deren Messung angeblich von der Relativbewegung von Lichtquelle und Lichtempfänger unabhängig wäre, was jeder Dopplereffekt des Lichts widerlegt, ist in dieser Sicht ein direkter Beweis für das Eingreifen und somit für die Existenz Gottes, der sich, quasi Wunder wirkend, über sachliche und logische Gründe einfach hinwegsetzt und durch sein Tempolimit - scheinbar so ganz nebenbei - absurde negative Ergebnisse von Einsteins sog. Lorentztransformationen verhindert. Wer immer Überlichtgeschwindigkeiten behauptet, wie z.B. Nimtz in Köln mit seinen Tunnelmessungen, ist ein Ketzer und gehört verb(r)annt. Statt Nimtz zum Nobelpreis vorzuschlagen, hat man ihn moralisch fertig gemacht - einer der größten Skandale der neueren Wissenschaftsgeschichte. Dabei hat man längst akzeptiert, daß es, als Ursache "Schwarzer Löcher", um kompakte Sterne herum überlichtschnelle Fallgeschwindigkeiten geben muß, die Licht - trotz seines enormen Tempos - am Entweichen hindern. So hat man sich das Sprechen mit gespaltener Zunge angewöhnt, um die relativistische Position um jeden Preis zu verteidigen, vor allem aber um den Preis der Lauterkeit, die das Herzstück der Wissenschaft ist, weil ohne sie Wissenschaft keinen Sinn macht. Um Argumentationsspielraum zu haben, wird in der relativistischen Physik offen gelassen, ob es sich bei der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit um eine Bewegungs- oder um eine Meßkonstanz handelt, die sich logischerweise gegenseitig ausschließen, wie man überhaupt durch wolkige Begriffe und mehrdeutige Aussagen sich dem logischen Zugriff zu entziehen sucht. Notfalls werden als unsinnig erkannte relativistische Behauptungen als über Vernunft und Logik erhabene Weisheiten des geistig uneinholbares Genies Einstein ausgegeben, obwohl dies nur ein noch größeres Genie beurteilen könnte! die - wie bittere Pillen - unzerkaut geschluckt werden müssen. Ganz abgesehen davon, daß zwischen "genial" und "wahr" kein zwingender Zusammenhang besteht, sehe ich die Idee der um nachvollziehbares Wissen bemühten Wissenschaft hierbei zutiefst beschädigt und in Frage gestellt!
Der menschliche Geist kann Gottes Gesetz erkennen, weil er "ein Teil des unendlichen Verstandes Gottes ist" (Spinoza, Ethik, 2. Teil, 11. Lehrsatz, Folgesatz). Einstein (Mein Weltbild): "In einem gewissen Sinne halte ich es also für wahr, daß dem reinen Denken das Erfassen des Wirklichen möglich sei, wie es die Alten geträumt haben ..." Oder wie schon die Scholastiker: "Wenn ich Gottes Gedanken kenne, ist der Rest einfach." Und da der "unendliche Verstand Gottes" die Wahrheit direkt erfasst und keiner Begründung bedarf, schreckte Einstein auch nicht vor "Offenbarungen" zurück, wie "die Lichtgeschwindigkeit ist immer konstant", ohne zu sagen, ob er eine Verhaltens- oder Messkonstanz meinte. So dürfen Relativisten weiterhin nach Belieben argumentieren.
Während Einstein, Mach folgend, so tut, als wolle er - durch die Eliminierung der ungeliebten Kausalität - in der Physik metaphysisch-religiöse Spekulationen vermeiden, etabliert er in ihr tatsächlich seine eigene Metaphysik. Um dieses theologische Weltverständnis an den Mann zu bringen, das Einstein zugegebenermaßen weitgehend von Spinoza übernahm, in dem er einen geistigen Heroen sah1, erfindet er zuerst alle die Probleme oder erklärt banale technische Schwierigkeiten zu wissenschaftlichen, die er mit seiner Relativitätstheorie dann "löst", z.B. das "Problem" der Gleichzeitigkeit, das aber nur ein technisches Problem von Uhrenbenutzern ist, die - vielleicht aus finanziellen Gründen oder weil sie alle Neuerungen (als "Teufelszeug") ablehnen - über keine funkgesteuerten Uhren verfügen, jedoch kein physikalisches. Es ging Einstein darum, daß dem Menschen in früher Jugend erzeugte Gefühl von der Existenz einer ihn übersteigenden persönlichen Macht Ausdruck zu verleihen. Wenn Gefühl und Ausdruck im Einklang miteinander zu stehen scheinen, glauben wir recht zu haben, ganz gleich, wie wahrscheinlich und logisch eine solche Aussage ist. Aber Inkorrektheiten, einmal akzeptiert, führen unweigerlich zur Erosion jeglicher Redlichkeit.
Oder Gott hat selbst das Dunkle, weil Irrationale der relativistischen Physik gefordert, indem er zu Einstein in etwa gesagt hat: "Lieber Albert, du darfst nicht alles verraten. Wenn es keine Geheimnisse mehr gibt, werden die Menschen aufhören, an mich zu glauben." Freilich hätte Gott da übersehen, daß den Menschen Einsteins im Gewand der rationalen Wissenschaft daherkommende irrationale Lehre ein noch größeres Geheimnis darstellt als Gott selbst, der ja "nur" die Unursächlichkeit der Existenz verkörpert. Deshalb erscheint jedes Jahr mindestens ein neues Buch auf dem Markt, das uns Einsteins magisch-mystische Weltsicht nahebringen will, während ihre schier unglaubliche Naivität eigentlich nur fürchten kann, wirklich verstanden zu werden was eben hin und wieder geschieht, worauf die Etablierten keinen Trick und keine Verleumdung zur Abwertung der berechtigten und daher sachlich nicht zu widerlegenden Kritik scheuen.3
Einsteins metaphysisches Gravitationsmodell finden wir, in der Sprache der Poesie, sehr viel bündiger, bei Rainer Maria Rilke in dem ebenfalls um die Jahrhunderwende entstandenen "Buch der Bilder" (1902) im Gedicht "Herbst", das das Fallen der Blätter und das Fallen der "schweren Erde" (wer würde hier nicht an Newtons Apfel denken, der, wie die Erde, dem gleichen Gesetz unterliegt) zusätzlich mit kreatürlicher Hinfälligkeit verbindet und alles in Gottes (bremsenden) Händen (Tempolimit!) sieht: "Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält." Hier spricht ein Zeitgeist! Als der Geigenspieler Einstein 1928 den Meistergeiger Yehudi Menuhin gehört hatte, soll er ausgerufen haben: "Jetzt weiß ich, daß es Gott gibt!" Doch Einstein ist keineswegs der einzige Wissenschaftler, den es im Grunde nur darum geht, Gott zu erfahren, weshalb die katholische Kirche ihn längst als prominentesten Zeugen ihrer Metaphysik vereinnahmt hat. Ich will diese Intention von Wissenschaftlern hier weder tadeln noch loben. Ich stelle nur fest, daß die blauäugige Behauptung, in der Wissenschaft gehe es rein um die Erkenntnis des jeweiligen Forschungsgegenstands, einfach nicht stimmt. Vor allem viele Theoretiker in Physik und Biologie werden von ihrer Ideologie motiviert, sich Fakten passend zurechtzulegen und kritische Überlegungen abzuschneiden, um z.B. göttliche Schöpfungsakte plausibel zu machen. Ausreden und Unredlichkeiten sind dabei unvermeidlich.
Doch der sehr späte, seinem Kinderglauben endlich entwachsene Einstein liest sich da "ganz anders". Seinem Freund Solovine schrieb er u.a.: "Sie stellen es sich vor, daß ich mit stiller Befriedigung auf ein Lebenswerk zurückschaue. Aber es ist ganz anders. Da ist kein einziger Begriff, von dem ich überzeugt wäre, daß er standhalten wird, und ich fühle mich unsicher, ob ich überhaupt auf dem rechten Wege bin." Doch weil seine Raumzeitmodell "so schön ist" (Weinberg) und man sein religiöses Anliegen nicht ernst nimmt, wird dieser aus seinem Kindertraum erwachte Einstein, dessen autistische Jugend in ihm noch lange nachwirkte, und der gemäß seiner Überzeugung "Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind", einst Metaphysik und Physik miteinander versöhnen wollte, gar nicht wahrgenommen. Man wird Einstein überhaupt besser gerecht, wenn man ihn als einen spät erwachsen gewordenen Visionär und Künstler sieht, der einen phantasievollen Blick hinter die dem Menschen gegebene natürliche Erkenntnisgrenze werfen wollte. Hierzu passend hat mein Webmaster im Internet u.a. gerade folgendes Einstein-Zitat gefunden (siehe auch1):
"Phantasie ist wichtiger als Wissen. Denn Wissen ist begrenzt."
Quelle: Internet http://members.aol.com/auf/albert/zitate.htm (wie am 17.07.02 festgestellt nicht mehr im Netz)
Der Geist will immer aufwärts zu den großen Visionen, doch die Wissenschaft ist letztlich ein sehr nüchternes Geschäft, das zwar geistiger Impulse bedarf, bei dem zugleich aber auch alles streng rational bedacht sein will, will man nicht zuletzt in die Situation kommen, die Einstein in seinem Brief an Freund Solovine beschrieb. So denke ich, daß man sich vom visionären Geist des jungen Einsteins durchaus angesprochen fühlen kann, daß es aber die Klugheit und wissenschaftliche Akkuratesse verbietet, ihm in seinem Höhenflug zu folgen, wenn man auf dem Boden der Wissenschaft bleiben will, von dem heute leider ein weiter Bereich der Physik abgehoben hat, wie allein schon das obige katastrophale Fazit meiner Buchbesprechung zeigt. In diesem über Vernunft und Logik erhabenen Bereich, wo man wie auf Wolken wandelt, haben Dogmatiker das Sagen, wie in der Kirche, was uns aber nicht zu verwundern braucht, geht es ihnen doch um das theologische Weltbild des transzendentalen Determinismus, das in einer vorurteilsfreien Sicht der Fakten sich nicht bestätigt, weshalb diese ja relativiert werden müssen. Nach dem Ende des Kommunismus ist in der säkularisierten Welt die Physik heute das größte Rückzugsgebiet des totalitären Denkens, trotz der Quantenmechanik, mit einer starken permanenten Bedrohung der Redlichkeit des Denkens und Forschens, wie am Beispiel von Nimtz wieder deutlich wurde, auch wenn dies von vielen Betroffenen selbst so nicht wahrgenommen wird, weil sie ihre Maxime für ganz natürlich halten. Das bei einer doktrinären Einstellung immer unvermeidliche Anpassen von Fakten an Überzeugungen, die sich nicht bestätigen, das trotzige "doch", d.h. das kindliche Rechthabenwollen entgegen Vernunft und Erfahrung, wie es der deutsche Titel des Buches von Clifford M. Will "... und Einstein hatte doch recht" (in Übernahme des erfolgreichen Buchtitels "Und die Bibel hat doch recht" von Werner Keller, wobei lediglich "Bibel" durch die "alttestamentarische Gestalt" "Einstein" ersetzt wurde) und sein Inhalt sehr gut zum Ausdruck bringen, war von Anfang an die Funktion der Relativitätstheorie.3 Daß auch Einstein selbst dies so gesehen hat, können wir seinem Brief vom 14.1.1908 an Arnold Sommerfeld entnehmen: "Wenn uns nicht das Michelson-Morley'sche Experiment in die größte Verlegenheit gebracht hätte, hätte niemand die Relativitätstheorie als eine halbe Erlösung empfunden."2 Man beachte hier nicht nur den Stolz, das Pein verursachende Ergebnis eines entscheidenden Experiments erfolgreich umgedeutet zu haben, sondern auch die von Einstein selbst eingebrachte religiöse Metapher "Erlösung" in Verbindung mit seiner Theorie. Einstein ein (halber oder ganzer) Erlöser? Die Relativitätstheorie als "der Abglanz Gottes" (Einstein) das Neueste Testament? Es gibt viele Menschen, welche ihn und seine berühmte Theorie in ihrer geistigen Not so sehen. Eine dem Gedanken der Aufklärung und dem freiheitlichen und rationalen Denken, sowie der Nüchternheit und bedingungslosen Redlichkeit verpflichtete Physik sollten ihnen endlich bessere Einsichten bieten und ihrer nicht geringen geistigen Not ein Ende machen.
1"Manchmal verfaßte Einstein ein Gedicht lediglich, um die Tugenden eines seiner Geistesheroen zu rühmen, wie beispielsweise in diesem kleinen Tribut an den großen Spinoza, geschrieben im Jahre 1920:
Oh, wie lieb` ich diese edle Seele,
Mehr als Worte jemals sagen.
Doch fürchte ich, er bleibt allein
Mit seinem hellen Glorienschein."
Quelle: Internet http://members.aol.com/auf/albert/gedicht.htm (wie am 17.07.02 festgestellt nicht mehr im Netz)
Zum Verständnis der Einsteinschen Idylle und Intention ist es deshalb so nützlich, Spinoza zu lesen und metaphysische Äußerungen Einsteins nicht als "Metaphorik" abzutun, was auch wieder nur ein leichtfertiges Relativieren unbequemer Fakten ist, das Wissenschaftlicher eigentlich nicht nötig haben sollten.
2Fundstelle: Physikalische Blätter 40 (1984) Nr. 2, S.30
3Daß es - in Anbetracht der irrealen Ausgangsposition - auch massenhaft rein physikalische Argumente gegen Einsteins spezielle Relativitätstheorie gibt, kann da eigentlich nicht überraschen. Diese können u.a. in dem Buch der beiden Physiker Dr. Georg Galeczki und Dr. Peter Marquardt "Requiem für die spezielle Relativität" (Verlag Haag+Herchen Frankfurt/M. 1997) nachgelesen werden. Einen Textbeitrag der beiden Autoren zu dieser Homepage: "EPPUR SI MUOVE" - Zwischen Instrumentalismus und Realismus finden Sie gleich zu Anfang dieser Unterabteilung in Datei (B9). Darüberhinaus finden Sie von G. Galeczki hier auf der Homepage den Titel Special Relativity's Heel of Achilles: The Units of Measurement.
© HILLE 1996-2002
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